Krise im Gaza-Streifen: Die Hälfte der Opfer sind Frauen und Kinder

16. Januar 2009

Über 1.000 Tote durch Kämpfe im Gaza-Streifen / Humanitäre Situation weiterhin katastrophal


Drei Wochen nach Beginn der militärischen Offensive Israels sind durch die Kämpfe im Gaza-Streifen bereits über 1.000 Menschen getötet worden, die Hälfte davon Frauen und Kinder. Oxfam weist äußerst besorgt auf die katastrophalen Bedingungen hin, unter denen zehntausende Familien im Gaza-Streifen als Folge der 18-monatigen Blockade und der jetzigen Militäraktionen Israels leben. Blockade und Offensive gelten der Hamas, die Folgen trägt jedoch die gesamte palästinensische Bevölkerung von 1,5 Millionen. Mehrere Tausend Menschen sind verletzt und bangen wegen mangelnder medizinischer Versorgung um ihr Leben. Auch die Zivilbevölkerung auf israelischer Seite lebt in ständiger Gefahr durch den anhaltenden Raketenbeschuss aus Gaza durch militante Palästinenser.

Im Gaza-Streifen gelangt viel zu wenig Nothilfe zu den Menschen, die sie dringend brauchen. Die gelegentlichen Feuerpausen der israelischen Armee sind nicht ausreichend regelmäßig und lang, um der Bevölkerung Zugang zu Lebensmitteln und medizinischer Versorgung zu ermöglichen.

„Im besten Fall reicht die Pause gerade aus, um ein Minimum an Hilfsgütern zu verteilen. Meist schaffen wir es aber nicht, den Menschen in ihrer auswegslosen Lage ausreichend zu helfen. Es schmerzt, nur einen Verband um eine Schusswunde legen zu können, wenn eigentlich eine Operation notwendig wäre, um das Leben des Verletzten zu retten“, berichtet Oxfam-Landesdirektor John Prideaux-Brune in Jerusalem.

Unter der hohen Anzahl der Verletzten droht das Gesundheitssystem völlig zusammenzubrechen. Prideaux-Brune: “Ärzte in den Krankenhäusern in Gaza sehen sich von den Notfällen überwältigt. Es mangelt an allem: grundlegende Arzneimittel, notwendige medizinische Ausrüstung und Ersatzteile. Einige Rettungssanitäter starben bereits durch Panzer- oder Artillerie-Beschuss während des Einsatzes. Wegen zu nahen Kampfhandlungen mussten einzelne Kliniken geschlossen werden.“

„Die Arbeit der übrigen Krankenhäuser wird durch ständige Stromausfälle massiv behindert. Die Notgeneratoren sind unzureichend mit Treibstoff versorgt. Ein vollständiger Stromausfall wäre das sichere Todesurteil für viele Schwerverletzte. Wegen Treibstoffmangels sind bereits die Generatoren für die staatlichen Krankentransportstationen, sowie für Impfstofflager, Labore und Magazine immer wieder ausgefallen“, so Prideaux-Brune weiter.

Viele Familien können ihre Häuser nur unter großem Risiko verlassen, um sich Lebensmittel und Wasser zu beschaffen. Auch vielbesuchte Märkte wurden bereits von Granaten getroffen. Oxfam plant 10.000 Menschen im Norden von Gaza-Stadt mit Nahrungsmitteln zu versorgen, sobald die Sicherheitslage es zulässt.

Oxfam begrüßt alle regionalen und internationalen diplomatischen Bemühungen um einen Waffenstillstand. Wir sind jedoch besorgt, dass zu viel Zeit durch unnötige politische Manöver und Schuldzuweisungen verschwendet wird. „Jeder weitere Tag ohne Waffenruhe, kostet das Leben unschuldiger Menschen. Humanitäre Belange müssen unbedingt Vorrang vor politischem Kalkül haben“, warnt Prideaux-Brune.

Oxfam appelliert an die internationale Gemeinschaft, sich mit Nachdruck für folgende Forderungen einzusetzen: