Klimawandel trifft Armut
Die armen Länder des Südens leiden besonders unter den Folgen des Klimawandels. Sie haben nicht die Möglichkeit, ihre Landwirtschaft an die veränderten Wetterbedingungen anzupassen. Es gibt zu wenig finanzielle Ressourcen um neue Technologien und regenerative Energien zu nutzen. Im November 2011 hat Oxfam Deutschland Projekte in Mali besucht. Mali ist eines der ärmsten Länder der Erde. Dort zeigt sich zum einen die wachsende Bedrohung durch den Klimawandel. Zum anderen versuchen die Menschen durch zielgerichtete Anpassungsmaßnahmen widerstandsfähiger zu werden, für das, was noch kommt.
Die Projektreise nach Mali wurde mit Mitteln des EU-Projekts „Fight Climate Poverty“ finanziert
Gärten der Hoffnung und neuer Mais
Energisch bearbeitet Djeneba Souko Bassidougou mit der kurzen Hacke den Boden ihres drei mal fünf Meter großen Gartenbeetes. „Mein Mann sorgt nur für Getreide, sonst für nichts“ schnaubt die Mutter von vier Kindern.
Die restliche Nahrung muss sie beschaffen. Und da hat sie nun mit dem kleinen Gartenbeet, das ihr gehört, bessere Chancen. Zusammen mit über 700 anderen Frauen baut sie Zwiebeln, Okra-Schoten, Möhren und Erbsen in einem der Gemeinschaftsgärten an. Was die Familie nicht selbst verbraucht, verkauft sie auf dem Markt. Oxfam fördert die Marktgärten der Frauen finanziell, die malische Partnerorganisation Stop Sahel koordiniert die Projekte vor Ort.
Nutzpflanzen: schnell reif mit weniger Wasser
Gartenarbeit ist in Mali Frauensache. ©Svenja Koch/OxfamIn N’Tronkina betreut Stop Sahel die Aussaat einer neuen konventionellen Maissorte. Die Kleinbauern Adama Fofana und sein Vater Seydou halten Jan Urhahn von Oxfam Deutschland stolz die ersten hellgelben Maiskolben entgegen. Der Mais braucht bis zur Erntereife nur noch 70 Tage, nicht 100, wie die alten Sorten. Das ist wichtig in einer Region, die in Folge des Klimawandels mit immer kürzeren Regenzeiten auskommen muss. Es ist November, und in Mali regnet es nun erst wieder im nächsten Sommer. Adama hat in diesem Projekt, das aus Mitteln von Brot für die Welt unterstützt wird, genaue Anleitung erhalten, wie er den Mais auf seinem 0,75 Hektar kleinen Feld zu setzen hat. Die Saat wurde nicht einfach ausgestreut, sondern die Pflanzen wurden im Abstand von 25 Zentimetern gesetzt, mit 40 Zentimeter Abstand zu nächsten Reihe. „Die Ernte ist gut und der Mais ist für viele Zwecke zu verwenden“, sagt Adama, der nie eine Schule besucht hat. Nun wird die neue Sorte im Institut für Ländliche Wirtschaft (IER) auf den Gehalt an Maisstärke geprüft. Erfüllt sie die Erwartungen, kann sie in Mali zertifiziert und vielen anderen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zur Verfügung gestellt werden.
Radio-Informationen zur klimawandel-tauglichen Landwirtschaft
Radio spielt bei der Verbreitung von Informationen zur Landwirtschaft eine große Rolle. ©Svenja Koch Da in Mali noch viele Menschen weder lesen noch schreiben können, müssen die Informationen über neue Anbaumethoden, die dem Klimawandel angepasst sind, mündlich verbreitet werden. Der Journalist Barou Diabeté leitet eine kleine Radio-Station in der Kreisstadt Kita. „Wir informieren über neue Methoden der Landwirtschaft und versuchen so die Leute dazu zu bringen, etwas Neues auszuprobieren, damit sie bis zur nächsten Regenzeit genug zu essen haben“, so Barou. Täglich von 18.00 bis 20.30 Uhr strahlt der Sender aus dem staubigen blauen Büro mit der teils improvisierten Technik das Programm in den ländlichen Raum. Klimawandel ist zwar eines seiner Themen, aber seine Hörerinnen und Hörer wissen nicht viel darüber. Sie sind Klimazeugen, die sich den Wandel des Wetters und der Regenzeiten nicht erklären können.
Anpassung hat ihre Grenzen
Vater und Sohn Fofana sind stolz auf den neuen Mais. ©Svenja KochLänder wie Mali sind hart vom Klimawandel betroffen. Da 80 Prozent der Menschen von der Landwirtschaft abhängen, sind sie Veränderungen der Saat- und Erntezeiten wehrlos ausgeliefert. Vor der Regenzeit wird gesät. Keimt die Saat, aber verspätet sich der Regen, ist die Saat verloren. Sät man später und fällt der Regen als Unwetter, wird alles weggespült. Daher sind Nutzgärten und neue Sorten ein Weg der Anpassung an den Klimawandel. Doch das wird nicht reichen.
„Die Pflanzen und Menschen können mit dem Klimawandel auf längere Sicht nicht Schritt halten. Wir müssen die globale Erwärmung stoppen“, sagt Urhahn, der die Oxfam-Projekte in Mali bereist. Die internationale Klimakonferenz in Durban ab 28. November müsse ein verbindliches Klimaschutzabkommen beschließen. Die EU müsse sich verpflichten, den CO2-Ausstoß um 30 Prozent bis 2020 zu verringern und ihren Beitrag leisten, damit die Temperatur weltweit nicht um mehr als 1,5 Grad steigt. Die Treibhausgase sind verantwortlich für die globale Erwärmung. „Die Last darf nicht armen Ländern wie Mali aufgebürdet werden, Anpassung hat ihre Grenzen!“, so der deutsche Klimafachmann.
Malis misslungene Ernte
Es sind Millimeter, die in Mali über das Leben entscheiden. Die Millimeter an jährlichem Niederschlag, die aus Wüste Gärten machen und Gärten zu Wüste.
Die Großfamilie Keita braucht täglich 30 Kilo Hirse, die diesjährige Ernte wird nicht reichen. ©Jan Urhahn/OxfamModiba Keita ist heute nur zu seinem Hirse-Feld gegangen, weil der Besuch von Oxfam und der Partnerorganisation Stop Sahel gekommen ist. Sonst hätte er sich sein Feld nicht mehr angesehen – grün und satt müsste die Hirse jetzt stehen, die Kolben voll mit kleinen, gelben Hirsekörnern.
Doch das Feld ist gelb und staubtrocken, die Hirsekörner klein und viel zu leicht. Und dabei ist jetzt, im November, die Regenzeit gerade vorbei, den nächsten Regen gibt es erst nächsten Sommer. Jetzt ist Zeit zu ernten. Modiba Keita fürchtet um seine weitläufige Familie. 80 Personen müssen satt werden, dafür braucht der Clan täglich rund 30 Kilo Hirse. Statt der früheren acht Tonnen wird sein Feld aber nur zwei Tonnen Hirse hergeben. „Ich habe Angst, dass ich meine Kinder bald hungrig zu Bett schicken muss“, sagt der 37jährige.
Kinder hungrig zu Bett?
Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft. Sie bearbeiten ihre Felder mit nur mit einfachen Werkzeugen. Sie können sich gerade so ernähren, manchmal etwas Zwiebeln oder Baumwolle verkaufen. Laut Regierung wurde die Ernteprognose diesmal um zwei Millionen Tonnen Getreide verfehlt.
Die globale Erwärmung treibt die Temperaturen hier am Rande der Sahara immer höher. Je heißer es wird, desto schneller verdunstet das wenige Wasser. Schon jetzt gibt es Gegenden im Land, wo mehr als viermal mehr Niederschläge verdunsten, als niederkommen. „Die Zonen mit genug Regen sind in den letzten zehn, 15 Jahren bis zu 200 Kilometer nach Süden gewandert“ sagt Barou Mamadou Coulibaly von Stop Sahel, Oxfams malische Partnerorganisation, die sich seit 1988 um den Schutz der Umwelt und nachhaltige Entwicklung bemüht.
Die Hirse hat kaum Körner, die Körner enthalten kaum Mehl. ©Svenja Koch/OxfamModiba Keita kann sich nicht erklären, wer für das Verdorren seines Feldes verantwortlich ist. Er sieht sich nicht als Zeuge des Klimawandels. Er gibt Gott die Schuld. Er überlegt wegzugehen, irgendwohin, wo man Geld verdienen kann, – die Heimat zu verlassen, in der seine Familie seit Generationen den fruchtbaren Boden bewirtschaftet. Mali ist arm, aber noch kein Hungergebiet. Zwar ist Landwirtschaft nur in Teilen des Landes möglich, doch jetzt direkt nach der Regenzeit sieht der Westen Malis so aus, wie man es sich in Europa als positives Klischee wünscht. Üppige Nutzpflanzen, Obstbäume, Rinder, Esel, Ziegen und Schafe, dazu strohgedeckte Getreidespeicher und Frauen und Männer mit bunter traditioneller Kleidung und aufwändigem Kopfputz.
Länder wie Mali in Gefahr
Die globale Erwärmung, die Ländern wie Mali zu schaffen macht, wird durch den weltweiten Ausstoß von Kohlendioxid verursacht. In Mali ist der CO2-Ausstoß sehr gering, weniger als eine Tonne pro Mensch und Jahr (Deutschland: 10 Tonnen). Mali erzeugt seine Energie mehrheitlich mit Wasserkraft. Die Verantwortlichen für den Klimawandel sitzen nicht hier, sondern in den reichen Industrienationen. „Die internationale Klimakonferenz in Durban ab 28. November 2011 muss ein verbindliches Klimaschutzabkommen beschließen. Damit der Ausstoß an CO2 weiter gebremst wird und Familien wie die Keitas nicht weiter gefährdet werden“, sagt Jan Urhahn, der in Mali die Oxfam-Projekte bereist. „Die EU muss nun verbindlich beschließen, den CO2-Ausstoß um 30 Prozent bis 2020 zu verringern und ihren Beitrag leisten, damit die Durchschnittstemperatur weltweit nicht um mehr als 1,5 Grad steigt“.
Mamadou Sessoko fordert die Vertragsstaaten der Klimakonferenz zum Handeln auf. ©Svenja Koch/OxfamIn der malischen Stadt Kita soll die Durchschnittstemperatur in den letzten Jahren von 40 auf 42 Grad gestiegen sein. „Die Leute können nachts nicht mehr schlafen, um zwei Uhr morgens laufen sie noch durch die Hitze. Es kann so nicht weitergehen“, sagt Mamadou Sessoko vom Aktionsnetzwerk für Umwelt- und Klimaschutz. „Durban muss die Wende bringen.“
Dämme gegen Dürre
Die Konflikte der Zukunft werden um Wasser geführt. Die globale Erwärmung wird das Klima weiter aufheizen, die Verdunstung steigt. Gerade in armen Ländern ist Zugang zu Wasser eine Frage des Überlebens.
Mali besteht zu zwei Dritteln aus Wüste, dort wo es Wasser gibt, sind die Felder und Gärten üppig bestellt – Tomaten sind von der Saat bis zur Ernte in vier Wochen reif. Jetzt im November nach der Regenzeit läuft überall die Ernte. In Balandougou und in Bagnagafata sind die Menschen zuversichtlich, dass das Wasser bis zur nächsten Regenzeit im Sommer 2012 reichen wird. Denn seit Sommer 2011 sind zwei Kleindämme in Betrieb, die das Wasser so stauen, dass die Bewohner/innen der Dörfer ober- und unterhalb der Dämme genug Wasser für sich, die Felder und ihr Vieh haben. 45.000 Euro hat der Damm in Bagnagafata gekostet, finanziert von Oxfam Deutschland und koordiniert von Oxfams Partnerorganisation Stop Sahel.
Wasser das ganze Jahr – für Mensch und Tier
Abdoulaye Dembelé von Stop Sahel und die Schwestern Dembo und Bamakau Dasira sind dankbar für das neue Rückhaltebecken. ©Svenja Koch/OxfamFür die Schwestern Dembo und Bamakan Dansira ist der Damm ein Segen. „Wir müssen nicht mehr so weit laufen, um Wasser für unsere Gärten zu finden. Und das Vieh stirbt nicht mehr zum Ende des Frühlings. Es gibt sogar Fisch, die wir hier fangen können.“ Farmory Jean Kamissoko, der Leiter der Organisation Stop Sahel geht noch weiter. Für ihn gehört die neue eingerichtete Ufer-Schutzzone mit zum Projekt. Am Bach wurden 250 Hektar Wald und Busch zur Schutzzone erklärt. Da in Mali dreimal täglich auf Holzfeuer gekocht wird, ist Abholzung ein großes Problem. Hier haben die Dorfbewohner den Sinn des Uferwaldes erkannt und respektieren ihn. Das Vieh kann nicht mehr das Wasser verschmutzen, es können keine Felder oder Gärten mehr direkt am Bach gebaut werden und das dichte Blätterdach schützt besser vor Verdunstung und Versandung.
Kamissoko schimpft auf einen letzten eingezäunten kleinen Garten mit drei Bananenstauden mitten im Wald: „Das ist ein Garten der Abholzung. Der Besitzer hat den Wald abgefackelt und nach zwei Jahren muss er weiterziehen, weil der Boden ausgelaugt ist.“ Sonst steht der Uferwald voll mit Palmen und Stauden, in dem sogar Vögel zu hören sind und sich bunte kleine Schmetterlinge am feuchten Boden sammeln. „Es ist auch wichtig für unsere Kinder, dass sie sehen, wie die Natur aussehen kann, wenn man sie lässt“ sagt Oumar Sango von Oxfam Mali. Der Wald ist ein kleines Paradies. Große Tiere gibt es hier nicht mehr. „Die Elefanten sind nach Burkina Faso ausgewandert und die Giraffen nach Guinea“, meint Oumar Sango, halb im Scherz.
Hoffnungsschimmer im Klimawandel
Mit dem Damm wird das Wasser eines Bachs gestaut. ©Svenja Koch/OxfamErst im Sommer 2011 eingeweiht, werden sich die Kleindämme beweisen müssen. Bieten sie jeweils Wasser bis zur nächsten Regenzeit im Juli 2012? Halten sie Unwettern mit großen Wassermassen stand? Denn der Klimawandel führt in Mali nicht nur zur Verkürzung der Regenzeiten, er macht die Regenfälle auch unberechenbarer. Die Menschen in Mali berichten von heftigen Unwettern, die ebenso die Saat vernichten und den Boden wegspülen.
Die Projekte sind ein Hoffnungsschimmer in der Anpassung an den Klimawandel. Doch wird es noch heißer, verkürzt sich die Regenzeit weiter, ist das kurze Glück schnell zu Ende. „Wenn es nicht genug regnet, kommen die Leute aus den anderen Dörfern und wollen auch das Wasser“, sagen die Dansira-Schwestern. „Dann wird es Streit geben und am Ende reicht es für niemand mehr“.
Anpassung hat Grenzen
„Die Projekte hier können nur dann ein dauerhafter Erfolg sein, wenn die globale Erwärmung gestoppt wird“, sagt Jan Urhahn, der die Oxfam-Projekte in Mali bereist. Die internationale Klimakonferenz in Durban ab 28. November müsse ein verbindliches Klimaschutzabkommen beschließen. Die EU müsse sich verpflichten, den CO2-Ausstoß um 30 Prozent bis 2020 zu verringern und ihren Beitrag leisten, damit die Temperatur weltweit nicht um mehr als 1,5 Grad steigt. Sie sind verantwortlich für die globale Erwärmung. „Die Last darf nicht den armen Ländern wie Mali aufgebürdet werden. Anpassung hat ihre Grenzen“, so der deutsche Klimafachmann.
100 Jahre altes Wissen nützt in Mali nichts mehr
Für Birama Dembelé, den Hundertjährigen aus dem malischen Dorf Bagnafatata, waren früher die Regeln für die Landwirtschaft klar. Sieben Monate und sieben Tage nach der Ernte wurde hier im Westen Malis neu gesät. „Wer das heute so macht, hat am Ende nichts“ so der Dorf-Älteste. Der Alte sitzt unter dem großen Palaver-Baum, umringt von vier Generationen der Bewohner/innen. Nein, er könne sich nicht erinnern, dass es je eine so kurze Regenzeit gegeben habe und dass es im November bereits so heiß und trocken gewesen sei. Was seine Vorfahren ihn gelehrt haben, gilt nicht mehr. Dembelé wird unfreiwillig zum Klimazeugen.
Kleinbäuerinnen sind dem Klimawandel ausgeliefert
Birame Dembelé ist 100 Jahre alt und so eine kurze Regenzeit hat er noch nie erlebt. ©Svenja Koch/OxfamDie kleinbäuerliche Landwirtschaft ist in vielen Ländern der Erde die tragende Säule der Nahrungsmittelversorgung. Sie gilt als regional angepasst und umweltverträglich. In Mali lebt ein großer Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft, die oft mit einfachen Methoden und noch einfacheren Werkzeugen, wie einer kurzen Hacke, betrieben wird. Doch der Klimawandel gefährdet die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Verschieben sich Regen- und Trockenzeiten, so sind die Menschen dem schutzlos ausgeliefert. Hinzu kommen Wetterextreme. Fällt der Regen als Unwetter, droht er die Saat zu vernichten und den fruchtbaren Boden wegzuspülen. „Wenn ich die Wahl habe, dann lieber eine Flut als noch so eine Dürre wie in diesem Jahr. Das wäre das Ende!“, sagt Douga Mussa Coulibaly, Berater des Dorf-Ältesten im Nachbardorf.
In der Hauptstadt Bamako registrieren die Behörden die Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft genauestens. „Wir verlieren jedes Jahr pro Hektar tonnenweise Mutterboden“, sagt Mouhamadou Traoré von der regierungsnahen Agentur für Umwelt AEDD. Der heiße Wind weht den fruchtbaren Boden fort, die Wüste breitet sich aus. Durch die globale Erwärmung verschärft sich dieses Problem.
Neue Methoden schwer durchsetzbar
Die Hitze ist am Mittag auch für die Kleinsten nur im Schatten zu ertragen. ©Svenja Koch Mali - eines der ärmsten Länder der Erde - trägt so gut wie nichts zum Klimawandel bei, hat aber viele Lasten zu tragen. Nun wurde ein Nationaler Plan zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt – 60 Maßnahmen, die die Bevölkerung widerstandsfähiger machen soll, für das was kommt. So erklärt die AEDD den Bauern, wie sie die Niederschläge besser halten können, indem sie die Felder ebnen und quer zur Hangneigung pflügen. Doch wenn die Agrarfachkräfte nicht auf aufgeschlossene Dorf-Älteste wie Dembelé oder Berater wie Coulibaly treffen, setzen sie sich nur schwer gegen traditionelle Methoden durch. „Wir könnten mit diesen Methoden zwei Millionen Hektar Land besser nutzbar machen. Wir haben erst 20.000 Hektar geschafft“, so Traoré.
Klimakonferenz muss globale Erwärmung stoppen
„Traditionelle Gesellschaften können mit dem Tempo des Klimawandels nicht mithalten. Deshalb muss die globale Erwärmung gestoppt werden“, so Jan Urhahn von Oxfam Deutschland, der die Projekte in Mali bereist. „Die Klimakonferenz in Durban ist die Chance, sich auf eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu einigen. Die EU muss vorangehen: sie muss ihre CO2-Reduktionsziele ohne Vorbedingungen von 20 auf 30 Prozent bis zum Jahr 2020 erhöhen.“
Was Durban für Länder wie Mali bringen muss
Arme Menschen in Staaten wie Mali sind durch den Klimawandel gefährdet
Die globale Erwärmung macht einem Land wie Mali besonders zu schaffen. Dabei ist der Klimawandel oft nicht die alleinige Ursache für bestimmte Problemlagen – oftmals spielen auch Bevölkerungswachstum, Degradierung des Ackerlandes, mangelhafte Infrastruktur oder unzureichende Politiken etc. eine Rolle. Der Klimawandel ist allerdings eine Art Katalysator, der die Intensität von bereits bestehenden Problemlagen verstärkt.
Seine Folgen werden in Mali nicht überall und von jedem gleich zu spüren sein. In Armut lebende Teile der Bevölkerung sind besonders betroffen – sie haben in den wenigsten Fällen die Ressourcen, um die Folgen zu bewältigen, und ihr Einkommen hängt oft von natürlichen Ressourcen und vom „Funktionieren“ der Ökosysteme ab.
Der unzureichende Regen hat die Ernte auf vielen Feldern verdorren lassen. © Jan Urhahn/OxfamMali gilt als eines der ärmsten Länder dieser Erde: das Land belegt beim Human Development Index Platz 160 von insgesamt 169. Im Jahr 2008 betrug das Bruttonationaleinkommen 680 US-Dollar pro Einwohner/in (Deutschland: 35.308 US-Dollar).
Die Landwirtschaft in der Sahelzone ist besonders von der drei- bis fünfmonatigen Regenzeit im Sommer abhängig; ausgenommen sind lediglich die landwirtschaftlichen Nutzflächen entlang der Seen und Flüsse. In Mali leben etwa 80 Prozent der Bevölkerung in ländlichen Gebieten und bestreiten ihren Lebensunterhalt in kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Angebaut wird vor allem Hirse in Subsistenzwirtschaft, aber auch Reis und Baumwolle für den Export. Überall im Land betreiben die Menschen Viehzucht, vor allem mit Rindern und Ziegen. Ihre Erträge sind hochgradig wetterabhängig und damit extrem gefährdet, wenn sich in Folge des Klimawandels die Regenzeiten verkürzen oder ganz ausbleiben.
Über die Hälfte der Bevölkerung lebt in extremer Armut und muss mit weniger als 1,5 US-Dollar pro Tag auskommen. Sie geben bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrung aus. Für Menschen, die in derartiger Armut leben, sind daher auch nur geringe und kurzfristige Sprünge der Nahrungsmittelpreise kaum zu verkraften. Aktuell - kurz nach der Regenzeit - sollten die Preise für Nahrungsmittel gering sein. Doch aufgrund der schlechten Ernte kosten 100kg Hirse etwa 30 Euro anstatt 15 Euro, wie es im November üblich wäre.
Durban muss die Wende bringen
Für die Menschen in Mali ist die Anpassung an den Klimawandel überlebenswichtig. Die Wirksamkeit möglicher Anpassungsmaßnahmen hängt auch davon ab, welche Fortschritte bei den UN-Klimaverhandlungen in Durban (28. November bis 9. Dezember 2011) erzielt werden können, um den Klimawandel wirksam einzugrenzen.
Die bisherigen Zusagen der Regierungen weltweit zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen werden nicht ausreichen, die globale Erwärmung unter der wichtigen Schwelle von 2°C Erwärmung zu halten, sondern weisen eher auf 3-4°C hin. Diese Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit müssen die Regierungen in Durban anerkennen - und schließen. Insbesondere die Industrieländer sind hier gefragt, denn ihre Zusagen ergeben insgesamt nur Reduktionen von 12-18 Prozent bis 2020, dabei hatten sie schon Reduktionen von 25-40 Prozent zugesagt. Aus Oxfam-Sicht wären mehr als 40 Prozent nötig.
In Durban müssen die Regierungen unbedingt die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls akzeptieren, das die Klimaziele der Industrieländer festlegt – allerdings nicht die der USA, die nicht Unterzeichner des Kyoto-Protokolls sind. Zusätzlich braucht es einen neuen völkerrechtlichen Vertrag, in dem Verpflichtungen der Schwellenländer für eine weniger klimaschädliche Entwicklung enthalten sein sollen sowie das Klimaschutzziel der USA. Für diesen neuen Vertrag muss in Durban das Verhandlungsmandat verabschiedet werden.
Markt in Malis Hauptstadt Bamako. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind für diese Jahreszeit viel zu hoch. © Jan Urhahn/OxfamDurban muss auch Ergebnisse bei der finanziellen Unterstützung der armen Länder ergeben.
Der Klimawandel stellt Entwicklungsländer zunehmend vor große Probleme – obwohl sie selbst kaum dazu beigetragen haben. Es fehlen die nötigen Ressourcen, um die Schäden des Klimawandels abzufedern. Der im Prinzip schon beschlossene Green Climate Fund muss nach Durban seine Arbeit aufnehmen können, um Klimaschutz und Anpassung an die klimatischen Veränderungen in den armen Ländern zu unterstützen, beispielsweise zur Sicherung landwirtschaftlicher Erträge auch bei zunehmenden Dürren oder Überschwemmungen. Dazu braucht er finanzielle Mittel, die noch nicht in Sicht sind. Dabei hatten die Industrieländer zuletzt auf der UN-Klimakonferenz in Cancún ihre Zusage bekräftigt, neue Klima-Gelder zu mobilisieren, die bis 2020 auf jährlich 100 Mrd. US-Dollar anwachsen sollen. Ihren Worten müssen jetzt Taten folgen: Ein guter Schritt wäre, in Durban ein Arbeitsprogramm zu verabschieden, um geeignete Instrumente zur Mobilisierung finanzieller Mittel zu finden und ein Jahr später zur Entscheidung vorzulegen.
Aus Sicht von Oxfam wäre eines dieser Instrumente eine weltweite Finanztransaktionssteuer, deren Einkünfte zum Teil für den internationalen Klimaschutz verwendet werden könnten. Ein weiteres Instrument könnte ein weltweites Emissionshandelssystem für den internationalen Seeverkehr, dessen Emissionen bislang nirgendwo geregelt sind und rasant wachsen. Schiffseigner würden dazu verpflichtet, Emissionszertifikate zu erwerben. Die Einkünfte gingen an den Green Climate Fund.
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- Jan UrhahnBerater Klimawandeljurhahn@oxfam.de

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