Pakistan: Flutkrise 2010 und neue Gefahren
Reshma (10) holt Wasser im Shahbaz Camp. © Timothy Allen
Reshma (10) holt Wasser im Shahbaz Camp in Pakistan. © Timothy Allen
Foto: Ein Mann bringt seine Kinder in Sicherheit.
Ein Mann bringt seine Kinder in Sicherheit nach den schweren Überschwemmungen in Nowshera, Provinz Khyber-Pakhtunkhwa im Nordwesten Pakistans. REUTERS/Adrees Latif, courtesy www.alertnet.org
Foto: Überlebende bei der Aufbereitung von Trinkwasser.
Überlebende bei der Aufbereitung von Trinkwasser. © Oxfam
Foto: Menschen in der Region Punjab auf dem Weg in höher gelegene Gebiete.
Menschen in der Region Punjab auf dem Weg in höher gelegene Gebiete. © REUTERS/Adrees Latif, courtesy of Alertnet
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Pakistan: Flutkrise 2010 und neue Gefahren

Im Juli 2010 traf Pakistan die schlimmste Flutkatastrophe seiner Geschichte. Mindestens 1.750 Menschen starben durch ihre Auswirkungen. Eine Fläche, die etwa der Größe der Niederlande entspricht, wurde verwüstet, die Infrastruktur schwer beschädigt. Laut Behördenangaben waren insgesamt rund 20 Millionen Menschen betroffen, 1.985 wurden getötet und 2.964 verletzt. 11 Millionen verloren ihre Häuser

Oxfam erreichte mit seiner Nothilfe in den folgenden Monaten ca. 2,4 Millionen Menschen. In den Provinzen Khyber-Pakhtunkhwa, Punjab und Sindh stellte Oxfam sauberes Trinkwasser und Moskitonetze zur Verfügung und baute Notunterkünfte und Latrinen. Die Helfer/innen verteilten außerdem Nahrung und Hygiene-Sets, die aus Seife, Waschmittel, Tüchern und sauberen Wassergefäßen bestanden. Dies und Beratungen zu Hygienefragen waren wichtige Beiträge, um Infektionskrankheiten vorzubeugen.

Die Aufbauarbeiten gehen schleppend voran: Ein Jahr nach der Flutkatastrophe haben hunderttausende Familien immer noch keinen Ersatz für ihre zerstörten Häuser. Aufgrund von Ernteausfällen und anhaltend hoher Preise für Nahrungsmittel und Saatgut leiden die Menschen in manchen Landesteilen an Unterernährung.

Kein Ende der Überschwemmungen

Seit August stehen große Teile der pakistanischen Provinz Sindh erneut unter Wasser. Mehr als 1,5 Millionen Häuser wurden zerstört oder beschädigt; rund 1,8 Millionen Menschen sind auf Notunterkünfte angewiesen. In den 13 am stärksten betroffenen Distrikten in Sindh wurden 73 Prozent der Ernten, 36 Prozent des Viehbestands und 67 Prozent der Nahrungsvorräte vernichtet.

Oxfam leistet erneut Nothilfe und plant, mindestens 3,9 Millionen Kinder, Frauen und Männer mit Trinkwasser, Hygiene-Einrichtungen und weiteren lebenswichtigen Maßnahmen zu erreichen.

Karte: Oxfams Nothilfe in Pakistan


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15 | September | 2011

Pakistan: Erneute Not durch die Fluten

Nach der verheerenden Flut im Sommer 2010 sind die Menschen in der pakistanischen Provinz Sindh jetzt erneut von Wassermassen bedroht.

Nach zehn Tagen Dauerregen sind mehr als 1,7 Millionen Hektar Land überschwemmt und die Ernten auf mehr als 650 000 Hektar vernichtet. Tausende Familien haben wieder Haus und Hof verloren. Oxfam wird für bis zu 850.000 betroffene Menschen Trinkwasser und Hygieneeinrichtungen bereitstellen. Weitere Maßnahmen sind geplant.

Oxfam hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Pakistan schlecht auf neue Fluten vorbereitet ist. Die Aufbauarbeiten gehen seit der Flutkatastrophe im Sommer 2010 nur schleppend voran: Ein Jahr danach haben Hunderttausende Familien immer noch keinen Ersatz für ihre zerstörten Häuser, Zehntausende müssen weiterhin in Zeltlagern ausharren. Aufgrund anhaltend hoher Preise für Nahrungsmittel und Saatgut leiden die Menschen in manchen Landesteilen zudem an Unterernährung.

Pakistanische Helfer und Behörden haben vielfach engagiert gegen die Flut gekämpft, doch leidet der staatliche Katastrophenschutz an Ineffizienz und Reformstau. Zudem hat die pakistanische Regierung, entgegen den Empfehlungen von Weltbank und Asiatischer Entwicklungsbank, viel zu wenig in die Katastrophenvorsorge investiert. Mängel beim staatlichen Katastrophenschutz setzen die Bevölkerung neuen Gefahren aus. So wurden die Dämme in der Provinz Sindh seit der Mega-Flut 2010 nur um 60 bis 90 Zentimeter erhöht, und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, um 1,80 Meter.

Weitere Beispiele finden sich in der Oxfam-Studie: "Ready or Not: Pakistan’s resilience to disasters one year on from the floods" (Juli 2011).

26 | Juli | 2011

Ein Jahr nach der Flut: Pakistan drohen neue Überschwemmungen

Pakistan ist ein Jahr nach den schlimmsten Überschwemmungen seiner Geschichte schlecht auf eine neue Flut oder andere Naturkatastrophen vorbereitet. Mit Beginn der aktuellen Monsun-Saison sind zwei bis fünf Millionen Menschen in der Indus-Region aufs neue bedroht, warnt die Oxfam-Studie "Ready or Not: Pakistan’s resilience to disasters one year on from the floods".

Großen Anteil an der aktuellen Gefahr haben ungenügende Katastrophenschutzmaßnahmen der pakistanischen Regierung und mangelnde Unterstützung durch internationale Geberstaaten. Der letztjährige UN-Nothilfeaufruf über zwei Milliarden US-Dollar ist nur zu 70 Prozent finanziert. Der Bericht kritisiert ferner, dass weniger als zehn Prozent der Geberhilfe für vorbeugende Maßnahmen aufgewendet werde und insgesamt zu wenig längerfristige Vorhaben unterstützt würden.

Hunderte Dörfer im Süden der Provinz Punjab und in Sindh sind bereits jetzt wieder überflutet oder akut bedroht. Viele Bauern haben in diesem Jahr weniger Feldfrüchte als sonst angebaut, andere verlassen bereits ihre Häuser und ziehen in höher gelegene Gebiete. Sie haben einfach zu wenig Vertrauen in die staatlichen Schutzmaßnahmen und befürchten, erneut all ihr Hab und Gut zu verlieren.

Mehr als 800.000 Familien haben noch keinen Ersatz für ihre zerstörten Häuser erhalten, rund 37.000 müssen noch in Zeltlagern ausharren. Zahlreiche Flussdeiche, zum Beispiel in der Provinz Sindh, wurden nur unzureichend repariert und drohen neuen schweren Belastungen nicht standzuhalten.

Pakistanische Helfer und Behörden haben vielfach engagiert gegen die Flut gekämpft, doch leidet der staatliche Katastrophenschutz an Ineffizienz und Reformstau. Doppelstrukturen und Zuständigkeitslücken behindern oftmals die Hilfe. Zudem hat die pakistanische Regierung, entgegen den Empfehlungen von Weltbank und Asiatischer Entwicklungsbank, viel zu wenig Finanzmittel in die Katastrophenvorsorge investiert.

26 | Januar | 2011

Oxfam-Bericht: Ein halbes Jahr nach Beginn der Flutkrise herrscht weiter Not

Die Flutkrise in Pakistan ist noch lange nicht vorbei und könnte noch deutlich schlimmer werden. Der Oxfam-Bericht „Six months into the floods – Resetting priorities through reconstruction“ zeigt, dass im ersten halben Jahr seit Beginn der verheerenden Überschwemmungen zwar mehrere Millionen Menschen von humanitärer Hilfe erreicht wurden, aber noch immer große Not besteht.

Millionen Menschen verbringen diesen Winter wegen der anhaltenden Überschwemmungen in Zelten und anderen Notunterkünften. Viele sind durch Hunger und Mangel an sauberem Trinkwasser geschwächt. Sie drohen an Grippe, Lungenentzündung oder Durchfall zu erkranken. Allein in der zweiten Januarwoche 2011 gab es mehr als 200.000 Krankheitsfälle.

Außerdem droht eine Hungerkrise, da ein großer Teil der letzten Ernte durch die Flut vernichtet wurde und viele Bauern im vergangenen November keine Wintersaat ausbringen konnten. Obwohl viele Geberländer und private Spender aus aller Welt großzügig geholfen haben, reichen die Anstrengungen bei weitem nicht aus.

Wiederaufbau beginnen, neuen Katastrophen vorbeugen

Obwohl die Nothilfe noch lange nicht abgeschlossen ist, muss bereits jetzt mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Dabei gilt es, aus Fehlern bei früheren Katastrophen zu lernen. Erstens sollten im Zuge des Wiederaufbaus wirksame Strukturen zur Katastrophenvorsorge geschaffen werden. Zweitens sollten ländliche Gemeinschaften und die pakistanische Zivilgesellschaft von Beginn an in alle staatlichen Wiederaufbaupläne einbezogen werden.

Politische Reformen verwirklichen

Nur wenn der Wiederaufbau durch politische Reformen begleitet wird, kann die Hilfe langfristig wirken. Soziale Ungerechtigkeit, fehlende Bildungschancen und chronische Armut lassen derzeit in Pakistan große Teile der Landbevölkerung bei Naturkatastrophen schutzlos dastehen. Besitzlose Landarbeiter/innen sollten deshalb eigenes Land erhalten, kleinbäuerliche Familien stärker unterstützt und die Benachteiligung von Frauen beendet werden. So könnte verhindert werden, dass Millionen in Pakistan in Armut lebende Menschen bei einer neuen Katastrophe erneut vor dem Nichts stehen.

Oxfam-Bericht: Six months into the floods – Resetting Pakistan's priorities through reconstruction [PDF | 486 KB]

12 | August | 2010

Erfahren Sie mehr über die Situation der Menschen in Pakistan!

+Alle Beiträge sind in englischer Sprache+

Oxfams Gesundheitsexpertin Rabia Syed beschreibt den schwierigen Tagesablauf in einem Notlager, das provisorisch auf dem Gelände der lokalen Oberschule errichtet wurde. Das Dorf Khandarkale in Nowshera gehört zu den am schlimmsten betroffenen Teilen Pakistans.


Oxfams Gesundheitsingenieure Quasim Berech und Imran Khan dokumentieren fotografisch das Ausmaß der Zerstörung und die Vorgehensweise von Oxfam und seinen Partnern.

http://www.oxfamblogs.org/southasia/?p=578


Oxfams Pressereferent Ian Bray gibt einen Überblick über die Lage in Pakistan.