Nahrungsmittelkrise Ostafrika 2011
Drei Menschen in der Wüste
Viele Menschen in Turkana, Kenia sind wegen der Dürre auf Lebensmittellieferungen angewiesen. © Andy Hall
Menschen an einer Wasserstaion
Eine Wasserstation im Siliga Flüchtlingscamp in Somalia. © Caroline Gluck/Oxfam
Neuankömmlinge warten auf ihre Registrierung für ein Flüchtlingscamp.
Neuankömmlinge aus Somalia warten auf ihre Registrierung für das Flüchtlingscamp Dadaab, Kenia. © Andy Hall/ Oxfam
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Nahrungsmittelkrise Ostafrika 2011

Von der Dürre in Ostafrika waren 2011 schätzungsweise mehr als 13 Millionen Menschen betroffen. In sechs Gebieten im Süden Somalias herrschte zeitweise Hungersnot. Viele Länder in der Region leiden während der viermonatigen Trockenzeit regelmäßig unter akutem Wassermangel. In Teilen der Region fielen während der vorausgehenden Regenzeit nicht genügend Niederschläge, oder blieben ganz aus – in einigen der betroffenen Gebiete bereits das zweite Jahr in Folge. Die Konsequenz waren Ernteverluste oder totaler Ausfall von Ernten. Millionen von Menschen waren durch Hunger und Unterernährung gefährdet.

Rekordpreise für Nahrungsmittel

Karte von Äthiopien, Kenia und Somalia

Zentrum der Krise war die Grenzregion zwischen Somalia, Äthiopien und Kenia. Die Lebensgrundlagen der Bevölkerung bestehen dort vor allem aus Ackerbau und Viehzucht. Aufgrund der Dürre verendeten Hunderttausende von Ziegen, Schafen, Kamelen und Rindern, in bestimmten Gebieten fast die Hälfte des gesamten Viehbestands. Für die Bäuerinnen und Bauern wurde es schwierig, Futter für ihre Viehherden zu beschaffen.

Ebenso schwierig war es, Tiere zu verkaufen, um mit den Einnahmen Nahrungsmittel für die Familien zu kaufen. Die Preise für Vieh waren wegen der Dürre auf einem Tiefststand; niemand kaufte in der Situation Vieh, das den nächsten Monat möglicherweise nicht übersteht. Für viele Familien sind ihre Nutztiere oft der einzige Besitz und Vermögenswert. Hingegen wurden Rekordpreise für Grundnahrungsmittel wie Mais und Hirse bezahlt, aufgrund massiver Nachfrage und eines beschränkten Angebots. In Somalia stieg der Preis für Hirse gegenüber dem Vorjahr um 240 Prozent; Mais kostete doppelt, in manchen Gebieten dreimal so viel wie im Vorjahr.

Oxfam unterstützte 2,8 Millionen Menschen in den Dürregebieten, durch Nahrungsmittelhilfe, Einrichtung von Ernährungszentren, tierärztliche Maßnahmen sowie humanitäre Hilfe im Bereich Trinkwasser und Hygiene.

Gruppen:
16 | Juli | 2012

Fortschrittsbericht: Ein Jahr nach der Hungerkrise am Horn von Afrika

Ein Jahr nach der Hungerkrise am Horn von Afrika zeichnet sich ein gemischtes Bild ab: In den meisten Gebieten, die vor einem Jahr unter Dürre und Hunger litten, hat sich die Situation verbessert, nicht zuletzt auch wegen der geleisteten internationalen Hilfe. Oxfam hat gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 2,8 Millionen Menschen in der Region unterstützt: In den Dürregebieten in Nordkenia und Äthiopien, den großen Camps in Dollo Ado und Dadaab sowie in Somalia, wo im Juli 2011 offiziell die Hungersnot ausgerufen wurde.

Für viele der Betroffenen ist die Krise jedoch noch nicht vorüber. In Somalia setzten in diesem Jahr die Regenfälle erneut spät ein und waren nur von kurzer Dauer. Auch ist weiterhin keine Lösung für den jahrzehntelangen bewaffneten Konflikt in Sicht, der im letzten Jahr die Auswirkungen der Dürre in Somalia erheblich verschärft hat. In Dadaab schließlich, dem größten Flüchtlingscamp der Welt, fehlen für den Weiterbetrieb lebenswichtiger Einrichtungen inzwischen etwa 25 Millionen Dollar. Angesichts der schon jetzt unhaltbaren Zustände in dem mit 465.000 Flüchtlingen völlig überfüllten Camp drohen massive Versorgungsengpässe.

09 | März | 2012

Neuer internationaler Ansatz für Somalia erforderlich

Am 23. Februar trafen sich in London Vertreter/innen afrikanischer, arabischer und westlicher Regierungen, um über die politische und wirtschaftliche Krise in Somalia zu beraten.

Im Vorfeld der Konferenz forderte Oxfam in dem Bericht A Shift in Focus: Putting the Interests of Somali People First, den bisherigen Ansatz der internationalen Gemeinschaft gegenüber Somalia kritisch zu überprüfen. Es müsse der Weg hin zu einem längerfristigen Engagement eingeschlagen werden, das sich an den Bedürfnissen und Interessen der somalischen Bevölkerung orientiert und ihr stärkere Beteiligungsmöglichkeiten eröffnet.

Zwar hat sich in den Gebieten in Somalia, die am schwersten von der Hungerkrise betroffen waren, die Lage inzwischen etwas entspannt. Gleichzeitig verschärft sich jedoch die militärische Situation: Im Januar floh fast die Hälfte aller Binnenvertriebenen nicht mehr aufgrund von Dürre und Nahrungsmangel, sondern vor der zunehmenden Gewalt. Diese macht zudem immer weniger halt vor Einrichtungen wie Flüchtlingscamps und Krankenstationen.

Hilfe von militärischen Interessen entkoppeln

Mit Blick auf die Konferenz in London stellte Oxfam fest, dass sich die internationale Gemeinschaft in Somalia zu sehr auf Aufstandsbekämpfung und Terrorbekämpfung konzentriere: Ein vorrangig militärischer Ansatz erschwere nicht nur die humanitäre Versorgung der Zivilbevölkerung, sondern auch die längerfristige Stabilisierung des Landes. Daher müsse die internationale Hilfe von den strategischen Interessen in der Region grundsätzlich entkoppelt werden.

07 | Februar | 2012

Ostafrika: Schnellere Reaktion auf Krisenwarnungen notwendig

Die Krise ist nicht nur die Folge der aktuellen Dürre, sondern hat strukturelle Ursachen, wie die jahrzehntelange Vernachlässigung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Ostafrika. Dennoch hätte frühzeitige humanitäre Hilfe das Ausmaß der Krise mindern und den Betroffenen dabei helfen können, besser mit den negativen Auswirkungen fertig zu werden, zum Beispiel durch gezielte Maßnahmen zum Schutz des Viehbestands und zur Aufrechterhaltung lokaler Märkte.

Das internationale Hilfesystem – einschließlich Regierungen jeweils betroffener Länder, internationale Geber und Hilfsorganisationen – muss frühzeitig auf die Warnung vor einer Hungerkrise reagieren, damit diese im Idealfall noch verhindert werden kann: Sobald Frühwarnsysteme Alarm auslösen, muss damit begonnen werden zu handeln – nicht erst, wenn die Krise eingetreten ist. Die nächste große Nahrungskrise, die das Leben von Millionen von Menschen bedrohen könnte, zeichnet sich bereits in Westafrika ab.

20 | Januar | 2012

Ostafrika: Schnellere Reaktion auf Krisenwarnungen notwendig

Obwohl früh genug vor einer Hungerkrise in Ostafrika gewarnt wurde, dauerte es viel zu lange, bis ausreichende internationale Hilfe mobilisiert wurde. Frühwarnsysteme hatten bereits im August 2010 eine akute Nahrungsmittelkrise für Teile Ostafrikas prognostiziert. Internationale Hilfe im benötigten Umfang verzögerte sich jedoch bis Juli 2011 – bis auch die Medien begannen, über das Thema zu berichten. Die Schwellenwerte für eine akute Krise waren zu diesem Zeitpunkt bereits weit überschritten.

Die Krise ist nicht nur die Folge der aktuellen Dürre, sondern hat strukturelle Ursachen, wie die jahrzehntelange Vernachlässigung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Ostafrika. Dennoch hätte frühzeitige humanitäre Hilfe das Ausmaß der Krise mindern und den Betroffenen dabei helfen können, besser mit den negativen Auswirkungen fertig zu werden, zum Beispiel durch gezielte Maßnahmen zum Schutz des Viehbestands und zur Aufrechterhaltung lokaler Märkte.

Das internationale Hilfesystem – einschließlich Regierungen jeweils betroffener Länder, internationale Geber und Hilfsorganisationen – muss frühzeitig auf die Warnung vor einer Hungerkrise reagieren, damit diese im Idealfall noch verhindert werden kann: Sobald Frühwarnsysteme Alarm auslösen, muss damit begonnen werden zu handeln – nicht erst, wenn die Krise eingetreten ist. Die nächste große Nahrungskrise, die das Leben von Millionen von Menschen bedrohen könnte, zeichnet sich bereits in Westafrika ab.

Helen Ewoton berichtet aus der Region Turkana im Norden Kenias von der Bohrung eines neuen Brunnens und erzählt, wie wichtig sauberes Trinkwasser für sie und die Menschen aus ihrer Region ist.
Alejandro Chaskielberg reiste im Oktober 2011 für Oxfam nach Kenia, wo im letzten Sommer eine schwere Dürre Millionen von Menschen in eine Hungersnot trieb. Er besuchte und fotografierte Menschen, die ihre Nutztiere verloren haben und die mit Oxfams Hilfe jetzt wieder eine Existenz aufbauen können.
Oxfam und seine Partnerorganisation SAACID helfen Tausenden schwer mangelernährten Kindern in Mogadischu, sich von den Folgen der aktuellen Hungersnot zu erholen. In diesem Jahr hat SAACID bereits 66.000 mangelernährte Kinder zur Behandlung aufgenommen.
Ihre Spenden kommen an: Im Flüchtlingscamp Dadaab in Kenia baut Oxfam Latrinen, stellt die Trinkwasser-Versorgung sicher und führt Gesundheitsberatungen durch. Etwa 400.000 Flüchtlinge leben inzwischen in dem ursprünglich für 90.000 Menschen errichteten Camp – und täglich treffen ca. 1.500 neue Flüchtlinge ein.
Oxfam-Mitarbeiter in Großbritannien verladen Hilfsgüter, die für Flüchtlingscamps im Süden Äthiopiens bestimmt sind.
Oxfam Botschafterin Kristin Davis erzählt im Interview von BBC News von ihrem Besuch im Flüchtlingscamp Dadaab (Nord-Kenia).