Äthiopien: Kühe und Schafe sichern Überleben
© CISO (community Initiative Support Organization), Ethiopia. 2010
© CISO (community Initiative Support Organization), Ethiopia. 2010

Äthiopien: Kühe und Schafe sichern Überleben

Häufig bleibt in Äthiopien der Regen aus. Viele Frauen sind auf sich allein gestellt, weil ihre Männer in die Städte abwandern. Schaf- und Rinderzucht bieten eine Lebensgrundlage, die die Menschen besser vor Hungersnöten schützt.

Jetzt beginnen wir ein neues Leben. Wenn wir eine eigene Herde haben, kann ich meine Kinder wieder zur Schule schicken.Abayesh Edema
Witwe in Darra

In der Provinz Darra im Südwesten Äthiopiens haben es die Bäuerinnen und Bauern schwer: Das Land ist trocken und für den Ackerbau schlecht geeignet. Armut und Hunger sind weit verbreitet. Die Männer wandern auf der Suche nach Arbeit in die Städte ab. Manche kommen nicht zurück. Witwen erben kein Land. Wie soll eine allein stehende Frau ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Kinder ernähren?

Unsere Partnerorganisation Community Initiative Support Organisation (CISO) baut auf die Stärken der Frauen. Die Menschen in Darra kennen sich mit Viehzucht aus. Schafe und Kühe begründen den Reichtum und das gesellschaftliche Ansehen einer Familie. Sie liefern Milch und Fleisch und dienen in Notsituationen als Spargroschen und Zahlungsmittel.

Im Oktober 2009 startete CISO mit Unterstützung von Oxfam in fünf Dörfern das Projekt „Schafe gegen Armut“. Witwen, Waisen, von HIV/Aids betroffene Menschen und stark verarmte Kleinbauern und -bäuerinnen, die von ihrer Dorfgemeinschaft ausgewählt wurden, erhielten von CISO drei Schafe. Die ersten 3 Lämmer gaben sie an andere arme Dorfbewohner/innen weiter. So stellt CISO sicher, dass die Menschen das Projekt akzeptieren und dass es sich langfristig selbst trägt.

Die Schafszucht war so erfolgreich, dass CISO nun auch Kühe ins Programm genommen hat. 400 zukünftige Viehzüchter/innen nehmen an der neuen Projektphase teil und sobald die ersten Lämmer und Kälber auf der Welt sind, bekommen nach und nach weitere 400 Menschen zwei Tiere, die sich wiederum vermehren werden.

Tierärzte begleiten das Projekt, betreuen die Schafe und Kühe und bieten Fortbildungen in Tierhaltung und Tierzucht an.

Für viele Frauen hat das Projekt schon jetzt Früchte getragen: Sie schöpfen neue Hoffnung und können wieder für die Zukunft planen (siehe Hintergrund).

29 | Juli | 2011

Nachricht aus Äthiopien

Angesichts der Hungerkrise in Ostafrika fragen sich viele von Euch bestimmt, wie es den Schafen und Rindern geht, mit denen Familien im äthiopischen Distrikt Darra sich neue Existenzen aufbauen wollen.

Unsere Kollegin Feleke Tadele, Oxfam-Direktorin für Äthiopien, berichtet, dass Darra nicht zu den am schlimmsten betroffenen Gebieten gehört, aber ebenfalls unter dem ausbleibenden Regen leidet.

Die Tiere in Darra leben, und die Menschen sind bisher nicht gezwungen, vor der Dürre zu fliehen. Einige der ärmsten Haushalte mussten allerdings Rinder und Schafe verkaufen, um so Geld für dringend benötigte Nahrungsmittel zu bekommen.

Im Augenblick ist ein Team unserer Partnerorganisation CISO unterwegs, um gemeinsam mit den Familien Möglichkeiten zu finden, sie in dieser Krisenzeit zu unterstützen.

Oxfams Nothilfe in den am schlimmsten betroffenen Gebieten Äthiopiens, Kenias und Somalias schließt auch Wasser und tierärztliche Unterstützung für das Vieh ein, das die Lebensgrundlage vieler Familien bildet.

10 | Dezember | 2010

Kühe bringen Anerkennung in der Gesellschaft

Im Dezember 2010 begann die 2. Projektphase: Die Menschen in Darra erhalten neben einem Schaf auch eine Kuh. Vieh zu besitzen bedeutet für sie nicht nur Nahrungs- und Einkommenssicherung, sondern verbessert auch ihren gesellschaftlichen Status. Das Projekt funktioniert nach dem Schneeballprinzip: Die ersten Lämmer und Kälber werden jeweils an weitere Bedürftige verteilt. So sichert CISO die langfristige Wirkung und die Akzeptanz des Projekts in der Bevölkerung. In dem von extremer Armut und akuter Unterernährung betroffenen Land ist die Stärkung von Kleinbauern und -bäuerinnen überlebenswichtig.

Abayneshs Schafe helfen ihren Kindern

Die Witwe Abaynesh Edema sorgt allein für ihre vier Kinder. Früher war das Leben der Familie durch das regelmäßige Einkommen ihres Mannes gesichert. Auch zwei Kühe besaßen sie. Als der Familienvater jedoch schwer erkrankte, sahen sie sich gezwungen, die Tiere zu verkaufen. Allein konnte Abaynesh die Schulgebühren für ihre Kinder nicht mehr aufbringen. Jetzt freut sich die 33-Jährige über die Schafe. Eines der Schafe hat sogar schon geworfen und das andere ist trächtig.

„Es ist ein Wunder!“, sagt Abaynesh, „Jetzt beginnen wir ein neues Leben. Wenn wir eine eigene Herde haben, kann ich meine Kinder wieder zur Schule schicken.“

Wir freuen uns sehr über die O-Töne der neuen Viehhalter/innen, die unsere Partnerorganisation CISO vor Ort gesammelt hat:

  • „Durch das Projekt kann ich ein besseres Leben führen und in die Schule gehen“ (Yosef Guracha, Waisenjunge, der Schafe erhalten hat)
  • „Durch das Projekt habe ich mehr Hoffnung auf eine bessere Zukunft“ (Mirtu Badego, Witwe)
  • „Ich bin Gott und CISO dankbar dafür, dass sie unser Leben zum Besseren verändern“ (Pflegemutter eines Waisenkindes)
  • „Gott hat uns zu Halterinnen von Schafen gemacht. Er meint es gut mit uns“ (Mulu Binancha, Witwe)
  • „Von nun an wird das Leben besser sein. Danke an den Geber und CISO“ (Tayech Mamo, Witwe)
  • „Von nun an werde ich ein gutes Vorbild sein. Und ich werde meinen Hunger vergessen“ (Abebe Mule, Waisenjunge)