Neue Oxfam-Umfrage im Osten der DR Kongo

Berlin, 13 | Juli | 2009

Die Militär-Offensive gegen die FDLR-Rebellen hat dramatische Folgen für die Zivilbevölkerung

Im Ost-Kongo sind die gewalttätigen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung seit Beginn der Militär-Aktionen gegen die Rebellen der Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas (FDLR) im Februar dieses Jahres stark angestiegen. Die Menschen in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu erleben seitdem immer häufiger Vergewaltigungen, Zwangsarbeit, Folter und Vergeltungsmaßnahmen. Dies geht aus einer aktuellen, ausführlichen Oxfam-Befragung von fast 600 Dorfbewohnern hervor.

'Die Offensive der kongolesischen Armee gegen die FDLR sollte Frieden für den Ost-Kongo bringen', sagt Marcel Stoessel, Oxfam-Programmleiter in der DR Kongo 'Bei unserer Umfrage gaben jedoch über 80 Prozent der Befragten an, dass die Sicherheitslage heute noch viel schlechter ist, als vor einem Jahr.'

Die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung geht nicht nur die Soldaten der FDLR-Miliz aus, sondern auch von der kongolesischen Armee. 'Einige Gemeinschaften berichteten sogar, dass Regierungssoldaten bei ihnen für die meisten Vergewaltigungen verantwortlich seien', so Stoessel. In den FDLR-kontrollierten Gebieten nehmen seit Beginn der Militär-Offensive neben sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Kinder auch Folter und Plünderungen zu. Eine Gemeinschaft meinte, dass die Militäroffensive einen 'schlafenden Teufel' geweckt hätte.

Mittlerweile unterstützt auch die im Ost-Kongo stationierte UN-Friedenstruppe MONUC die Offensive der kongolesischen Armee. 'Die UN-Truppen kontrollieren in der Regel nur die Hauptstraßen mit ihren Fahrzeugen - allerdings spielt sich dort nicht die Gewalt ab', erklärt Stoessel. 'Alle von uns befragten Gemeinschaften wünschten sich mehr Fußpatrouillen der MONUC-Truppen.'

'Das Ergebnis der Umfrage sollte ein Warnsignal an alle sein, die die aktuelle Militäroffensive befürworten', so Stoessel. 'Sowohl die kongolesische Armee als auch die UN-Friedenstruppen müssen mehr tun, um die Zivilbevölkerung zu schützen.' Nach UN-Angaben sind im Nord- und Süd-Kivu seit Beginn der Militäroffensive etwa 800.000 Menschen vertrieben worden. Im letzen Jahr mussten etwa 250.000 Menschen vor Kämpfen fliehen.