In den armen Ländern wurde der landwirtschaftliche Sektor jahrzehntelang vernachlässigt. Nahrungsmittel konnten billig auf dem Weltmarkt beschafft werden. Milliardenschwere Agrarsubventionen in den reichen Ländern führten zu einem Überangebot an Agrarprodukten, das die Preise auf dem Weltmarkt drückte. Es fehlten dadurch die notwendigen Anreize in den armen Ländern, die einheimische, mehrheitlich kleinbäuerliche Nahrungsmittelproduktion zu fördern. Gleichzeitig wurden viele arme Länder durch die Liberalisierungs- und Deregulierungspolitik vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank zu Nahrungsmittelimporteuren. Heute sind insgesamt zwei Drittel der Entwicklungsländer Netto-Nahrungsmittelimporteure (105 von 148).
Für Kleinbauern ist in erster Linie der Zugang zu einheimischen Nahrungsmittelmärkten entscheidend. Auf diesen kommt es nach und nach zu tiefgreifenden Veränderungen - in der Produktion, der Verarbeitung und im Handel. Der Grund: Die Supermarktketten sind auf dem Vormarsch. Ihr Einkauf wird zunehmend neu ausgerichtet. Das heißt, der Einkauf wird gebündelt, zentralisierte Verteilungszentren werden eingerichtet, Verträge werden zunehmend direkt mit den Erzeugern beziehungsweise den Importeuren abgeschlossen, hohe Qualitätsanforderungen werden vorgegeben und strikt kontrolliert. Kleinbäuerinnen und -bauern bleiben häufig außen vor.
Die Erhaltung der natürlichen Ressourcen wird für die Nahrungsmittelproduktion der Kleinbauern und -bäuerinnen immer wichtiger. Der Klimawandel mit Dürren und Überschwemmungen, Wasserknappheiten, der Verlust der pflanzlichen und tiergenetischen Ressourcen sowie die fortschreitende Bodendegradation gefährden Ernten und damit die Lebensgrundlagen. Bereits heute sind 384 Millionen Hektar vom Sinken der Bodenfruchtbarkeit betroffen. Die fruchtbare Humusschicht wird immer dünner. In Afrika trifft dies für 65 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu. Gleichzeitig werden die Konkurrenz in der Landnutzung - Nahrungsmittel, Futtermittel, Agrartreibstoffe - und damit Landkonflikte zunehmen. Die Landwirtschaft steht in Zukunft also vor enormen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.





