Blogbeiträge “Good aid stories”
Foto: Oxfam-Stunt zum G8 in Huntsville, Kanada, Bill Nighy und die Big-Heads
Für Oxfam-Botschafter Bill Nighy wäre die Einführung einer Robin-Hood-Steuer ein Volltreffer. Auf Rückendeckung der G8 kann er bisher jedoch leider nicht zählen. © Oxfam

Blogbeiträge “Good aid stories”


Wie kann Entwicklungshilfe im 21. Jahrhundert für mehr Transparenz, Verantwortung und Nachhaltigkeit sorgen?

Entwicklungshilfe für freie und unabhängige Medien in Kenia

Foto: Ein Radiomoderator in Kathmandu City, Nepal.  © Tori Ray/Oxfam
Ein Radiomoderator in Kathmandu City, Nepal. © Tori Ray/Oxfam
Die Medien spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Regierungen kritisch zu beobachten und Politiker zu verantwortungsvollem Handeln anzuhalten. Die größten Herausforderungen für Journalisten bestehen dann, wenn Sachverhalte komplex, Informationen jedoch nur schwer zugänglich sind. Für die zuverlässige Versorgung der Öffentlichkeit mit Nachrichten und Informationen bedarf es Offenheit einer Regierung, brauchbare Recherchequellen sowie Fachkenntnis und Vertrauenswürdigkeit der Medien.

Panos London und Panos Ostafrika - Schwesterorganisationen, die die Menschen durch gute Berichterstattung stärken wollen - sind durch Gelder aus der Entwicklungshilfe in der Lage, kenianische Journalisten zu unterstützen und weiterzubilden. Themen wie Steuern und Regierungsführung sollen verstärkt in die Medien gebracht werden. Übergeordnetes Ziel ist es, mehr Öffentlichkeit zu schaffen und Druck auf die Regierung aufzubauen, damit diese ihren Verpflichtungen nachkommt. Joel Okao, Hörfunk-Journalist und Koordinator für Panos, meint: "Mit Hilfe der Medien und durch die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern ist es möglich, fundierte Debatten anzustoßen. Debatten, die auf Fakten beruhen und im öffentlichen Raum stattfinden. Debatten und Informationen, die von den Machern der Politik nicht so leicht vom Tisch gefegt oder ignoriert werden können." (Quelle: Panos (2009) Relay project workshop)


Georgien: Verantwortung für Sozialleistungen gefordert

Foto: Die 20-jährige Istava mit ihrem Sohn. © Oxfam
Die 20-jährige Istava mit ihrem Sohn. © Oxfam

Das soziale Sicherheitssystem in Georgien bietet in Armut lebende Bürgerinnen und Bürgern ein Grundeinkommen. Obwohl dieses Grundeinkommen sehr gering ist, hilft die Unterstützung den Menschen dabei, sich über Wasser zu halten. Eine durch Entwicklungshilfe finanzierte Untersuchung, die von Oxfam und seinem lokalen Partner "Association of the Young Economists of Georgia" (Verband der Jungen Ökonomen Georgiens) unternommen wurde, hat aufgedeckt, dass tausende Familien durch Lücken im sozialen Netz fallen und somit keinen Zugang zu einem Grundeinkommen haben, obwohl sie weit unter der Armutsgrenze leben.

Foto: Khelaia Lolina mit einer örtlichen Krankenschwester.
Khelaia Lolina mit einer örtlichen Krankenschwester. © Caroline Berger/Oxfam

So haben Akteure der Zivilgesellschaft diese Ergebnisse erfolgreich genutzt, um aufzuzeigen, welche Defizite es bei der Verteilung sozialer Leistungen gibt und was die Politik bislang versäumt hat. Die Regierung nahm die Verbesserungsvorschläge der Studie an und hat nach und nach die Armuts-Bemessungsgrenzen angepasst. Seitdem erhalten 34 000 sozial schwache Familien mehr staatliche Unterstützung. (Quelle: Studienreise nach Georgien, Oxfam Großbritannien, 2009)

 



Entwicklungshilfe für unabhängiges Prüfungswesen in Mosambik

In Mosambik wird das Verwaltungsgericht, verantwortlich für das Überprüfen der öffentlichen Gelder, durch Entwicklungshilfe aus Schweden, Deutschland, Norwegen, Finnland und anderen Geberländern mitfinanziert. Dadurch sollen eine genaue Überprüfung sichergestellt und Korruption vorgebeugt werden.
Bis 2008 hatte das Gericht 350 Prüfungen abgewickelt und damit 35 Prozent des Regierungsbudgets überprüft. Auf diese Ergebnisse sind sowohl für das nationale Parlament als auch für die Medien interessant. Dem letzten Jahresbericht des Verwaltungsgerichts zufolge hat es das Thema Regierungsführung sowohl in die staatseigenen als auch oppositionelle Zeitungen geschafft. Das ist vielversprechend, denn ein parteiübergreifender kritischer Blick auf die eigene Regierung ist ein gutes Zeichen auf dem Weg zu steigendem Verantwortungsbewusstsein. (Quelle: Oxfam Amerika)


Entwicklungshilfe wirkt

Von Dorothy Ngoma, Geschäftsführerin der „National Organization of Nurses and Midwives in Malawi“.

Foto: Dorothy Ngoma. © Marco Boccia
Dorothy Ngoma. © Marco Boccia
Manche Leute behaupten, dass Entwicklungszusammenarbeit Abhängigkeit schafft und dass afrikanische Staats- und Regierungschefs nicht ermutigt werden, die Probleme in ihrem Land eigenständig zu lösen. Natürlich wollen Menschen in Afrika ihre Probleme selbst lösen, aber viele der Länder sind einfach zu arm! Entwicklungshilfe wird zu Unabhängigkeit führen. Es braucht Bildung und Gesundheit, um Menschen zu befreien und zu emanzipieren. Und das braucht Zeit.

Entwicklungshilfe behindert keine Impulse, die für ökonomisches Wachstum nötig sind. Qualitativ gute Entwicklungshilfe, in angemessenem Ausmaß, beschleunigt sogar Wachstum. Arme Länder können im Wettbewerb nicht mithalten. Wie auch, wenn die Menschen ungebildet und krank sind?

Manche Leute erklären, dass Entwicklungshilfe Korruption fördert. Korruption wird man in jeder Gesellschaft finden. Dass der Grund dafür Entwicklungshilfe sein soll, stimmt nicht. Gibt es Korruption, dann müssen wir damit umgehen. Dazu bedarf es Kontrollsystemen und vor allem einer zentralen Rolle der zivilgesellschaftlichen Organisationen. Wir müssen hart daran arbeiten, Korruption zu beseitigen. Es sind einzelne Personen, die aus schwachen Systemen einen Vorteil ziehen. Aber Korruption kann kein Grund dafür sein, arme Menschen in diesen Ländern sterben zu lassen. Arme Menschen können doch nicht den Kürzeren ziehen, nur weil es einige korrupte Personen gibt!

Manche Leute sagen, afrikanische Staats- und Regierungschefs sollten sich auf den internationalen Finanzmärkten Geld leihen, anstatt Entwicklungshilfe zu bekommen. Aber wenn arme Länder das geliehene Geld nicht zurückzahlen können, sollten sie es doch nicht leihen, oder? Wenn sie es nicht zurückzahlen können, ist das erniedrigend. Es macht sie zu Bettlern.

Diejenigen Kritiker von Entwicklungshilfe, die davon sprechen, Entwicklungshilfe mit einer „Schocktherapie“ in einem Schritt einzustellen, scheinen zu vergessen, dass wir es mit Menschen zu tun haben. Mit Menschen die sich wirklich abmühen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Warum sollten wir diese Menschen schocken? Das ist schlicht unmenschlich.


Als Hebamme in Ghana

Patricia Conduah, Direktorin der Geburtshilfe des Krankenhauses Achimota, Ghana

Foto: Patricia Conduah
Patricia Conduah © Oxfam
Nach fast einer Stunde des Wartens in der feuchten Hitze Ghanas, mit lästigem Durst und dem endlosen Hupen des chaotischen Verkehrs in den Ohren, bin ich endlich im Achimota Krankenhaus, einem Distriktkrankenhaus im Norden Accras, angekommen.

Vom Haupteingang des Krankenhauses führt ein langer dunkler Flur in eine große Halle, in der zahlreiche Patienten auf ihre Behandlung warten.

Es ist 10:30 Uhr und bereits sehr warm in Achimota. In einem etwas entfernten Flügel des Gebäudes sehe ich, dass einige Bänke ausschließlich von schwangeren Frauen besetzt sind: Das ist die Entbindungsstation.

In ihren bunten Kleidern warten die vielen werdenden Mütter verschiedenen Alters geduldig. Es ist Donnerstag, der Tag für pränatale Untersuchungen. Kaum habe ich die Türschwelle zum Büro überquert, begrüßt mich Patricia Conduah, Direktorin der Geburtshilfe des Krankenhauses.

Patricia ist 55 Jahre alt und arbeitet seit vielen Jahren im Achimota Krankenhaus. Während sie mich in den Kreissaal führt, erzählt sie mir von den unzähligen Babys, die sie in ihrer 35- jährigen Berufstätigkeit zur Welt gebracht hat – oft unter sehr schwierigen Umständen. Im beengten Kreißsaal befinden sich zwei Entbindungs-Betten, ein altes Metallregal, ein rostiger Tisch und einige medizinische Gegenstände. In all diesen Dingen spiegelt sich der marode Zustand des Raumes wider. Patricia erklärt mir, dass es häufig vorkommt, dass beide Betten belegt sind und sie zusätzliche eine Matratze auf den Boden legen muss. Die Frauen bringen ihre Kinder dann oft auf dem Fußboden zur Welt. „Das ist nicht ideal, aber wir haben keine Wahl. Wir kommen zurecht“, fügt sie hinzu.

Ein Blatt Papier hängt an der Wand, auf dem aufgelistet ist, was werdende Mütter am Tag der Entbindung mitbringen müssen: Monatsbinden, alte Kleidung, Antiseptika, Seife, Eimer, etc. „Wir haben hier im Krankenhaus keine Ausstattung, und die Duschen funktionieren nicht“, erklärt Patricia. Die Liste wird den Frauen bei ihrer ersten Untersuchung gegeben. Dadurch haben sie mehr Zeit, vom wenigen Geld eins nach dem anderen dieser Dinge zu kaufen. Noch mehr Geld müssen sie ausgeben, wenn sie beispielsweise allergisch auf eines der im Krankenhaus benutzten Medikamente sind. Denn die Versicherung bezahlt keine alternativen Medikamente.

Seitdem die Ghanaische Regierung 2008 freien Zugang für schwangere Frauen zu Gesundheitsfürsorge eingeführt hat, ist die Zahl derjenigen, die ärztliche Beratung in Anspruch nehmen, stark gestiegen. 2009 suchten bereits 430.000 mehr Frauen medizinische Hilfe auf, als im Vorjahr. Dies erklärt den derzeitigen Andrang bei den ghanaischen Krankenhäusern, die Schwierigkeiten haben, den gestiegenen Patientenzahlen gerecht zu werden. Auf der Mütterstation des Achimota Krankenhauses können täglich bis zu 400 Behandlungen durchgeführt werden – eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass es nur einen Arzt, acht Krankenschwestern und zwanzig Hebammen für die Patienten gibt. Dem derzeitigen Ansturm auf das Krankenhaus kann dieses Personal jedoch bei Weitem nicht gerecht werden.

Nach dem Kreißsaal führt Patricia mich in den Ruheraum. Ein alter Schwarz-Weiß-Fernsehers flimmert stumm in einer Ecke des Raums, in dem acht Mütter mit ihren Neugeborenen auf schmalen, zerschlissenen Betten liegen. „Der Raum ist zu klein und ständig überfüllt. Wir bräuchten mindestens 20 weitere Betten“, erklärt Patricia. Nach der Entbindung bleiben die Frauen für acht Stunden in diesem Raum unter Beobachtung, bevor sie nach Hause geschickt werden. „Wir haben nicht genug Platz, um sie länger hier zu behalten“, fügt sie hinzu. Noch vor einigen Jahren waren die Krankenhäuser nicht so überfüllt wie jetzt. Dafür starben viel mehr Frauen und Babys bei der Geburt.

Heute haben neun Kinder auf Achimota Entbindungsstation das Licht der Welt erblickt: Sieben Mädchen und zwei Jungen.

Musik-Video „Promised You a Miracle“

Martha Wainwright und Jim Kerr haben eine neue Version des Songs der Simple Minds „Promised You a Miracle“ aufgenommen, um auf die Situation der hunderttausenden Mädchen und Frauen hinzuweisen, die jährlich an den vermeidbaren Folgen von Schwangerschaft und Geburt sterben.

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