Globalisierung und Waffenhandel: Bestehende Kontrollen lückenhaft
Berlin, 02.10.2006 – Die Globalisierung der Rüstungswirtschaft zeigt die dramatischen Defizite
derzeitiger Exportkontrollsysteme. So können Rüstungsgüter problemlos auch an bestehenden
Embargos vorbei in Länder gelangen, in denen schwere Menschenrechtsverletzungen begangen
werden. Dies belegt eine neue Studie, die amnesty international, Oxfam und das Internationale
Kleinwaffenaktionsnetzwerk (IANSA) für die Kampagne „Waffen unter Kontrolle!“ heute zur Sitzung
des Abrüstungsausschusses der UN-Generalversammlung in New York veröffentlicht haben. Auf
dieser Sitzung wird unter anderem über ein internationales Abkommen zur Kontrolle von
Rüstungstransfers beraten, das die Kampagne „Waffen unter Kontrolle!“ fordert.
Die Studie „Arms Without Borders: Why a Globalised Trade Needs Global Controls“ zeigt die
häufig ganz legalen Wege von Kriegsmaterial westlicher Herkunft in Krisengebiete wie Kolumbien,
den Sudan oder Pakistan. Dabei werden Schlupflöcher in staatlichen und internationalen
Kontrollsystemen genutzt: Es ist einfacher, sich auf dem Weltmarkt statt kompletter
Waffensysteme die entsprechenden Einzelteile oder Fertigungslizenzen zu beschaffen. Oder es
werden Schusswaffen, Kampfhubschrauber oder Panzerfahrzeuge in legalen Umweggeschäften
über Staaten mit weniger strengen Exportkontrollen in Krisenregionen verbracht.
„Für die Hunderttausende von Opfern in jedem Jahr spielt es keine Rolle, ob die Waffen als
Ganzes oder in Einzelteilen geliefert wurden. Die internationale Staatengemeinschaft muss
unverzüglich ein Abkommen beschließen, das wirklich alle grenzüberschreitenden Rüstungsgeschäfte
völkerrechtlich verbindlich regelt,“ so Paul Bendix, Geschäftsführer von Oxfam
Deutschland.
„Die bestehenden Kontrollsysteme sind in ihrer jetzigen Form völlig ungeeignet, um internationale
Rüstungstransfers zu regulieren,“ so Dr. Mathias John, Rüstungsexperte von amnesty international
Deutschland. „Auch der am 27. 9. veröffentlichte deutsche Rüstungsexportbericht für 2005 zeigt,
dass nicht einmal die seitens der Bundesregierung ‚restriktiv’ genannten deutschen Gesetze
wirkungsvoll Rüstungsexporte in menschenrechtsverletzende Staaten unterbinden können.“
Die Studie „Arms Without Borders: Why a Globalised Trade Needs Global Controls“ erscheint im
Rahmen der weltweiten Kampagne „Waffen unter Kontrolle!“ („Control Arms“) von amnesty
international, Oxfam und IANSA. Ziel der Kampagne ist es, Verbreitung und Missbrauch von
Waffen einzudämmen und ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen zur Kontrolle des
internationalen Handels mit konventionellen Rüstungsgütern („Arms Trade Treaty“)
herbeizuführen.
Weitere Informationen und Interviewwünsche:
Oxfam Deutschland, Paul Bendix, T: 030-42850621,
E-mail: info@oxfam.de
amnesty international, Pressestelle, T: 030-420248306,
E-mail: presse@amnesty.de
