Welternährung
Foto: Frauen bei der Feldarbeit
Ernte und Nahrungsmittelproduktion sind vielfach Frauensache. © Chris Young/Oxfam GB

Welternährung

Eine Milliarde Menschen haben nicht genug zu essen. Ihr fundamentales Recht auf Nahrung wird verletzt. Viele Menschen können sich Nahrungsmittel nicht leisten, weil ihre Löhne zu niedrig sind, weil sie zu wenig Land haben oder weil sie keine fairen Preise für ihre Ernten bekommen. 60 Prozent der Hungernden sind Frauen. Wer die Ernährungssituation der Familien verbessern will, muss Frauen gezielt unterstützen und ihre Mitsprache bei der Gestaltung von Förderprogrammen sicherstellen.

Oxfam setzt sich für eine Welt ohne Hunger ein. Eine Landbewirtschaftung, die weniger auf Düngemittel und Pestizide setzt, sondern auf ökologische Anbaumethoden und traditionelles Wissen, die Bauern und Bäuerinnen gezielt unterstützt, kann den Hunger reduzieren und gleichzeitig zum Klima-, Wasser- und Naturschutz beitragen.


Factsheets zum Thema:

Fact-Sheet zur Nahrungsmittelspekulation [PDF 194.87 KB]

Entwicklung der Warenterminmärkte – Chronologie [PDF 86.04 KB]

29 | Juni | 2011

Bis die Spekulationsblase platzt – Mit Essen spielt man nicht!

Anlässlich der ersten öffentlichen Debatte zu Nahrungsmittelspekulationen im Bundestag startete Oxfam eine Protest-Aktion.

Unter dem Motto „Mit Essen spielt man nicht!“ fordern wir gemeinsam mit unseren Partnern von Misereor und WEED die Bundesregierung auf, maßlose Spekulationen mit Rohstoffen wie Reis, Weizen und Mais einzudämmen. Denn sie verteuern Nahrungsmittel, und die Hauptleidtragenden sind die Menschen in armen Ländern.

Bei unserer Aktion spielte sich folgende Szene ab: Vier Spekulanten sitzen um einen Roulettetisch. Ihr Wetteinsatz sind nicht die üblichen bunten Chips, sondern Grundnahrungsmittel – Weizen, Mais, Reis. Daneben schwebt ein Ballon – die „Rohstoff-Börse“. Das gierige Zocken der Spekulanten lässt die Spekulationsblase immer weiter anschwellen, bis sie irgendwann zerplatzt! Daraufhin ziehen sich die Spieler dezent vom Tisch zurück. Niemand will es gewesen sein, keiner stellt sich der Verantwortung. Nach einer kurzen Schreckenspause beginnt das risikoreiche Spiel von Neuem.

Mit der Kampagne „Mahlzeit!“ setzen wir uns gemeinsam mit unseren Partnern dafür ein, dass dieses Szenario an den echten Börsen beendet wird. Das ist nicht unmöglich! Durch politische Entscheidungen können und müssen maßlose Finanzwetten auf Grundnahrungsmittel verhindert werden.

Der G20-Gipfel, der im November dieses Jahres in Frankreich stattfindet, ist ein wichtiger politischer Termin, zu dem wir im Vorfeld Druck aufbauen müssen, denn das Thema Spekulation mit Nahrungsmitteln steht dort ganz oben auf der Agenda. Wir fordern von den Regierungen konkrete Maßnahmen, die die Nahrungsmittelmärkte langfristig stabilisieren. Dazu gehört die Regulierung von Spekulationen sowie ein Ende der damit einhergehenden Manipulation des Marktes.

Mahlzeit! – Ein Planet. Neun Milliarden. Alle satt.

Unterzeichnen Sie jetzt den Aufruf!

02 | Mai | 2011

Oxfam im Bayerischen Rundfunk zum Thema Nahrungsmittelspekulationen

Unter dem Titel „Zocken mit Agrarprodukten. Verursachen Börsenspekulanten Hunger?“ sprach Oxfams Agrar-Expertin Marita Wiggerthale im Bayerischen Rundfunk in der Reihe „Dossier Politik“ über den Einfluss von Nahrungsmittelspekulationen auf die Preise von Grundnahrungsmitteln.

Das einstündige Interview wurde am Mittwoch, den  27.4.2011 von 21:30 bis 22:30 Uhr live auf  Radio Bayern 2 ausgestrahlt. Es kann als Podcast abgerufen werden: 

Interview

Im Jahr 2007/2008 explodierten die Preise von Nahrungsmitteln. Bilder von Hungerrevolten gingen um die Welt. Viele Menschen konnten sich Nahrungsmittel nicht mehr leisten. Die Zahl der Hungernden stieg um 100 Millionen auf eine Milliarde Menschen. Die extremen Preisschwankungen haben seitdem stark zugenommen. Nach einem Preisverfall Ende 2008/2009 sind die Nahrungsmittelpreise wieder nach oben geklettert. Weizen kostete im März 2011 etwa 334 US-Dollar pro Tonne und lag damit nur noch 30 Prozent unter dem Höchstpreis von 2008. Mais kostete etwa 291 US-Dollar pro Tonne und lag damit drei Prozent über dem Höchstwert aus 2008. Diese Preissprünge legen den Schluss nahe, dass Spekulation ursächlich mit im Spiel ist.

Angesichts der dramatischen Auswirkungen auf das Leben der Menschen in armen Ländern ist die Politik aufgefordert, exzessive Nahrungsmittelspekulation einzudämmen. Die G20 und die aktuellen Diskussionen in der EU zur Finanzmarktreform bieten die Chance dazu.

Dossier Politik im Bayerischen Rundfunk

Mit Beginn der Nahrungsmittelkrise hat sich die Situation in der Landwirtschaft grundlegend geändert. Die Pacht bzw. der Aufkauf von Anbauflächen in Drittstaaten, die Spekulation auf den Rohstoffmärkten sowie die steigende Attraktivität von Ackerland als Geldanlage sind Vorboten einer von höheren Nahrungsmittelpreisen geprägten Zukunft. Für Millionen von Menschen ist das fundamentale Menschenrecht auf Nahrung bedroht. Eine wachsende Weltbevölkerung, klimabedingte Ernteausfälle, die fortschreitende Bodendegradation, die zunehmende Flächenkonkurrenz und steigende Ölpreise werden die Hungersituation weiter verschärfen, wenn jetzt nicht mutig und entschlossen gehandelt wird.

Ein „weiter so" wie bisher ist keine Option. Einseitig auf moderne Technologien und Produktionssteigerung setzende Programme sowie die Förderung der Gentechnik werden das Hungerproblem nicht lösen. Nur ein rechtsbasierter Ansatz, der die Multifunktionalität der Landwirtschaft berücksichtigt und auf eine integrierte ländliche Entwicklung setzt, wird der Vielschichtigkeit der Hungerproblematik gerecht. Es ist dringend erforderlich, die Mittel für die ländliche Entwicklung auf allen Ebenen deutlich aufzustocken. Dabei muss der Förderung der einheimischen Nahrungsmittelproduktion insbesondere in den von Nahrungsmittelimporten abhängigen Ländern absolute Priorität eingeräumt werden.

Maiskolben, Kartoffeln und Äpfel fliegen vor der Frankfurter Börse durch die Luft. Drei Jongleure halten sie in Bewegung. Als Zirkusdirektor gibt Finanzminister Schäuble im EssensZirkus den Ton an: Mit einer Peitsche treibt er die Artisten an und lässt sie munter weiter an der Börse mit Essen jonglieren – ohne Rücksicht auf hungernde Menschen, die sich diese Nahrungsmittel wegen der Preissteigerungen nicht mehr leisten können.
Kennen Sie schon unsere Mahlzeit!-Kampagne und möchten Sie andere davon überzeugen, dass Oxfam damit ein wichtiges Anliegen verfolgt? Mit diesen Infografiken können Sie Freunde, Familie oder Kollegen beeindrucken. Oder vielleicht sind Sie ja Lehrer/in und wollen unser Material im Unterricht benutzen?