Finanzkrise und Entwicklung
Foto Frau zeigt ihren Verdienst als Bäckerin
Eine Frau in Kenia zeigt ihren Tagesverdienst als Bäckerin. © Crispin Hughes/Oxfam

Finanzkrise und Entwicklung

Die Menschen in armen Ländern leiden besonders unter den Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Infolge der Krise werden rund 90 Millionen mehr Menschen in extreme Armut abrutschen, die bislang in der Armutsbekämpfung erzielten Erfolge drohen zunichte gemacht zu werden. Entwicklungsgelder müssen nun verstärkt dazu beitragen, die Situation in armen Ländern zu stabilisieren.

Oxfam-Diskussionspapier Paying the Price

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat erhebliche Auswirkungen in armen Ländern. Frauen sind überproportional von Arbeitsplatzverlust und der Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen betroffen. Die Folgen sind gravierend: Ihren Familien fehlt das Geld für Lebensmittel, Gesundheitsfürsorge oder den Schulbesuch der Kinder. Zum Diskussionspapier [PDF | 191 KB]

24 | Juni | 2011

Steuer gegen Armut rückt näher

Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, hat einen Gesetzgebungsvorschlag der Kommission für eine Finanztransaktionssteuer angekündigt. Barroso und auch der bislang skeptische Steuerkommissar Algirdas Semeta erklärten jetzt, dass eine Finanztransaktionssteuer nicht nur global, sondern auch schon innerhalb der EU machbar und sinnvoll sei. Eine späte, aber sehr erfreuliche Einsicht!

Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte kürzlich, dass auch ein Voranschreiten der Eurozonen-Länder möglich sei, sollte auf gesamteuropäischer Ebene keine Einigung erzielt werden können.

Es scheint sich damit inzwischen weniger die Frage zu stellen, ob die Steuer überhaupt eingeführt wird, sondern wie und wann. Die Frage nach dem wofür beantworten wir gerne: Die Einnahmen – allein in Deutschland schätzungsweise 10 Milliarden Euro – müssen der Armutsbekämpfung weltweit und in Deutschland sowie dem Klimaschutz zu Gute kommen.

Sind Sie auch unserer Meinung? Dann unterzeichnen Sie unsere Unterschriftensammlung:

Jetzt für die Steuer gegen Armut unterzeichnen

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat die armen Länder mit voller Wucht getroffen:

  • ihre Einnahmen aus Exporten brechen infolge der geringeren Handelsströme weg,
  • Geldtransfers aus der Diaspora bleiben aus, und
  • die zusehends schwierige Haushaltslage in den reichen Industrieländern kann zu Kürzungen der Entwicklungshilfe führen.

Die Folge: Die Arbeitslosigkeit steigt, und die Einnahmen des Staates gehen zurück, sodass Kürzungen in wichtigen sozialen Bereichen wie Gesundheitsfürsorge und Bildung drohen. Denn die Regierungen armer Länder verfügen nicht über die notwendigen Ressourcen, um mit Konjunktur- bzw. Sozialprogrammen die Auswirkungen der Krise abzufedern. Somit sind insbesondere die ärmsten Bevölkerungsteile zunehmend Hunger und noch größerer Armut ausgesetzt.

Erfolge der Armutsbekämpfung in Gefahr

Die Weltbank schätzt, dass als Folge der Krise rund 90 Millionen mehr Menschen in extreme Armut abrutschen werden, d.h. sie leben von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. In den vergangenen Jahrzehnten erzielte Erfolge in der Armutsbekämpfung drohen damit zunichte gemacht zu werden.

Arme Länder, die am Entstehen der Krise nicht beteiligt waren, benötigen in dieser schwierigen Situation finanzielle Unterstützung. Hier stehen insbesondere die G8 und weitere führende Industrieländer sowie die in der Gruppe der 20 (G20) zusammengefassten wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in der Verantwortung.