Blogbeiträge “Good aid stories”
Foto: Oxfam-Stunt zum G8 in Huntsville, Kanada, Bill Nighy und die Big-Heads
Für Oxfam-Botschafter Bill Nighy wäre die Einführung einer Robin-Hood-Steuer ein Volltreffer. Auf Rückendeckung der G8 kann er bisher jedoch leider nicht zählen. © Oxfam

Blogbeiträge “Good aid stories”


27. Juni 2010

Bill Nighy: Treffen der G8 in Toronto: Sogar meine schlimmsten Erwartungen wurden übertroffen

Bill Nighy, Schauspieler und Oxfam-Botschafter

Ich erreichte den G8-Gipfel über einen Umweg. Nur einen Tag zuvor stand ich in Dandora, einer vergifteten Müllhalde am Rande Nairobis. Hier leben kleine Mädchen, nicht älter als fünf Jahre, auf einem Erdhügel aus Gift- und Haushaltsmüll. Sie leben von Resten der Abfälle, um die sie mit Wildschweinen konkurrieren, sind gezwungen ihren Körper zu verkaufen, um Zugang zu den üppigsten Resten zu bekommen.

Ich war dort, um mit eigenen Augen zu sehen, was Entwicklungshilfe leistet, bevor ich als Oxfam-Botschafter nach Toronto reisen sollte. Comic Relief, eine britische Hilfsorganisation, rettet Kinder von dieser Müllhalde und schickt sie in eine sichere Schule in fast märchenhafter Umgebung.

Während des G8-Gipfels habe ich mich bei TV- und Radiointerviews mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln dafür eingesetzt, dass Staats- und Regierungschefs ihre Versprechen aus 2005 von Gleneagles halten. G8-Regierungen liegen um 20 Milliarden hinter ihren Zusagen zurück. Um ein Mädchen aus Dandora zu retten, braucht es 220 US-Dollar. Man muss sich einmal vorstellen, welchen Unterschied diese 20 Milliarden in Afrika und weltweit bereits gemacht hätten.

Der jetzige Gipfel hat ein Versprechen hervorgebracht, dass 7,3 Milliarden US-Dollar für die Stärkung von Mütter- und Kindergesundheit zur Verfügung stellt. Gute Nachrichten, sollte man meinen, wenn doch 1000 Frauen und Kinder täglich an vermeidbaren Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt sterben und schätzungsweise 10 Milliarden Dollar nötig sind, um dieses Problem zu lösen.

Doch traurigerweise ist die Nachricht nicht ganz so gut. Das Geld soll in den kommenden fünf Jahren gezahlt werden. Die G8 haben lediglich 5 Milliarden versprochen, das restliche Geld kommt von anderen Ländern und der Gates Stiftung. Ich finde es unglaublich, dass Bill und Melinda Gates mit den zugesagten 1,5 Milliarden in den nächsten fünf Jahren fast ein Drittel dessen übernehmen, was der Klub der reichsten Staaten der Welt entbehren will. 

Schlimmer noch: Das versprochene „neue“ Geld ist ein Produkt der kreativen Buchführung und somit ein Skandal. Wird das Gesamtvolumen der Entwicklungshilfe nicht erhöht, wird das Geld lediglich aus anderen Budgets umverteilt. Im Gegenzug wird z.B. bei Ernährungssicherheit, sauberem Wasser, Gesundheitsfürsorge oder Bildung gespart. Ich wünschte, jemand könnte mir plausibel erklären, wie es richtig sein kann, die Gesundheit einer Mutter zu retten, dabei aber die Schulbildung ihres Kindes zu opfern.

Die Aufmerksamkeit richtet sich jetzt auf die G20, die die Gelegenheit haben, die gebrochenen G8-Versprechen wieder wett zu machen. Die Staats- und Regierungschefs werden die einfache, aber brillante Idee einer Steuer auf Banken und Hedge-Fonds – auch Robin-Hood-Steuer genannt – diskutieren. Diese könnte jährlich mehrere Hundert Milliarden US-Dollar für gute Zwecke einbringen. Oxfam fordert, dass die Hälfte des Geldes die Menschen in armen Ländern unterstützen soll, die hart von der Wirtschaftskrise, Hunger und Klimawandel getroffen werden.

Die Spekulationen im Finanzsektor haben einen großen Teil zur Finanz- und Wirtschaftskrise beigetragen. Doch Banken, denen mit einem Rettungspaket in Höhe von 17 Billionen US-Dollar unter die Arme gegriffen wurde, haben längst ihr Streben nach hohen Boni wieder aufgenommen. Das Bankengeschäft ist eine der profitabelsten Industrien der Welt, wird jedoch am wenigsten besteuert. Wenn reiche Länder schon ihre eigenen Versprechen nicht halten, könnten sie zumindest Banker um einen Teil ihres Kleingeldes bitten, um den Mädchen aus Dandora und Millionen anderer die Hilfe zu geben, die sie von uns brauchen, sich selbst helfen zu können.

Kein Banker der Welt könnte neben mir auf Dandoras giftiger Müllhalde stehen und zusehen, wie fünfjährige Mädchen sich mit Wildschweinen um einen Rest vergammelter Nahrung streiten, und dann noch nach seinem Bonus greifen, anstatt die Robin-Hood-Steuer zu befürworten.

Ich lade die Chefbanker offiziell ein, zu kommen, sich anzusehen, was ich gesehen habe und selbst zu entscheiden.


27. Juni 2010

Eine Hochzeit für die Massen

Foto: Oxfam-Fotostunt: Maid Merkel und Prinz Sarkozy
An einem sonnigen Morgen in Toronto bekennen sich Maid Merkel und Prinz Sarkozy zur Robin-Hood-Steuer und lassen sich trauen. © Kelvin Abong/Oxfam
Heute hat das Oxfam-Team den letzten Foto-Stunt für die diesjährigen G8/G20-Gipfel auf die Beine gestellt: Mitten in der Innenstadt Torontos versammelten sich Gefährtinnen und Gefährten von Robin Hood, um einem historischen Moment beizuwohnen: Der Hochzeit von Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy. Trotz  ihrer geringen Beigeisterung angesichts der Vermählung, hatten sich weitere G20-Staats- und Regierungschefs unter das Publikum gemischt. Der Funke zwischen den Brautleuten war durch die von beiden geteilte Befürwortung der Robin-Hood-Steuer (www.robinhoodsteuer.de) entfacht worden – eine winzige Steuer von 0,05 % auf den Handel mit Finanzvermögen, die jährlich mehrere hundert Milliarden US-Dollar einbringen würde.

Selbstverständlich leitete Robin Hood persönlich durch die Zeremonie. Gemeinsam mit den  geladenen Gefährtinnen und Gefährten wurden die Ankündigungen, wie das generierte Geld eingesetzt werden könnte, bejubelt:

  • In nur einem Tag würde genug Geld zusammenkommen, um allen Kanadier/innen mit niedrigem und mittlerem Einkommen eine geschützte, sichere und bezahlbare Unterkunft zur Verfügung zu stellen.
  • In weniger als drei Monaten wäre genug Geld vorhanden, um weltweit 2 Milliarden Menschen mit Solarenergie zu versorgen.
  • In gerade mal vier Monaten wären die Mittel ausreichend, um die Schulden der 48 ärmsten Länder zu begleichen und damit dringend benötigte Ressourcen für mehr Lehrer/innen und Pflegepersonal freizusetzen.

Dennoch gab es einige Bedenken. Premierminister Harper erklärte, dass kanadische Banken nichts zur Wirtschaftskrise beigetragen hätten und daher nicht besteuert werden sollten. G20-Staats- und Regierungschefs aus Australien, Indien und Russland spendeten dieser Position entzückten Beifall. Daraufhin erhob sich eine Gefährtin aus dem Volk und klärte die Anwesenden auf, dass es dabei um die Besteuerung des Finanz-Casinos der reichen Länder ginge und die Erlöse armen Ländern zu Gute kommen würden. Die Robin-Hood-Steuer sei das ideale Instrument dafür, da sie Milliarden von Dollar generieren würde und dabei gerade die hochprofitable Industrie zur Kasse bittet, die einen großen Teil der weltweiten Wirtschaftskrise zu verantworten hat.

Trotz dieser kurzen Unterbrechung konnte so die Zeremonie fortgesetzt werden. Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy schritten den mit goldenem Teppich belegten Mittelgang entlang, Hand in Hand und bereit sich beim nächsten G20-Gipfel in Südkorea gemeinsam für die Robin-Hood-Steuer einzusetzen.


26. Juni 2010

Oxfam-Botschafter Bill Nighy nimmt die G8-Staats- und Regierungschefs ins Kreuzverhör

Bill Nighy reiste nach Huntsville, Ontario, um in Einzelgesprächen mit den G8 Staats- und Regierungschefs herauszufinden, wie deren Plan zur Armutsbekämpfung für den diesjährigen Gipfel aussieht. Das abseits der Stadt gelegenen „Secluded Bed and Breakfast“, wo die Interviews stattfanden, bot eine intime Atmosphäre und erlaubte es dem Schauspieler, den Mächtigen der Welt mit seinen präzisen Fragen sehr nahe zu kommen.

Premierminister Harper nahm als Gastgeber der Verhandlungen als Erster bei Nighy Platz. Im Calgary Flames Hockeyshirt erklärte er stolz, er sehe sich in der wichtigen Rolle, die bedeutenden Entscheidungen zu blockieren und von der Agenda fern zu halten. Bill Nighy schien bestürzt, wenn auch nicht überrascht.

Bemerkenswert ist sicherlich die Szene, in der Premierminister Kan seine Kollegen verpetzt und sich öffentlich darüber beschwert, dass diese ihn als Neuling des Gipfels hänseln. An anderer Stelle lenkt Berlusconi Bill Nighy ab – als dieser ihn fragt, was er denn zu den vergangenen Gipfeln beigesteuert habe –und schafft es so, schnell wieder von der Bildfläche zu verschwinden..

Die Interviews mit den G8-Staats- und Regierungschefs gaben insgesamt durchaus Anlass zur Sorge, vielleicht waren sie aber nur ein wenig nervös in Anbetracht der bevorstehenden Verhandlungen. Wir sind hoffnungsvoll und würden uns gerne in diesem Jahr positiv überraschen lassen.        


Bill Nighy, Schauspieler und Oxfam-Botschafter

Foto: Bill Nighy
Bill Nighy ©The Robin Hood Tax
Niemand hält sich selbst gerne für eine treulose Tomate. In Krisenzeiten unzuverlässig zu sein, ist nun mal keine attraktive Eigenschaft. Und so sehr sie auch versuchen es zu vertuschen, wenn sie sich diese Woche in Kanada treffen: Die reichen Länder beweisen gegenüber den armen Ländern, dass sie genau das sind: unzuverlässig in einer Zeit, in der arme Länder angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise, des Klimawandels und Lebensmittelknappheit stark ins Taumeln geraten sind.

Vor fünf Jahren, inmitten der guten Zeiten und bei lautem Fanfarengetöse, trafen sich die G8 in Gleneagles und versprachen, die globale Armut zu beenden ("Make Poverty History"), die Schulden der Entwicklungsländer aufzuheben, den weltweiten Handel fairer zu gestalten und die Entwicklungshilfe für die ärmsten Länder um 50 Milliarden Dollar jährlich zu erhöhen.

Während der Schuldenabbau gute Fortschritte gemacht hat, sind positive Entwicklungen beim fairen Handel auf der Strecke geblieben, und die Zusagen zu mehr Entwicklungshilfe haben die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht überlebt.

Schon 2008, als ich als Oxfam-Botschafter am G8-Gipfel in Japan teilnahm, hinkten einige reiche Staaten deutlich ihren Entwicklungshilfe-Zusagen hinterher. Trotzdem konnte ich mir nicht vorstellen, dass die reichsten Wirtschaftsmächte der Welt, die zusammen ein nationales Einkommen von gut 30 Billionen US-Dollar haben, zwei Jahre später gerade mal die Hälfte des zugesagten Geldes aufgebracht haben - dass sage und schreibe 20 Milliarden fehlen würden!

Dieses Jahr fahre ich wieder zum G8-Gipfel, um das enige in meiner Macht Stehende zu tun, um insbesondere auf Präsident Sarkozy, Präsident Berlusconi und Kanzlerin Merkel Druck auszuüben und sie an ihre Versprechen zu erinnern. Beim darauffolgenden G20-Gipfel werde ich mich für eine Robin-Hood-Steuer - , auch Finanztransaktionssteuer genannt, einsetzen. Damit könnte den neuen Herausforderungen, denen sich arme Länder gegenüber sehen, zumindest teilweise begegnet werden.

Denn Fakt ist, dass Entwicklungszusammenarbeit dringender als jemals zuvor benötigt wird. Nach Schätzungen der Weltbank werden Ende 2010 64 Millionen Menschen in Armut leben, das heißt von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag.

In den Staatshaushalten Afrikas klafft ein Loch von 65 Milliarden US-Dollar. Ohne Hilfe von außen wird dieses Loch über kurz oder lang Schulen und Krankenhäusern betreffen - Einrichtungen, die für die Armutsbekämpfung von zentraler Bedeutung sind.

Das Leben und die Existenz von Millionen von Menschen sind durch veränderte Wetterbedingungen und Naturkatastrophen bedroht. Eine Folge des Klimawandels.

Irgendwie scheint es Mode zu sein, daran zu zweifeln, dass Entwicklungszusammenarbeit wirklich das Leben der Menschen in armen Ländern verbessert. Wenn man ausschließlich die Boulevardpresse liest, kann man gar nicht anders, als davon auszugehen, dass die meiste Hilfe in Korruption versandet und wenig dazu beiträgt, die Menschen vor Ort zu unterstützen.

Nichts davon könnte weniger stimmen. Entwicklungshilfe ist nicht perfekt, und der Kampf gegen Korruption ist nach wie vor wichtig. Doch die Beweise, dass Entwicklungszusammenarbeit wirkt, sind überragend.

Statistiken zeigen die Erfolge: Die Müttersterblichkeit ist weltweit von über einer halben Million jährlich auf weniger als 350.000 in 2008 gefallen. In den letzten zehn Jahren konnten 33 Millionen Kinder mehr zur Schule gehen, anstatt auf dem Feld oder in der Fabrik zu arbeiten. Mehr als drei Millionen mit HIV infizierte Menschen haben jetzt Zugang zu antiretroviralen Medikamenten, die sie am Leben halten werden. Das sind 50 Prozent mehr als noch 2006. Ohne Entwicklungszusammenarbeit wäre als dies nicht möglich gewesen.

Noch beeindruckender als statistische Zahlen sind jedoch die persönlichen Geschichten, die sich dahinter verbergen. Als ich 2007 zusammen mit Oxfam nach Tansania reiste, berichteten mir die charmanten und bescheidenen Dorfbewohner von Engare Sero, wie Entwicklungszusammenarbeit ihr Leben verändert hat: Durch Entwicklungshilfe wurde eine Kornkammer errichtet, durch die die Bewohner nicht mehr die Tortour einer 10-tägigen Reise auf sich nehmen mussten, nur um einen Sack Mais zu kaufen. Ohne Hilfe anderer, erzählten sie mir, wären sie bereits gestorben.

Es ist schockierend, dass Menschen in armen Ländern nach wie vor an dreckigem Wasser sterben, daran, dass es an grundlegenden Medikamenten mangelt und weil es nicht genug zu essen gibt. Jede Stunde sterben weltweit 40 Frauen und Mädchen an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt. Und nein, sie sterben nicht, weil sie unfähig, faul und dumm sind, sondern weil das nächste Krankenhaus oft 100 Meilen weit weg ist oder sie einfach das Geld für die Behandlung nicht aufbringen können. Die G8 haben die Verantwortung, ihre Versprechen zu halten und werdenden Müttern und Kindern zu helfen. Denn noch immer stirbt in Afrika südlich der Sahara jedes siebte Kind vor seinem fünften Geburtstag.

Nur Großbritannien ist nahe dran die Zusagen gegenüber armen Ländern zu halten. Frankreich, Deutschland, Italien und Japan sind für die fehlenden Milliarden verantwortlich. Doch die gleiche Kritik verdienen die USA und Kanada. Denn die Versprechen zu halten ist keine große Kunst, wenn bereits die gemachten Zusagen dermaßen dürftig sind. Alle sind nach wie vor weit entfernt vom langfristigen Ziel, 0,7 Prozent des BNI für Entwicklung auszugeben.

Kanada ist zudem dafür verantwortlich, dass die globale Einführung der Robin-Hood-Steuer keine Fortschritte macht. Die Besteuerung des Finanzsektors könnte jährlich hunderte Milliarden Dollar einbringen, um arme Länder für die nicht selbst verursachten Krisenfolgen zu entschädigen.

Eine Finanztransaktionssteuer würde nicht nur reichen Ländern dabei helfen, endlich ihren Verpflichtungen gegenüber armen Ländern gerecht zu werden, ohne dabei die Steuerzahler zusätzlich zur Kasse zu bitten. Es würde auch die Haushalte der reichen Länder stärken und soziale Leistungen in den eigenen Ländern sicherstellen.

Wenn die G8-Staats- und Regierungschefs schon nicht bereit sind, ihre eigenen Geldbeutel für die Menschen in armen Ländern zu öffnen, müssen sie zumindest die Verursacher der Krise auch für ihre weltweiten Kosten zahlen zu lassen.


Wie kann Entwicklungshilfe im 21. Jahrhundert für mehr Transparenz, Verantwortung und Nachhaltigkeit sorgen?

Entwicklungshilfe für freie und unabhängige Medien in Kenia

Foto: Ein Radiomoderator in Kathmandu City, Nepal.  © Tori Ray/Oxfam
Ein Radiomoderator in Kathmandu City, Nepal. © Tori Ray/Oxfam
Die Medien spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Regierungen kritisch zu beobachten und Politiker zu verantwortungsvollem Handeln anzuhalten. Die größten Herausforderungen für Journalisten bestehen dann, wenn Sachverhalte komplex, Informationen jedoch nur schwer zugänglich sind. Für die zuverlässige Versorgung der Öffentlichkeit mit Nachrichten und Informationen bedarf es Offenheit einer Regierung, brauchbare Recherchequellen sowie Fachkenntnis und Vertrauenswürdigkeit der Medien.

Panos London und Panos Ostafrika - Schwesterorganisationen, die die Menschen durch gute Berichterstattung stärken wollen - sind durch Gelder aus der Entwicklungshilfe in der Lage, kenianische Journalisten zu unterstützen und weiterzubilden. Themen wie Steuern und Regierungsführung sollen verstärkt in die Medien gebracht werden. Übergeordnetes Ziel ist es, mehr Öffentlichkeit zu schaffen und Druck auf die Regierung aufzubauen, damit diese ihren Verpflichtungen nachkommt. Joel Okao, Hörfunk-Journalist und Koordinator für Panos, meint: "Mit Hilfe der Medien und durch die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern ist es möglich, fundierte Debatten anzustoßen. Debatten, die auf Fakten beruhen und im öffentlichen Raum stattfinden. Debatten und Informationen, die von den Machern der Politik nicht so leicht vom Tisch gefegt oder ignoriert werden können." (Quelle: Panos (2009) Relay project workshop)


Georgien: Verantwortung für Sozialleistungen gefordert

Foto: Die 20-jährige Istava mit ihrem Sohn. © Oxfam
Die 20-jährige Istava mit ihrem Sohn. © Oxfam

Das soziale Sicherheitssystem in Georgien bietet in Armut lebende Bürgerinnen und Bürgern ein Grundeinkommen. Obwohl dieses Grundeinkommen sehr gering ist, hilft die Unterstützung den Menschen dabei, sich über Wasser zu halten. Eine durch Entwicklungshilfe finanzierte Untersuchung, die von Oxfam und seinem lokalen Partner "Association of the Young Economists of Georgia" (Verband der Jungen Ökonomen Georgiens) unternommen wurde, hat aufgedeckt, dass tausende Familien durch Lücken im sozialen Netz fallen und somit keinen Zugang zu einem Grundeinkommen haben, obwohl sie weit unter der Armutsgrenze leben.

Foto: Khelaia Lolina mit einer örtlichen Krankenschwester.
Khelaia Lolina mit einer örtlichen Krankenschwester. © Caroline Berger/Oxfam

So haben Akteure der Zivilgesellschaft diese Ergebnisse erfolgreich genutzt, um aufzuzeigen, welche Defizite es bei der Verteilung sozialer Leistungen gibt und was die Politik bislang versäumt hat. Die Regierung nahm die Verbesserungsvorschläge der Studie an und hat nach und nach die Armuts-Bemessungsgrenzen angepasst. Seitdem erhalten 34 000 sozial schwache Familien mehr staatliche Unterstützung. (Quelle: Studienreise nach Georgien, Oxfam Großbritannien, 2009)

 



Entwicklungshilfe für unabhängiges Prüfungswesen in Mosambik

In Mosambik wird das Verwaltungsgericht, verantwortlich für das Überprüfen der öffentlichen Gelder, durch Entwicklungshilfe aus Schweden, Deutschland, Norwegen, Finnland und anderen Geberländern mitfinanziert. Dadurch sollen eine genaue Überprüfung sichergestellt und Korruption vorgebeugt werden.
Bis 2008 hatte das Gericht 350 Prüfungen abgewickelt und damit 35 Prozent des Regierungsbudgets überprüft. Auf diese Ergebnisse sind sowohl für das nationale Parlament als auch für die Medien interessant. Dem letzten Jahresbericht des Verwaltungsgerichts zufolge hat es das Thema Regierungsführung sowohl in die staatseigenen als auch oppositionelle Zeitungen geschafft. Das ist vielversprechend, denn ein parteiübergreifender kritischer Blick auf die eigene Regierung ist ein gutes Zeichen auf dem Weg zu steigendem Verantwortungsbewusstsein. (Quelle: Oxfam Amerika)


Entwicklungshilfe wirkt

Von Dorothy Ngoma, Geschäftsführerin der „National Organization of Nurses and Midwives in Malawi“.

Foto: Dorothy Ngoma. © Marco Boccia
Dorothy Ngoma. © Marco Boccia
Manche Leute behaupten, dass Entwicklungszusammenarbeit Abhängigkeit schafft und dass afrikanische Staats- und Regierungschefs nicht ermutigt werden, die Probleme in ihrem Land eigenständig zu lösen. Natürlich wollen Menschen in Afrika ihre Probleme selbst lösen, aber viele der Länder sind einfach zu arm! Entwicklungshilfe wird zu Unabhängigkeit führen. Es braucht Bildung und Gesundheit, um Menschen zu befreien und zu emanzipieren. Und das braucht Zeit.

Entwicklungshilfe behindert keine Impulse, die für ökonomisches Wachstum nötig sind. Qualitativ gute Entwicklungshilfe, in angemessenem Ausmaß, beschleunigt sogar Wachstum. Arme Länder können im Wettbewerb nicht mithalten. Wie auch, wenn die Menschen ungebildet und krank sind?

Manche Leute erklären, dass Entwicklungshilfe Korruption fördert. Korruption wird man in jeder Gesellschaft finden. Dass der Grund dafür Entwicklungshilfe sein soll, stimmt nicht. Gibt es Korruption, dann müssen wir damit umgehen. Dazu bedarf es Kontrollsystemen und vor allem einer zentralen Rolle der zivilgesellschaftlichen Organisationen. Wir müssen hart daran arbeiten, Korruption zu beseitigen. Es sind einzelne Personen, die aus schwachen Systemen einen Vorteil ziehen. Aber Korruption kann kein Grund dafür sein, arme Menschen in diesen Ländern sterben zu lassen. Arme Menschen können doch nicht den Kürzeren ziehen, nur weil es einige korrupte Personen gibt!

Manche Leute sagen, afrikanische Staats- und Regierungschefs sollten sich auf den internationalen Finanzmärkten Geld leihen, anstatt Entwicklungshilfe zu bekommen. Aber wenn arme Länder das geliehene Geld nicht zurückzahlen können, sollten sie es doch nicht leihen, oder? Wenn sie es nicht zurückzahlen können, ist das erniedrigend. Es macht sie zu Bettlern.

Diejenigen Kritiker von Entwicklungshilfe, die davon sprechen, Entwicklungshilfe mit einer „Schocktherapie“ in einem Schritt einzustellen, scheinen zu vergessen, dass wir es mit Menschen zu tun haben. Mit Menschen die sich wirklich abmühen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Warum sollten wir diese Menschen schocken? Das ist schlicht unmenschlich.


Als Hebamme in Ghana

Patricia Conduah, Direktorin der Geburtshilfe des Krankenhauses Achimota, Ghana

Foto: Patricia Conduah
Patricia Conduah © Oxfam
Nach fast einer Stunde des Wartens in der feuchten Hitze Ghanas, mit lästigem Durst und dem endlosen Hupen des chaotischen Verkehrs in den Ohren, bin ich endlich im Achimota Krankenhaus, einem Distriktkrankenhaus im Norden Accras, angekommen.

Vom Haupteingang des Krankenhauses führt ein langer dunkler Flur in eine große Halle, in der zahlreiche Patienten auf ihre Behandlung warten.

Es ist 10:30 Uhr und bereits sehr warm in Achimota. In einem etwas entfernten Flügel des Gebäudes sehe ich, dass einige Bänke ausschließlich von schwangeren Frauen besetzt sind: Das ist die Entbindungsstation.

In ihren bunten Kleidern warten die vielen werdenden Mütter verschiedenen Alters geduldig. Es ist Donnerstag, der Tag für pränatale Untersuchungen. Kaum habe ich die Türschwelle zum Büro überquert, begrüßt mich Patricia Conduah, Direktorin der Geburtshilfe des Krankenhauses.

Patricia ist 55 Jahre alt und arbeitet seit vielen Jahren im Achimota Krankenhaus. Während sie mich in den Kreissaal führt, erzählt sie mir von den unzähligen Babys, die sie in ihrer 35- jährigen Berufstätigkeit zur Welt gebracht hat – oft unter sehr schwierigen Umständen. Im beengten Kreißsaal befinden sich zwei Entbindungs-Betten, ein altes Metallregal, ein rostiger Tisch und einige medizinische Gegenstände. In all diesen Dingen spiegelt sich der marode Zustand des Raumes wider. Patricia erklärt mir, dass es häufig vorkommt, dass beide Betten belegt sind und sie zusätzliche eine Matratze auf den Boden legen muss. Die Frauen bringen ihre Kinder dann oft auf dem Fußboden zur Welt. „Das ist nicht ideal, aber wir haben keine Wahl. Wir kommen zurecht“, fügt sie hinzu.

Ein Blatt Papier hängt an der Wand, auf dem aufgelistet ist, was werdende Mütter am Tag der Entbindung mitbringen müssen: Monatsbinden, alte Kleidung, Antiseptika, Seife, Eimer, etc. „Wir haben hier im Krankenhaus keine Ausstattung, und die Duschen funktionieren nicht“, erklärt Patricia. Die Liste wird den Frauen bei ihrer ersten Untersuchung gegeben. Dadurch haben sie mehr Zeit, vom wenigen Geld eins nach dem anderen dieser Dinge zu kaufen. Noch mehr Geld müssen sie ausgeben, wenn sie beispielsweise allergisch auf eines der im Krankenhaus benutzten Medikamente sind. Denn die Versicherung bezahlt keine alternativen Medikamente.

Seitdem die Ghanaische Regierung 2008 freien Zugang für schwangere Frauen zu Gesundheitsfürsorge eingeführt hat, ist die Zahl derjenigen, die ärztliche Beratung in Anspruch nehmen, stark gestiegen. 2009 suchten bereits 430.000 mehr Frauen medizinische Hilfe auf, als im Vorjahr. Dies erklärt den derzeitigen Andrang bei den ghanaischen Krankenhäusern, die Schwierigkeiten haben, den gestiegenen Patientenzahlen gerecht zu werden. Auf der Mütterstation des Achimota Krankenhauses können täglich bis zu 400 Behandlungen durchgeführt werden – eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass es nur einen Arzt, acht Krankenschwestern und zwanzig Hebammen für die Patienten gibt. Dem derzeitigen Ansturm auf das Krankenhaus kann dieses Personal jedoch bei Weitem nicht gerecht werden.

Nach dem Kreißsaal führt Patricia mich in den Ruheraum. Ein alter Schwarz-Weiß-Fernsehers flimmert stumm in einer Ecke des Raums, in dem acht Mütter mit ihren Neugeborenen auf schmalen, zerschlissenen Betten liegen. „Der Raum ist zu klein und ständig überfüllt. Wir bräuchten mindestens 20 weitere Betten“, erklärt Patricia. Nach der Entbindung bleiben die Frauen für acht Stunden in diesem Raum unter Beobachtung, bevor sie nach Hause geschickt werden. „Wir haben nicht genug Platz, um sie länger hier zu behalten“, fügt sie hinzu. Noch vor einigen Jahren waren die Krankenhäuser nicht so überfüllt wie jetzt. Dafür starben viel mehr Frauen und Babys bei der Geburt.

Heute haben neun Kinder auf Achimota Entbindungsstation das Licht der Welt erblickt: Sieben Mädchen und zwei Jungen.

Musik-Video „Promised You a Miracle“

Martha Wainwright und Jim Kerr haben eine neue Version des Songs der Simple Minds „Promised You a Miracle“ aufgenommen, um auf die Situation der hunderttausenden Mädchen und Frauen hinzuweisen, die jährlich an den vermeidbaren Folgen von Schwangerschaft und Geburt sterben.