Benin: Schule geht auf den Markt
Wandbild am Schulgebäude
Bemalung und Appell: Wand des Schulgebäudes, Markt Koutongbe, Porto Novo. © Stefanie Beck, Oxfam Deutschland
Kinder im Unterricht
Lernen für eine bessere Zukunft. © Stefanie Beck, Oxfam Deutschland
Schülerin beim Schreiben
Lernen für eine bessere Zukunft. © Stefanie Beck, Oxfam Deutschland
Schulgebäude auf dem Markt Koutongbe, Porto Novo
Schule auf dem Markt Koutongbe, Porto Novo. © Stefanie Beck, Oxfam Deutschland
Innenansicht des Schulgebäudes auf dem Markt Koutongbe, Porto Novo.
Innenansicht des Schulgebäudes auf dem Markt Koutongbe, Porto Novo. © Stefanie Beck, Oxfam Deutschland
Musiker
Seit Kurzem trommeln die Mädchen selbst und liefern den Rhythmus für die Tänzerinnen. © Stefanie Beck, Oxfam Deutschland
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Benin: Schule geht auf den Markt

Können die Kinder nicht zur Schule kommen, dann muss die Schule zu den Kindern kommen. Dies hat sich ASSOVIE in Benin zum Prinzip gemacht. Die Organisation überzeugt das Umfeld der Kinder vom Recht auf Bildung für alle. Schritt für Schritt nimmt so die Schule einen Platz in ihrem Leben ein.

© Stefanie Beck/Oxfam DeutschlandAlice steht an der Tafel. Mit einem langen gelben Lineal, das sie als Zeigestab gebraucht,fährt sie beim Vorlesen Silbe für Silbe die Worte ab, die auf Französisch an der Tafel stehen. Es geht noch ein klein wenig stockend, aber die Worte kommen schließlich alle fehlerfrei. „Sehr gut“, lobt die Lehrerin und berührt Alice sanft am Arm, die daraufhin das Lineal an die Nächste weitergibt und mit einem zurückhaltenden Lächeln wieder in ihrer Schulbank Platz nimmt.

Anerkennung, Lob oder eine liebevolle Berührung sind keine Selbstverständlichkeit für die Mädchen, die sich in dem kleinen Klassenraum auf dem Stadtteilmarkt St. Michel in Benins Wirtschaftsmetropole Cotonou zusammengefunden haben. Sie allesamt sind „Vidomègon“ (dt.: „weg gegebene Kinder“): Kinder, die von ihren Eltern – zumeist in der Hoffnung auf bessere Ausbildungschancen – an fremde Familien in den Großstädten gegeben wurden.

Aber anstatt die ersehnte Ausbildung zu erhalten, müssen sie meist Haushaltsarbeiten und niedere Hilfsdienste verrichten, werden oftmals schlecht behandelt, geschlagen oder gar missbraucht. Die meisten der Mädchen müssen zusätzlich als Straßenverkäuferinnen oder Standhelferinnen auf den Märkten ihren Unterhalt verdienen.

© Stefanie Beck/Oxfam DeutschlandSeit 2001 versucht Oxfams Partnerorganisation ASSOVIE daher, die Situation dieser minderjährigen Marktverkäuferinnen zu verbessern. Auf inzwischen 20 Märkten in den Städten Cotonou, Abomey-Calavi, Ouidah und Porto-Novo hat ASSOVIE einfache Holzhäuschen errichtet.

Hier findet zweimal die Woche ein zweistündiger Unterricht statt, in dem die Mädchen binnen drei Jahren die Grundlagen von Lesen, Schreiben und Rechnen erlernen können. Und da sie sich durch die räumliche Nähe nicht lange von ihrem Arbeitsplatz entfernen müssen, wird ihnen die Teilnahme auch eher erlaubt. Mittlerweile nehmen 670 Mädchen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren regelmäßig am Unterricht teil, manchen von ihnen gelingt sogar ein Übertritt in die Regelschule.

Es geht um mehr als das ABC

ASSOVIE wirbt durch breit angelegte Informationsveranstaltungen auf den Märkten für das Unterrichtsangebot. Gleichzeitig klären die Mitarbeiterinnen über Kinderrechte auf und versuchen, ein anderes Bewusstsein innerhalb der Gastfamilien, bei den Händlerinnen aber auch bei einflussreichen Persönlichkeiten in den Gemeinden und Städten zu erzielen.

© Stefanie Beck/Oxfam DeutschlandDabei wirken die Mädchen selbst aktiv mit: Eine Pädagogin übt mit ihnen Sketche, kleine Theaterstücke aber auch traditionelle Tänze ein. Diese Theaterarbeit stärkt ihr Selbstbewusstsein und hilft den Mädchen mit ihren Erlebnissen fertig zu werden und neuen Mut zu schöpfen. Inzwischen sind die Mädchen sogar soweit, auch die Trommelbegleitung zu den Tänzen selbst zu übernehmen – eine Tätigkeit, die sie mit besonderem Stolz ausführen, da Trommeln sonst häufig Männern vorbehalten ist.

Seit 2011 setzt ASSOVIE zudem eine Psychologin und zwei Streetworker ein, die sich insbesondere der stark verängstigten und traumatisierten Kinder annehmen. Aber auch die Lehrer/innen beobachten ihre Schützlinge, suchen das Gespräch und versuchen, wo nötig, Halt zu geben. „Manche Kinder wollen nach dem Unterricht den Klassenraum gar nicht mehr verlassen“, sagt Bernadette Dzikpor Codjo, Lehrerin in St. Michel. „Für sie ist es ein geschützter Ort – ein besonderer Ort.“

Die Chance auf Bildung kann Leben verändern

Oxfam Deutschland unterstützt die wichtige Arbeit von ASSOVIE seit 2009. Langfristig soll die Organisation darin gefördert werden, sich eigene, unabhängige Einnahmequellen zu schaffen. Damit Mädchen wie Alice auch künftig die Chance erhalten, ihr Leben zu verändern: Die Chance auf Bildung!

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