Indien: Starke Zivilgesellschaft sichert Recht auf Bildung und Gesundheit
Dorfbewohnerinnen tauschen sich aus © Oxfam Indien
Dorfbewohnerinnen tauschen sich aus © Oxfam Indien
Workshop des Dorfkomitees für Bildung im Ort Silodar
Workshop des Dorfkomitees für Bildung im Ort Silodar © Oxfam India
Versammlung des Schulkomitees auf dem Schulgelände in Manoharpur
Versammlung des Schulkomitees auf dem Schulgelände in Manoharpur © Oxfam India Bild
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung © Oxfam India
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Indien: Starke Zivilgesellschaft sichert Recht auf Bildung und Gesundheit

Indien erlebte im vergangenen Jahrzehnt ein beachtliches Wirtschaftswachstum. Aber der Boom der letzten Jahre  kommt längst nicht allen zugute: Rund 1,7 Millionen Kinder sterben jährlich an Unterernährung, und der Prozentsatz der Menschen, die in extremer Armut leben, lag 2010 bei 32 Prozent.

© Oxfam IndiaIn Indien sind vor allem in ländlichen Gebieten die Infrastruktur und die Möglichkeit, staatliche Grunddienstleistungen in Anspruch zu nehmen, wenig entwickelt. Gemeinsam mit drei lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen unterstützt Oxfam die Bevölkerung im Bundesstaat Jharkhand daher dabei, im Dialog mit Politik und Verwaltung ihre Rechte einzufordern.

Jharkhand, das „Land der Wälder“ im Nordosten Indiens, ist einer der jüngsten Bundesstaaten des Subkontinents und reich an mineralischen Bodenschätzen. Trotz der üppigen Naturressourcen leben über die Hälfte der 33 Millionen Einwohner Jharkhands unterhalb der Armutsgrenze. Ein Großteil der Bevölkerung wohnt in ländlichen Gebieten.

Hier ist  der Zugang zu sauberen Wasserquellen selten und die vereinzelt vorhandenen medizinischen Zentren sind häufig nicht funktionsfähig oder unbesetzt. Mit fast 50 Prozent Analphabetismus ist Jharkhand zudem einer der bildungsschwächsten Staaten Indiens.

Schwierige Ausgangslage für mehr Bürgerengagement

Der Erlass verschiedener nationaler Gesetze soll diese Bilanz ändern. So beschloss die indische Regierung die Einführung kostenloser und verpflichtender Grundschulbildung für alle Kinder sowie mehrere Gesetze zur staatlichen Gewährleistung von Gesundheitsdiensten. Doch es hapert an deren Umsetzung.

Seit der Staatsgründung wechselt die politische Führung in Jharkhand häufig, sodass der Aufbau von verlässlicher Infrastruktur und Kommunikationswegen zu politischen Entscheidungsträgern nicht einfach gelingt. Zudem ist die vorwiegend ländliche Bevölkerung über ihre Rechte nur unzureichend informiert. Der Zivilgesellschaft fehlen die Mittel, Druck auf die Regierungen zur Umsetzung erlassener Gesetze auszuüben, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung in Jharkhand zu verbessern.

Training und Unterstützung für zivilgesellschaftliche Akteure

© Oxfam IndiaSeit April 2011 arbeiten Oxfam und die lokalen Organisationen „Child in Need Institute“ (CINI), „Nav Bharat Jagrut Kendra“ (NBJK) und „Society for Participatory Action and Reflection“ (SPAR) zusammen am Ausbau der Zivilgesellschaft in Jharkhand. Das Projekt findet in 60 Dörfern in den Gebieten West Singhbum, Hazaribag und Gumla statt. Ziel ist, Netzwerke zwischen lokalen Gremien aufzubauen und die Bevölkerung  so zu stärken, dass Rechte und Dienstleistungen wirksam eingefordert werden können – für nachhaltig bessere Lebensbedingungen aller Einwohner/innen Jharkhands.

In der ersten Phase des Projekts wurden hierfür mittels Workshops und Weiterbildungen die Grundlagen geschaffen: 60 Frauen und Männer haben sich zu Gemeindefürsprecher/innen für ihre Dörfer ausbilden lassen, sodass es für die Dorfbevölkerung nun konkrete Ansprechpersonen in Rechtsfragen gibt.

Außerdem wurden Komitees zur Verbesserung von Schul- und Gesundheitsdienstleistungen gegründet, die Missstände aufdecken und durch regelmäßige Treffen Handlungsdruck auf die zuständigen Behörden ausüben können. Nach einem Jahr sind erste Erfolge sichtbar: Gesundheitszentren wurden instand gesetzt und regelmäßige Schulspeisungen für Kinder in den Schulen organisiert, die vorher zwar rechtlich zugesichert, aber nicht durchgeführt worden waren.

Erste Erfolge und konkrete Maßnahmen für verbesserte staatliche Dienstleistungen  

Im zweiten Projektjahr knüpft Oxfam an die Erfolge des ersten Jahres an und arbeitet nun in erster Linie an folgenden Zielen:

  • Stärkung der Schul- und Gesundheitskomitees auf Dorfebene
  • Stärkung der Verbindungen zwischen Komitees, Dienstleistern und Politikern und verstärkte Zusammenarbeit mit Komitees anderer Regionen, um voneinander zu lernen
  • Entwicklung von konkreten Verbesserungsplänen für Dorfgesundheit und Schulmanagement und Umsetzung der geplanten Aktivitäten in den Projektdörfern
  • Verstärkte Einbindung von Frauen- und Jugendgruppen in Veränderungsprozesse und Ausbildung von mehr Frauen als Gemeindefürsprecherinnen
  • Workshops und Weiterbildungen für die Bevölkerung zu ihren Rechten in Bezug auf Gesundheitsfürsorge und Bildung

Durch die Kombination von  Weiterbildungen mit dem kontinuierlichen Aufbau von Beziehungen zwischen Zivilgesellschaft und Regierungsvertretern schafft das Projekt die Grundlage für eine langfristige Sicherung der Grundrechte für die Bevölkerung Jharkhands. So können in Zukunft die Menschen in Jharkhand hoffentlich auch über die Projektdörfer hinaus von einer starken Zivilgesellschaft und verlässlichen staatlichen Dienstleistungen profitieren.

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Gruppen:

Während Indien seit einiger Zeit als aufstrebende Wirtschaftsmacht gilt, lebt ein Großteil der Menschen in der Region Jharkhand im Nordosten des Landes noch immer in Armut. Der Zugang zu Grundbildung und Gesundheitsfürsorge ist ein zentrales Problem.

Laut Gesetz hat in Indien jedes Kind ein Anrecht auf kostenlose Schulbildung. Auch im Bereich der Gesundheitsfürsorge hat die indische Regierung Pläne verabschiedet, die einen verbesserten Zugang zu Gesundheitseinrichtungen besonders für Familien in ländlichen Gebieten vorsehen. An der Umsetzung dieser rechtlichen Rahmenbedingungen hapert es jedoch noch.

Bestehende Rechte einfordern

Um sicherzustellen, dass es nicht bei dürren Gesetzestexten bleibt, sondern sich die Gesundheits- und Bildungssituation in Jharkhand tatsächlich verbessert, haben die Menschen in den Dörfern Schul- und Gesundheitskomitees gegründet. Die Komitees sollen als Schnittstelle zwischen der lokalen Bevölkerung und den staatlichen Behörden dienen. Ihre Aufgabe besteht vor allem darin, die Umsetzung der vom Staat formulierten Zielvorstellungen zu überwachen. Darüber hinaus entwickeln sie auf Dorfebene Pläne, wie sich der Bedarf an Bildungs- und Gesundheitsangeboten in ihrem direkten Umfeld am besten decken lassen könnte.

Fortbildung und Vernetzung für eigenverantwortliches Handeln

Mit diesen Aufgaben stehen die Dorfgemeinschaften in Jharkand vor einer großen Herausforderung. Oxfam unterstützt sie dabei, sich optimal auf ihre Aufgaben in den Schul- und Gesundheitskomitees vorzubereiten. Die Mitglieder der Komitees erhalten Fortbildungen, in denen sie sich über ihre Rolle gegenüber den staatlichen Behörden informieren und Techniken erlernen, wie sie die Umsetzung der Gesundheits- und Bildungspläne überwachen können.

Außerdem organisiert Oxfam Treffen von Schul- und Gesundheitskomitees aus verschiedenen Dörfern. So können sich die Mitglieder über ihre Arbeit austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Auch bei der Kontaktaufnahme mit den Schul- und Gesundheitsbehörden ist Oxfam behilflich, um den Komitees ihre Aufgabe als Schnittstelle zwischen den Dorfgemeinschaften und den staatlichen Einrichtungen zu erleichtern.

So ausgebildet, können die Menschen in Jharkand sich selbst für ihr Recht auf Bildung und Gesundheit einsetzen und die Verbesserung ihrer Lebenssituation in die Hand nehmen.