Drohende Hungerkrise: Oxfam Botschafter Baaba Maal in der Sahelzone

Drohende Nahrungskrise in der Sahelzone

Missernten und hohe Nahrungsmittelpreise gefährden die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen in der Sahelzone. Die Vereinten Nationen schätzen, dass in den kommenden Monaten bis zu sieben Millionen Menschen von Engpässen bei der Nahrungsmittelversorgung betroffen sein werden und Unterstützung benötigen. Am stärksten gefährdet sind Gebiete in Niger, Tschad, Mali, Mauritanien, Burkina Faso und teilweise Senegal.

Grund dafür sind vor allem Ernteausfälle wegen der verspäteten Regenzeit im vergangenen Jahr, die zudem nur geringe Niederschläge brachte. Es wird befürchtet, dass sich die Ernährungslage in den nächsten Monaten deutlich verschlechtern wird. Besonders kritisch könnte es in der Zeit zwischen April und August 2012 werden, wenn die jetzt noch vorhandenen Vorräte aufgebraucht sein werden. 

Die landwirtschaftliche Produktion der Sahelregion sank 2011 zwar insgesamt nur um rund zwei Prozent unter den Fünfjahresdurchschnitt. Jedoch sind bestimmte Gebiete in der Region überproportional stark von einer drohenden Nahrungsknappheit betroffen: Im Tschad etwa brach das Erntevolumen teilweise um 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Zahlreiche ländliche Gebiete und Dörfer haben sich darüber hinaus noch nicht von den Auswirkungen der letzten Nahrungskrise im Sahel im Jahr 2010 erholt und haben daher kaum Widerstandskraft gegenüber weiteren externen Schocks.

Gleichzeitig steigen die Preise für Grundnahrungsmittel in der gesamten Region massiv: Im Dezember lagen die Getreidepreise um 60 bis 85 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt. Darunter leiden vor allem die ärmsten Bevölkerungsgruppen, die bis zu 80 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Nahrung aufwenden. Nachdem ein Großteil der zuvor in Libyen und der Elfenbeinküste arbeitenden Migrantinnen und Migranten wegen der dortigen Konflikte wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt ist, fehlen vielen Familien zudem die Geldüberweisungen aus dem Ausland als dringend benötigte Einkommensquelle.

Das Risiko einer drohenden Nahrungskrise wurde rechtzeitig erkannt. Noch bleibt Zeit, um schnell zu reagieren und den schlimmsten Auswirkungen vorzubeugen, insbesondere durch die Aufstockung von Nahrungsmittelvorräten und Maßnahmen zur Stärkung der Nahrungsmittelsicherheit. Oxfam ist seit Jahrzehnten in der Region aktiv und arbeitet mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, um die Widerstandsfähigkeit von Gemeinden gegenüber Krisen zu stärken. Schwerpunkte sind Maßnahmen im Bereich der kleinbäuerlichen Land- und Viehwirtschaft sowie Trinkwasserversorgung, Bewässerung und Management von Wasserressourcen.

21 | März | 2012

„Vorräte aufgebraucht“

Erschreckende Ergebnisse einer Umfrage in Niger: Bis zu 90 Prozent der Menschen im Westen und Osten Nigers gaben bei einer Befragung an, dass ihre Nahrungsvorräte vor der nächsten Ernte aufgebraucht sein werden. Alle Gemeinden bestätigten, dass sie bereits jetzt ihre Mahlzeiten reduzieren, um die Vorräte zu strecken.

Dies ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag einer Koalition internationaler Hilfsorganisationen, darunter CARE, Oxfam, Plan International, Save the Children und World Vision, erstellt wurde. Die Studie, an der sich auch das Welternährungsprogramm (WFP) sowie die nigrische Regierung beteiligten, ist der jüngste Beweis dafür, dass  Niger und weiteren Teilen der Sahelzone eine humanitäre Katastrophe droht, wenn die internationale Gemeinschaft jetzt nicht rechtzeitig reagiert.

Die sogenannten „Hungermonate“, in denen die Menschen in der Region ihre Mahlzeiten reduzieren müssen, beginnen normalerweise nicht vor Mai oder Juni. Aber die befragten Gemeinden in Diffa und Tillabéri melden bereits jetzt Engpässe – ein deutliches Signal dafür, dass sich die Situation noch verschlimmern wird.

Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung:
  • 100 Prozent der Familien geben an, die Zahl ihrer täglichen Mahlzeiten bereits reduziert zu haben.
  • Zwischen 70 und 90 Prozent der Menschen schätzen, dass ihre Nahrungsvorräte vor der nächsten Ernte aufgebraucht sein werden.
  • Die diesjährige Ernte ist noch um die Hälfte geringer ausgefallen als 2009, als eine katastrophale Dürre und hohe Lebensmittelpreise zu einer landesweiten humanitären Katastrophe führten.
  • Ein Viertel der befragten Gemeinden bestätigte, dass Kinder nicht mehr in die Schule gehen, weil Familien auf der Suche nach Arbeit wegziehen, die Schulkantinen geschlossen wurden oder die Kinder selbst arbeiten müssen.
  • Die Menschen in Niger sind gezwungen, ihre Nutztiere zu verkaufen, um sich Essen leisten zu können. So aber wird der Markt übersättigt und die Preise für Vieh sinken drastisch.
  • 97 Prozent der Gemeinden gaben an, dass der Mangel an Tierfutter sie vor ernste Probleme stellt.
  • Schätzungsweise 80 Prozent der Befragten haben nicht genug Saatgut, um für die nächste Anbausaison zu säen. Das bedeutet im schlimmsten Fall ein weiteres Jahr Hunger.
  • Knapp ein Drittel der Bevölkerung ist infolge der Missernte von 2009 immer noch verschuldet
Instabile Sicherheitslage

Die Situation in Niger wird dadurch erschwert, dass einige Nachbarstaaten mit einer instabilen Sicherheitslage zu kämpfen haben. So fliehen etwa aus Mali viele Menschen nach Niger, was für die ansässige Bevölkerung und die wenigen Ressourcen eine zusätzliche Belastung bedeutet. Gastarbeiter, die normalerweise ihre Familien aus dem Ausland (z.B. Libyen) unterstützten, kehrten in den letzten Monaten mit leeren Händen nach Niger zurück.

13 Millionen Menschen vom Hunger bedroht

In der gesamten Sahelzone in West- und Zentralafrika sind rund 13 Millionen Menschen vom Hunger bedroht, allein eine Million Kinder sind von Mangelernährung bedroht. Unregelmäßige Regenfälle, Pflanzenkrankheiten und Heuschreckenplagen zerstörten 2011 ganze Ernten und damit die lebenswichtigen Vorräte für die „Hungermonate“ in diesem Jahr. Im Niger alleine sind mehr als sechs Millionen Menschen vom Hunger bedroht, knapp zwei Millionen benötigen dringend unmittelbare Nahrungshilfe.

Das Schlimmste jetzt verhindern

Die Gebergemeinschaft muss jetzt schnell und unbürokratisch diese Mittel bereitstellen. Die Regierungen der Sahelzone sollten ihre Nothilfemaßnahmen abstimmen, so Oxfam.

„Die Menschen in Niger stehen gleich vor mehreren Krisen. Wir sind dieses Jahr Zeugen einer tödlichen Mischung verschiedener Ereignisse. Nach mehreren Krisen seit 2005 sind  die Menschen an ihrem absoluten Limit angekommen“, sagt Samuel Braimah, Oxfam-Länderdirektor in Niger. „Das Schlimmste könnte noch verhindert und Tausende Menschenleben gerettet werden, wenn jetzt entschlossen gehandelt wird.“

Oxfam arbeitet seit Jahrzehnten in Westafrika mit Partnerorganisation vor Ort zusammen, um die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegenüber Krisen zu stärken. Oxfam unterstützt zum Beispiel Kleinbäuerinnen und -bauern mit Saatgut, fördert die tierärztliche Versorgung des Viehs oder verbessert die Bewässerungssysteme.

Bitte spenden Sie, damit die Menschen in Westafrika die drohende Krise gut überstehen!

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[1]

[2] Emergency Capacity Building Projects (ECBP)

24 | Februar | 2012

Westafrika: Frühzeitige Intervention ist nötig

Viele Herden finden nicht genügend Futter. © Aubrey Wade /Oxfam

Die Dürre in Westafrika hat zu einer starken Verknappung der Lebensmittel und einem starken Anstieg der Preise für Nahrung in der Region geführt. Betroffen sind Menschen in Niger, Tschad, Mali, Mauretanien, Burkina Faso und in Teilen von Senegal. Besonders stark gefährdet ist die Bevölkerung in Niger. In den nächsten Monaten könnte hier die Nahrungsversorgung von Millionen von Menschen ernsthaft gefährdet sein.

Die Lage könnte sich weiter verschlimmern, wenn die vorhandenen Vorräte aufgebraucht sind. Um rechtzeitige vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, hat das Welternährungsprogramm nun dazu aufgerufen, besonders gefährdete Gruppen mit Nahrungsmittelhilfen zu unterstützen, beispielsweise zusätzliche Lebensmittelpräparate für schwangere und stillende Frauen sowie für besonders kleine Kinder. Auch Oxfam ist an den Hilfsaktionen beteiligt. Noch kann verhindert werden, dass die Krise ein schlimmeres Ausmaß annimmt. Erst kürzlich hat eine Oxfam-Studie gezeigt, dass eine frühzeitige Intervention entscheidend ist, um die Folgen von Nahrungsmittelknappheit einzugrenzen.

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14 | Dezember | 2011

2012 droht neue Nahrungskrise in Westafrika

In der Sahelzone droht 2012 erneut eine schwere Nahrungsmittelkrise. Von amtlichen Stellen wurden für die westafrikanischen Länder Niger, Mali, Mauretanien, Burkina Faso und Tschad entsprechende Frühwarnungen ausgegeben. Zuletzt hatten im Jahr 2010 über 10 Millionen Menschen in der Sahel-Region unter einer massiven Nahrungsmittelkrise gelitten.

Die Ursachen der Krise liegen in ausbleibenden Niederschlägen und chronischem Wassermangel, Ernteausfällen, Mangel an fruchtbarem Weideland, steigenden Nahrungsmittelpreisen, aber auch in sinkendenden Geldrücküberweisungen von im Ausland lebenden Migrant/innen aufgrund der globalen Finanzkrise. In vielen der gefährdeten Länder sank in diesem Jahr die Getreideproduktion – in Mauretanien und Tschad um mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr –,  während gleichzeitig die Preise für wichtige Grundnahrungsmittel teilweise um bis zu 40 Prozent über den Durchschnitt der letzten fünf Jahre stiegen. Die verfügbaren Nahrungsmittelreserven sind in einigen Ländern bedenklich niedrig.

„Die Menschen der betroffenen Länder haben sich noch nicht vollständig von den Auswirkungen der letzten Krise erholt und sind daher noch sehr verletzlich”, warnt Oxfam-Regionaldirektor Mamadou Biteye.

„Die Gefahr einer neuen Krise wurde früh genug angekündigt, und die Maßnahmen sind bekannt, mit denen man die am meisten gefährdeten Menschen unterstützen kann. Dieses Mal kann gehandelt werden, bevor die Krise da ist“, so Biteye. Die Regierungen der betroffenen Staaten seien sich des Risikos bewusst. Als nächster Schritt müssten Maßnahmen zur Krisenprävention und Stärkung der Widerstandsfähigkeit erfolgen, etwa die Unterstützung der lokalen Nahrungsmittelversorgung und der Aufbau von Nahrungsmittelvorräten.