Allianz und Spekulation mit Nahrungsmitteln

Oxfam: Endlich Bewegung in der Debatte

Berlin, 8 | Juni | 2012
Allianz und Spekulation mit Nahrungsmitteln

Knapp vier Wochen nach der Präsentation der Studie „Mit Essen spielt man nicht! – Die deutsche Finanzbranche und das Geschäft mit dem Hunger“ ist Bewegung in die Debatte um die Spekulation mit Nahrungsmitteln gekommen.

Wir erwarten von der Allianz ein offenes Gespräch und Klarheit über ihre zukünftigen Schritte.Frank Braßel
Leiter der Oxfam-Kampagne „Mahlzeit!“

Die Allianz hat Interesse an einem Gespräch mit Oxfam bekundet. Zurzeit wird der Termin vorbereitet, der im Juli stattfinden soll. Zudem wird ab Juli in Brüssel über Regeln zu Investitionen in Nahrungsmittelfonds diskutiert und zwar im Rahmen der Reform der Finanzmärkte. Oxfam protestiert gegen die Finanzgeschäfte mit Agrarrohstoffen wie Weizen oder Mais, weil sie die weltweite Hungerkrise weiter verschärfen.

„Wir erwarten von der Allianz ein offenes Gespräch und Klarheit über ihre zukünftigen Schritte. Die Gefahr für das Menschenrecht auf Nahrung muss gebannt werden. In Armut lebende Menschen spüren die heftigen Preissprünge, wie sie durch die Spekulation mit Nahrungsmittel verstärkt werden, sofort“, sagt Frank Braßel, Leiter der Oxfam-Kampagne „Mahlzeit!“.

„Bei Oxfam sind zahlreiche Schreiben besorgter Kundinnen und Kunden der Allianz eingegangen, die nicht wollen, dass mit ihren Versicherungsbeiträgen das Hungerrisiko in der Welt vergrößert wird.“ Die Studie, die auch auf der Allianz-Hauptversammlung im Mai Thema war, zeigt, dass deutsche Finanzinstitute ein Sechstel des weltweit geschätzten Anlagevolumens in Agrarrohstoffen von 68,8 Milliarden Euro halten. Den Spitzenplatz nimmt nach Oxfams Berechnungen mit 6,24 Milliarden Euro die Allianz ein.

Hungerrisiko vermindern

„Dass eine Milliarde Menschen auf der Welt hungern, hat viele Gründe“, so Braßel, „aber beim Thema Spekulation in Nahrungsmitteln haben die Anleger und Anlegerinnen die Möglichkeit, dieser Art der Investition ihr Vertrauen zu entziehen und damit die Lage in vielen armen Ländern zu entspannen.“

Die Oxfam-Studie zeigt, dass alle großen deutschen Finanzinstitute mit Nahrungsmitteln spekulieren. Die Allianz und auf Platz zwei die Deutsche Bank sind mit Abstand die größten deutschen Akteure in diesem Geschäft. Aus Sicht Oxfams wäre daher ein Verbot der Nahrungsmittelspekulation im Rahmen der europäischen Finanzmarktreform dringlich. Die Entwicklungsorganisation sammelt seit Ostern Unterschriften, damit Finanzminister Schäuble sich in der EU darüber hinaus für Transparenz an den Rohstoffbörsen einsetzt (z.B. durch strenge Berichtspflichten) und für starke Aufsichtsbehörden, die Investments an diesen Märkten wirksam kontrollieren und auch präventiv eingreifen können.

Weitere Informationen:

Studie: „Mit Essen spielt man nicht! Die deutsche Finanzbranche und das Geschäft mit dem Hunger“

Appell gegen Nahrungsmittelspekulation an Finanzminister Schäuble

Allianz und Nahrungsmittelspekulation

Gruppen: