Das Recht auf Gesundheitsfürsorge
Foto: Ärztin in Yemen behandelt krankes Kind
Eine Ärztin in Yemen behandelt ein krankes Kind. © Abbie Trayler-Smith/Oxfam

Das Recht auf Gesundheitsfürsorge

Weltweit wird Millionen Menschen das Recht auf Gesundheitsfürsorge verwehrt. Ein wesentlicher Grund: Die Gesundheitssysteme in armen Ländern sind häufig völlig unzureichend, um allen Bürger/innen den Zugang zu einer grundlegenden Gesundheitsfürsorge zu ermöglichen. Die Regierungen der Entwicklungsländer sowie der reichen Geberländer stehen in der Pflicht, mehr Mittel für den Gesundheitsbereich aufzubringen und diese effektiver einzusetzen.

Bericht: „Your Money or Your Life“

Der Bericht „Your Money or Your Life“ ruft Regierungen ärmerer Länder dazu auf, direkte Zuzahlungen für öffentliche Gesundheitsdienste abzuschaffen. Gesundheit und Überleben dürfen keine Frage des Geldes sein, sondern müssen als grundlegende Menschenrechte verwirklicht werden.

NRO-Positionspapier: Your Money or Your Life [PDF | 879 KB]

01 | Februar | 2012

Elfenbeinküste: Gebühren für Gesundheitsfürsorge wieder eingeführt

Nach nur neun Monaten hat die Regierung des westafrikanischen Staates Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) die 2011 abgeschafften Direktzahlungen zur Basisgesundheitsfürsorge wieder eingeführt. Nun müssen Patienten durchschnittlich fast zwei US-Dollar für einen Besuch im Gesundheitszentrum aufbringen.

Der Verzicht auf die Kostenbeteiligung der Patienten hatte die Kosten durch steigende Patientenzahlen in die Höhe schnellen lassen. Vermehrt auftretende strukturelle Mängel im Gesundheitssystem, wie fehlendes Personal, Medikamente und Medizintechnik, führten zusätzlich zu erheblichen Frustrationen bei Patienten und Fachkräften. Die wichtige Reform, die besonders in Armut lebende Menschen finanziell entlastete und ihnen den Besuch einer Gesundheitsstation ermöglichte, war von Beginn an zum Scheitern verurteilt: schlecht geplant, mangelhaft kommuniziert und unterfinanziert. Daher hat sich die Regierung der Elfenbeinküste entschlossen, ab sofort nur noch Mütter und Kleinkinder von den Gebühren zu befreien.

Für die Menschen in dem krisengeschüttelten Land bedeutet dies einen Rückschritt. Für viele ist der Zugang zur Gesundheitsfürsorge damit wieder so gut wie unmöglich geworden. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut, 23 Prozent der Menschen haben weniger als zwei US-Dollar pro Tag zur Verfügung, um ihr Überleben zu sichern.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Beiträge zur Gesundheitsfürsorge, wie sie in dem afrikanischen Land wieder eingeführt werden, für in Armut lebende Menschen die größte Hürde um Zugang zu Gesundheitsfürsorge zu erreichen.

Anstatt die Patientenbeteiligung wieder einzuführen, sollte die Regierung der Elfenbeinküste sich vielmehr um faire und nachhaltige Lösungen bemühen. Als erstes könnten die Ausgaben für den Gesundheitssektor erhöht werden. Zurzeit liegen sie bei nur fünf Prozent des nationalen Haushalts. Dabei hatte die Regierung bereits 2001 angekündigt, diesen Anteil auf 15 Prozent zu erhöhen.

20 | Oktober | 2011

Welt-Malariabericht der WHO: Malaria auf dem Rückzug

Die Zahl der Malariatoten ist im vergangenen Jahrzehnt um etwa 20 Prozent gesunken. Das meldet der Welt-Malariabericht der WHO (Weltgesundheitsorganisation). 2000 waren 985.000 Menschen der Tropenkrankheit zum Opfer gefallen, 2009 waren es 781.000 Menschen, darunter viele Kinder unter fünf Jahren. Diesen Rückgang führt die WHO besonders auf den Einsatz von Moskitonetzen zurück, die mit Insektiziden behandelt wurden.

Diese Netze schützen die Menschen nachts vor dem Stich der Anopheles-Mücke, die Malaria übertragen kann.

Trotz des Erfolges bleibt Malaria für Millionen Menschen in 108 Ländern eine tödliche Bedrohung. Durch steigende Temperaturen infolge des Klimawandels kann sich die Seuche in Regionen ausbreiten, die zuvor nicht betroffen waren. Daher wird es weiter wichtig bleiben, die Menschen vor der Infektion zu schützen und die medizinische Versorgung der Erkrankten zu sichern.

Gerade auch nach Naturkatastrophen wie Überschwemmungen ist die Verteilung der schützenden Netze besonders wichtig, weil sich in den Überschwemmungsgebieten die Mücken in rasender Geschwindigkeit vermehren können. Ein Beispiel: Nach der Flut in Pakistan hat Oxfam Moskitonetze verteilt.

Pakistan: Nothilfe

Und bei Oxfam Unverpackt kann man Moskitonetze für gefährdete Menschen kaufen.

Oxfam Unverpackt

19 | September | 2011

Wahlen in Sambia: Zivilgesellschaft fordert besseren Zugang zur Gesundheitsfürsorge

Am 20. September 2011 wurden  in Sambia Präsident und Parlament gewählt. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen nutzen diese Wahl, um sich für einen besseren Zugang zu Gesundheitsfürsorge starkzumachen. Kurz vor der letzten Wahl im Jahr 2006 wurden die Patientengebühren in ländlichen Gebieten abgeschafft – ein notwendiger und richtiger Schritt.
Und dennoch: Der Zugang zu Gesundheitsfürsorge hat sich seit 2006 kaum verbessert, für manche Sambier hat sich die Situation sogar verschlechtert. Oxfam unterstützt die lokalen Organisationen und hat mit ihnen gemeinsam die Lage im Gesundheitssektor untersucht.

Das Ergebnis der Studie: Die Abschaffung der Patientengebühren im Jahr 2006 wurde weder ausreichend vorbereitet noch konsequent umgesetzt. Daher müssen die Wahlen 2011 endlich genutzt werden, um das Thema abschließend anzugehen und die finanziellen Hürden für die Patientinnen und Patienten wirklich abzubauen.

22 | März | 2011

Krankenversicherungen in Ghana? Ungerecht und unwirtschaftlich!

Das Gesundheitssystem in Ghana ist ungerecht und unwirtschaftlich. Die Struktur der dortigen Krankenversicherung schließt die Mehrheit der Bevölkerung aus.

Trotzdem wird Ghana immer wieder als positives Beispiel für Krankenversicherungssysteme in Entwicklungsländern benutzt. In der Studie "Achieving a Shared Goal For All – Free Universal Health Care in Ghana" zeigt Oxfam zum ersten Mal die bedeutenden Schwachstellen der ghanaischen Krankenversicherung auf:

  • Nur 18% der Bevölkerung – und nicht wie oftmals behauptet 61% – profitieren von dem Versicherungssystem.
  • Finanziert wird es aber von allen Bürgerinnen und Bürgern, unter anderem durch die Mehrwertsteuer.
  • Die überwiegende Mehrheit der Versicherten gehört zur reichsten Schicht der Bevölkerung.
  • Nur ein Drittel gehört der ärmsten Bevölkerungsschicht an.
  • Bis zu 36% der Gesundheitsausgaben Ghanas sind wirkungslos.
  • Schuld daran ist auch das unwirtschaftliche Krankenversicherungssystem.
  • Das Krankenversicherungssystem in Ghana muss grundlegend erneuert werden, um effizient und gerecht zu sein.
  • Mit progressiven Steuern und sinnvollen externen Finanzhilfen könnte die Regierung Ghanas bis zum Jahr 2015 allen Bürgerinnen und Bürgern ihres Landes Zugang zur Gesundheitsfürsorge ermöglichen.

Die Studie zum Krankenversicherungssystem in Ghana ist gerade jetzt wichtig: Andere Entwicklungsländer, z.B. Nepal und Sambia, orientieren sich am angeblichen Erfolg von Ghanas Versicherungssystem. Und wichtige Geber wie die Weltbank und die deutsche Bundesregierung beraten sie dabei.

Jeder Mensch hat das Recht auf Zugang zu Gesundheitsfürsorge. In den meisten Entwicklungs- und Schwellenländern sind viele Menschen jedoch weit von der Realisierung dieses Rechts entfernt.

  • Nur vier Millionen der mehr als zehn Millionen Menschen, die derzeit mit HIV/Aids leben und Zugang zu lebensrettenden Aidsmedikamenten benötigen, erhalten diese Medikamente.
  • Jedes Jahr sterben in ärmeren Ländern mehr als eine halbe Million (536 000) Million Mütter während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ihrer Kinder. Fast vier Millionen (3,7 Mio.) Neugeborene erleben ihren ersten Geburtstag nicht.
  • Mehr als vier Millionen Ärztinnen, Ärzte, Krankenpflegekräfte und Hebammen fehlen in ärmeren Ländern. Pro 100 000 Einwohner stehen beispielweise in Malawi statistisch gesehen sechs Pflegekräfte und noch nicht einmal ein Arzt zur Verfügung. In Deutschland sind des 80 Pflegekräfte und 43 Ärztinnen und Ärzte.

Das Recht auf Gesundheitsfürsorge muss für jeden Menschen auf der Welt durchgesetzt werden. Dazu müssen die Gesundheitssysteme der Länder des Südens umfassend und langfristig gestärkt werden. Hier stehen die Regierungen der reichen und armen Länder in der Pflicht ihre finanziellen Mittel massiv zu erhöhen und diese effektiver einzusetzen. Nur so kann Gesundheitsfürsorge für alle Menschen gewährleistet werden.