© Oxfam America

Afghanistan: Zukunft ohne Krieg und Gewalt

In Afghanistan herrscht seit 30 Jahren Krieg. Leidtragende sind vor allem Zivilisten. Trotz beachtlicher Aufbauerfolge lebt immer noch die Hälfte der Menschen in Armut, jede/r Dritte ist akut von Hunger bedroht.

Oxfam fordert, die Bevölkerung wirksamer vor Gewalt zu schützen und die Hauptursache der Gewalt zu bekämpfen: die extreme Armut vor allem in ländlichen Gebieten.

Oxfam setzt sich dafür ein, die Rechte der Frauen in Staat und lokalen Gemeinschaften zu stärken und ihnen einen besseren Zugang zu Gesundheitsfürsorge, Bildung und Arbeit zu ermöglichen. Entscheidend ist ferner, die Sicherheit von Frauen in Afghanistan zu verbessern. Oxfam fordert daher, Gewalttaten gegen Frauen konsequent zu ahnden und wesentlich mehr Polizistinnen einzustellen.

Nur wenn alle diese Voraussetzungen erfüllt sind, können Afghaninnen aktiv zum Aufbau ihres Landes beitragen.

Unterstützen Sie unsere Kampagnenarbeit mit Ihrer Spende!

Gruppen:
09 | September | 2013

Oxfam-Bericht: Afghanistan braucht mehr Polizistinnen

Afghanische Polizistin vor blau gestrichenem Tor
© Lalage Snow

Nur ein Prozent der afghanischen Polizisten sind Frauen. Dies ist besonders problematisch, da sich Frauen in der extrem konservativen afghanischen Gesellschaft oftmals nur an weibliche Polizeibeamte wenden können. Und auch die weiblichen Polizeikräfte leiden häufig unter sexueller Gewalt, werden diskriminiert oder wegen ihrer Arbeit sogar getötet. Zwölf Jahre nach dem Sturz der Taliban steigt die Gewalt gegen Frauen wieder an. Von 2011 bis 2012 wurde ein Anstieg von 25 Prozent bei solchen Verbrechen dokumentiert. Afghanistan ist nach wie vor eines der gefährlichsten Länder für Frauen und besonders für Polizistinnen.

ZUR ANSICHT DER INFOGRAFIK - INS BILD KLICKENDer neue Oxfam-Bericht „Women and the Afghan Police – why a law enforcement agency that respects and protects females is crucial for progress“ fordert deshalb, nicht nur wesentlich mehr Frauen für die afghanische Polizei zu rekrutieren, sondern sie auch besser auszubilden und für sicherere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Andernfalls stehen die Rechte und die Sicherheit aller Frauen in Afghanistan auf dem Spiel, so die Autoren des Berichts.

Viele Frauen zögern, gegen sie gerichtete Gewalttaten bei der Polizei anzuzeigen, da es dort sehr häufig keine weiblichen Ansprechpartner gibt. Landesweit kommt durchschnittlich auf 10.000 Frauen nur eine Polizistin. In manchen Provinzen gibt es sogar überhaupt keine Beamtinnen. Millionen Afghaninnen haben daher so gut wie keinen Zugang zur Polizei.

Frauen im Polizeidienst werden häufig von männlichen Kollegen und Vorgesetzten sexuell belästigt. So wurden Berichten zufolge von Frauen als Gegenleistung für Beförderungen sexuelle Gefälligkeiten gefordert. Auch sonst haben Frauen schlechte Karriereaussichten und erhalten nur selten Positionen, in denen sie Fälle von Gewalt gegen Frauen bearbeiten können – etwa, um Opfer und Zeuginnen persönlich zu vernehmen. Oftmals fehlt es auch an grundlegenden Dingen wie zum Beispiel Uniformen oder frauengerechter Ausgestaltung von Polizeigebäuden und Unterkünften, damit Polizeibeamtinnen ihre Arbeit adäquat verrichten können.

05 | März | 2012

Jugend in Afghanistan: „Generation Kunduz“ auf Kino-Tour

Mirwais, 10 Jahre, aus Kundus. © Martin Gerner
Mirwais, 10 Jahre, aus Kundus. © Martin Gerner

Oxfam fördert die bundesweite Kino-Tournee des preisgekrönten Dokumentarfilms "Generation Kunduz". Er zeigt eindrucksvoll den Alltag und die Hoffnungen fünf junger Menschen in Afghanistan. Sie finden sich nicht ab mit Krieg und Elend, sondern träumen von Frieden und gesellschaftlichem Aufbruch oder einfach auch beruflicher Erfüllung.

Eindrucksvoller Dokumentarfilm

Obwohl noch nicht oder gerade erst volljährig – es sind beeindruckende Persönlichkeiten, die Filmemacher und Afghanistan-Korrespondent Martin Gerner mit der Kamera in ihrem oft harten Alltag begleitet. Der zehnjährige Mirwais arbeitet als Schuhputzer. Für Schule bleibt da kaum Zeit, er muss seine Familie unterstützen. Über den Krieg spricht er fast wie ein Erwachsener. Nazanin, eine Lokalreporterin, kämpft für Gleichberechtigung, obwohl sie die Burka tragen muss. Student Hasib hofft auf mehr Demokratie und engagiert sich als Wahlbeobachter. Ghulam und Khatera sind Schüler und drehen mitten in den Straßen von Kunduz ein Liebesdrama.

Lebensentwürfe trotz Krieg und Gewalt

Die Stadt Kunduz im Norden Afghanistans war im September 2009 Schauplatz eines – von einem deutschen Offizier angeordneten – verheerenden NATO-Luftangriffs auf zwei von Taliban entführte Tanklastzüge. Dabei kamen zahlreiche Zivilisten ums Leben oder wurden verletzt. Der Autor zeichnet vor dem Hintergrund dieser Ereignisse ein Bild der Seelenlage der jungen Generation in Afghanistan, die zwischen Taliban und ausländischem Militär aufwächst.

„Generation Kunduz“ zeigt: Es gibt ein anderes Afghanistan, jenseits der allzu oft auf Krieg und Gewalt fixierten Berichterstattung vieler Medien. Der Film versetzt die Zuschauer auf packende Weise mitten in die heutige Lebenswelt junger Afghaninnen und Afghanen.

Kinotour und Diskussionsveranstaltung

Oxfam Deutschland ist Medienpartner der bundesweiten Kino-Tournee 2012 von „Generation Kunduz“, die am 15. März in Saarbrücken startet (20:30 Uhr im Filmhaus Saarbrücken). Am 22. März wird der Film im Berliner Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz gezeigt (20:15 Uhr). Im Anschluss an die Vorführung findet mit Regisseur Martin Gerner, Oxfams Afghanistan-Referenten Robert Lindner und Afghanistan-Kenner Belal El-Mogaddedi ein Podiumsgespräch zum Film und zu aktuellen Problemen Afghanistans statt.

Mehr Informationen zum Film und zur Tournee: www.generation-kunduz.de

09 | Dezember | 2011

Afghanistan-Konferenz: Enttäuschend

Hohe Erwartungen, aber schwache Beschlüsse – das ist aus Sicht von Oxfam das Ergebnis der Bonner Afghanistan-Konferenz.

Bis auf die Ankündigung, die internationale zivile Hilfe nach dem Truppenabzug Ende 2014 mindestens zehn Jahre fortzusetzen und den Schutz der Menschen- bzw. Frauenrechte zum Bestandteil von Friedensverhandlungen zu machen, fiel das Abschlussdokument der in Bonn vertretenen rund 100 Regierungen enttäuschend vage aus. Lediglich EU-Außenbeauftragte Ashton machte auf der Bonner Afghanistan-Konferenz am 5.Dezember 2011 in ihrem Redebeitrag konkrete Zusagen zur Höhe der künftigen Beiträge für die zivile Hilfe und zum weiteren Polizeiaufbau.

Klarer Fahrplan fehlt

Oxfam hatte im Vorfeld von Bonn für den langfristigen zivilen Aufbau Afghanistans einen klaren Fahrplan gefordert, der vorrangig die Bekämpfung der Armut und die Durchsetzung von Menschenrechten zum Ziel hat. Oxfam mahnte zudem an, Übergriffe von afghanischen Sicherheitskräften und irregulären Milizen („Afghan local police“) gegen Zivilisten abzustellen. Bei der Ausbildung von Militär und Polizei muss dringend Priorität auf Rechtsstaatlichkeit und den Schutz der Zivilbevölkerung gelegt werden. Oxfam hat außerdem Mitte Oktober gemeinsam mit einem breiten Bündnis internationaler Nichtregierungsorganisationen ein Positionspapier veröffentlicht, in dem unter anderem gefordert wurde, die erreichten Fortschritte bei der Verwirklichung von Frauenrechten nicht einem politischen Ausgleich mit Aufständischen zu opfern.

Zusagen vage

Die im Abschlussdokument von Bonn enthaltene Erklärung, die afghanische Zivilgesellschaft zu stärken und in den Friedensprozess einzubeziehen sowie insbesondere die Frauenrechte zur Grundlage von Verhandlungen zu machen, ist grundsätzlich willkommen.. Es bleibt jedoch unklar, wie die Versprechungen der in Bonn versammelten Regierungen konkret eingelöst und wie die Zivilgesellschaft in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden soll.

Im Juli 2012 soll eine Geberkonferenz in Tokio stattfinden. „Dies darf jedoch nicht bedeuten, dass drängende Probleme auf die lange Bank geschoben werden. Vor allem angesichts der akut drohenden Hungersnot in Teilen Afghanistans müssen unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden, um den Zugang weiter Teile der Bevölkerung zu Nahrung, Gesundheit und Bildung zu sichern“, sagt Robert Lindner, der für Oxfam Deutschland die Bonner Afghanistan-Konferenz beobachtete. Robert Lindner ist auch Sprecher der Afghanistan-Arbeitsgruppe von VENRO.


01 | Dezember | 2011

Über 20.000 Menschen zeigen Solidarität mit afghanischen Frauen

Unterstützung für Frauenrechte vor Afghanistan-Konferenz in Bonn

Die Aktion für Solidarität mit afghanischen Frauen wurde erfolgreich abgeschlossen.

Mehr als 20.000 Unterstützer/innen haben mitgemacht, über 1.000 haben ihr Foto mit dem grünen Schal auf die Website ch16.org/afghanwomen hochgeladen. Aktivistinnen von Oxfam und anderen internationalen Nicht-Regierungsorganisationen übergaben die Fotos am 28.11.2011 an den britischen Außenminister Alistair Burt als Stellvertreter der Regierungsvertreter/innen von mehr als 90 Ländern. Diese werden am 5. Dezember über die Zukunft Afghanistans verhandeln – und damit auch über die Zukunft der afghanischen Frauen, deren Rechte bei einem vorschnellen Ende der zivilen Hilfe und einem falschen Ausgleich mit Aufständischen akut gefährdet wären.

Die Fotos von Unterstützer/innen aus aller Welt werden während der Bonner Afghanistan-Konferenz vom 2.-5. Dezember präsentiert. Mehr Infos: http://ch16.org/afghanwomen

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Meine Geschichte: Zahra und Mary – Frauen helfen Frauen bei Gewalt

Kurz nach Zahras 18. Geburtstag versuchte ihr Vater, sie zu einer Ehe mit einem gewalttätigen Drogenabhängigen zu zwingen. Allein gelassen und voller Angst floh Zahra von Zuhause und suchte Hilfe bei der örtlichen Polizeiwache. Doch die Polizisten – ausschließlich Männer – nahmen sie nicht ernst und ignorierten ihre Not. Zahra blieb nichts anderes übrig, als zu ihrer Familie zurückzukehren. Nach monatelangen Demütigungen und Qualen floh sie erneut und lebt heute in einem Kabuler Frauenhaus – gemeinsam mit anderen Frauen, die ebenfalls missbraucht und von der Polizei schikaniert worden sind.

 „Zunächst hatte ich Vertrauen in die Polizei, aber das habe ich jetzt völlig verloren“, sagt Zahra. „Ich wünschte, ich hätte mich damals an eine Polizistin wenden können. Einer Frau hätte ich mich dort leichter anvertrauen können, denn sie hätte meine Probleme viel besser verstanden.“

MaMary Akrami © Ellie Kealey/Oxfamry Akrami leitet die Oxfam-Partnerorganisation Afghan Women’s Skills Development Centre (AWSDC), die das Frauenhaus betreibt, in dem Zahra jetzt lebt. Mary ist eine renommierte afghanische Frauenrechtlerin, die auch das afghanische Innenministerium und die afghanische Polizei berät. „Auf jede Frau, die es in eines der wenigen Frauenhäuser schafft, kommen Tausende, die keine Chance haben, ihrer Not zu entfliehen.“

Zum Oxfam Bericht "Warum die afghanische Polizei mehr Frauen braucht"

Drei Jahrzehnte Krieg in Afghanistan haben bei der Bevölkerung Spuren hinterlassen. Oxfam hat vor Ort mit einigen Betroffenen über ihre Erlebnisse gesprochen. Hier sind ihre Geschichten.