Zwei Jahre nach dem Erdbeben in Haiti

Schleppender Wiederaufbau mit ersten Erfolgen

Berlin, 10 | Januar | 2012
Zwei Jahre nach dem Erdbeben in Haiti

Zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010 kommt der Wiederaufbau Haitis nur schleppend voran. Dies stellt die internationale Hilfsorganisation Oxfam in ihrem Bericht “Haiti: The Slow Road to Reconstruction – Two Years after the Earthquake” fest. Es seien verstärkte Anstrengungen nötig, um dem Bedarf der Bevölkerung an Wohnraum, Einkommensmöglichkeiten und sozialen Grunddienstleistungen gerecht zu werden, so Oxfam.

Dennoch gibt es Fortschritte. So ist zum Beispiel fast die Hälfte aller Trümmer geräumt, schätzungsweise fünf Millionen Kubikmeter Schutt. Außerdem wurden seit dem Beben rund 430 Kilometer Straßen gebaut oder instand gesetzt, eine wichtige Voraussetzung für Wiederaufbau und wirtschaftliche Erholung. Dem stehen jedoch massive Probleme gegenüber: So leben noch immer über eine halbe Million Menschen in behelfsmäßigen Notunterkünften. Die meisten Haitianer/innen haben weder fließendes Wasser, Toiletten noch Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Cholera, die bereits Tausende von Menschenleben gefordert hat, ist nach wie vor eine Gefahr. Über 70 Prozent der Erwerbsbevölkerung sind arbeitslos oder unterbeschäftigt.

Nationale Aufbauplanungen müssen konsequent umgesetzt werden

"Die Menschen in Haiti fragen sich, warum nicht mehr Fortschritte zu sehen sind, angesichts der neuen Regierung und angesichts der Milliarden an Hilfsgeldern, die zugesagt wurden”, so Oxfams Landesdirektorin in Haiti, Cecilia Millan. “Der zweite Jahrestag der Katastrophe muss daher ein Weckruf sein. Denn trotz aller Schwierigkeiten bietet der Wiederaufbau auch die Chance, die Ungerechtigkeit und chronische Armut zu überwinden, die Haiti schon seit vielen Jahrzehnten prägen.”


Nach Angaben der UN wurden von den 4,6 Milliarden US-Dollar, die die Geberländer in den letzten beiden Jahren zugesagt haben, bis Ende September 2011 nur 43 Prozent ausgezahlt. Oxfam fordert eine konsequente Umsetzung nationaler Wiederaufbauplanungen. Auch müsse gezielt die Fähigkeit der haitianischen Regierung gestärkt werden, wirksam den Wiederaufbauprozess zu koordinieren. "Die Geberländer müssen ihre Hilfszusagen einhalten und weiter engagiert bleiben. Ernüchterung über den schleppenden Fortschritt beim Wiederaufbau darf nicht zulasten der Menschen in Haiti gehen”, so Millan.

Oxfam hat eine Million Menschen unterstützt

Seit dem Erdbeben hat Oxfam in Haiti mehr als eine Million Menschen unterstützt. 2011 verlagerte die Organisation den Schwerpunkt von der direkten Nothilfe hin zum Wiederaufbau in enger Kooperation mit haitianischen Partnern. Dabei geht es um Projekte sowohl zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung und der Abwasser-Systeme als auch um die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Hauptstadt Port-au-Prince und in ländlichen Regionen. Die Projekte werden durch Spenden aus Deutschland in Höhe von 260.000 Euro mitfinanziert.

Hier finden Sie den Oxfam-Report „The Slow Road to Reconstruction“ (engl.)