Landwirtschaft und Welternährung
Foto: Drei Viertel der Hungernden und zwei Drittel der Armen leben auf dem Land.
Drei Viertel der Hungernden und zwei Drittel der Armen leben auf dem Land. © Gilvan Barreto/Oxfam
Foto: Ohne Frauen kann der Hunger nicht beseitigt werden. © Jack Picone/Oxfam GB
Ohne Frauen kann der Hunger nicht beseitigt werden. © Jack Picone/Oxfam GB
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Landwirtschaft und Welternährung

Viele Menschen in den armen Ländern leben von der Landwirtschaft. Aber: Drei Viertel der Hungernden und zwei Drittel der Armen leben auf dem Land, mehrheitlich Frauen. Bauern und Bäuerinnen in unzugänglichen Gebieten mit unfruchtbaren Böden werden bei der staatlichen Förderung häufig vergessen. Häufig sind sie den (subventionierten) Billigimporten aus den reichen Ländern schutzlos ausgesetzt.

Um ihnen eine Chance zu geben, dauerhaft für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, setzt Oxfam sich für öffentliche Investitionen in die einheimische Lebensmittelproduktion und in agrar-ökologische Anbauverfahren sowie für gute Rahmenbedingungen im Handel ein.

29 | Juni | 2011
Anlässlich der ersten öffentlichen Debatte zu Nahrungsmittelspekulationen im Bundestag startete Oxfam eine Protest-Aktion.

In den armen Ländern wurde der landwirtschaftliche Sektor jahrzehntelang vernachlässigt. Nahrungsmittel konnten billig auf dem Weltmarkt beschafft werden. Milliardenschwere Agrarsubventionen in den reichen Ländern führten zu einem Überangebot an Agrarprodukten, das die Preise auf dem Weltmarkt drückte. Es fehlten dadurch die notwendigen Anreize in den armen Ländern, die einheimische, mehrheitlich kleinbäuerliche Nahrungsmittelproduktion zu fördern. Gleichzeitig wurden viele arme Länder durch die Liberalisierungs- und Deregulierungspolitik vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank zu Nahrungsmittelimporteuren. Heute sind insgesamt zwei Drittel der Entwicklungsländer Netto-Nahrungsmittelimporteure (105 von 148).

Für Kleinbauern ist in erster Linie der Zugang zu einheimischen Nahrungsmittelmärkten entscheidend. Auf diesen kommt es nach und nach zu tiefgreifenden Veränderungen - in der Produktion, der Verarbeitung und im Handel. Der Grund: Die Supermarktketten sind auf dem Vormarsch. Ihr Einkauf wird zunehmend neu ausgerichtet. Das heißt, der Einkauf wird gebündelt, zentralisierte Verteilungszentren werden eingerichtet, Verträge werden zunehmend direkt mit den Erzeugern beziehungsweise den Importeuren abgeschlossen, hohe Qualitätsanforderungen werden vorgegeben und strikt kontrolliert. Kleinbäuerinnen und -bauern bleiben häufig außen vor.

Die Erhaltung der natürlichen Ressourcen wird für die Nahrungsmittelproduktion der Kleinbauern und -bäuerinnen immer wichtiger. Der Klimawandel mit Dürren und Überschwemmungen, Wasserknappheiten, der Verlust der pflanzlichen und tiergenetischen Ressourcen sowie die fortschreitende Bodendegradation gefährden Ernten und damit die Lebensgrundlagen. Bereits heute sind 384 Millionen Hektar vom Sinken der Bodenfruchtbarkeit betroffen. Die fruchtbare Humusschicht wird immer dünner. In Afrika trifft dies für 65 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu. Gleichzeitig werden die Konkurrenz in der Landnutzung - Nahrungsmittel, Futtermittel, Agrartreibstoffe - und damit Landkonflikte zunehmen. Die Landwirtschaft steht in Zukunft also vor enormen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.