Umwelt- und Ressourcenschutz in der Provinz Süd-Kivu
Entwicklung geschieht in kleinen Schritten, die dann gemeinsam eine immer größere Wirkung entfalten. Nachdem der Bau von Energiespar-Herden schnelle Erfolge durch Brennholzeinsparung und geringere Feinstaubbelastung der Luft erzielte, widmet sich unsere kongolesische Partnerorganisation UGEAFI nun umfassender dem Schutz natürlicher Ressourcen und der Umwelt.
Auf dem Hochplateau von Minembwe verschärfen Abholzung und der hohe Bedarf an Brennholz die Erosion. Das führt zum Abrutschen der fruchtbaren Erde von den Hängen in die Täler. Die begonnene Wiederaufforstung ist ein erster Schritt, um der Erosion Einhalt zu gebieten, doch sie muss noch intensiver erfolgen, um den natürlichen Lebensraum auf dem Hochplateau zu erhalten.
Werden Bäume gefällt, sinkt der Grundwasserspiegel und es kommt nicht nur zu Erosion, Abnahme der Bodenqualität, der biologischen Vielfalt, zu Brennstoffmangel und weiterer unkontrollierter Abholzung, sondern auch zur Gefährdung der natürlichen Ressource Wasser. Deren Verknappung hat wiederum negative Auswirkungen auf die Bevölkerung: Die Wassersuche wird zeitaufwendiger, was vor allen Dingen das Arbeits- und Zeitpensum für Frauen erhöht. Gleichzeitig bedeutet weniger Wasser in mangelnder Trinkwasserqualität eine Gefährdung des Gesundheitszustandes der ländlichen Bevölkerung.
Auf dem Hochplateau gibt es rund 250 Quellen, von denen nur 50 eingefasst sind. Doch unkontrollierte Wasserläufe und traditionelle Praktiken der Wassergewinnung tragen zur Erosion bei. Und der Grundwasserspiegel sinkt, wenn Quellen aufgrund von Entwaldung versiegen.
Ein integriertes Ressourcenschutzprogramm mit den Komponenten
Bau von 2.000 Energiespar-Herden
Wiederaufforstung mit 200.000 Baumsetzlingen unterschiedlicher Arten
Beratung und Aufklärung der Bevölkerung in Bezug auf Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen
Einfassung von 200 Quellen zur Trinkwassergewinnung
Ausbildung von Herdsetzer/innen, Brunnenbauern und Stärkung von Dorfkomitees
zum Schutz der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden und Wald leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Gesundheitsbedingungen der Bevölkerung von Minembwe, sondern setzt ein wichtiges Zeichen zur Erholung der vorhandenen Ressourcen.
Oxfam Deutschland e.V. und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ fördern das Programm.
Infos und Bilder zu Oxfams Projekt zu Energiesparherden
Infos und Bilder zu Oxfams Baumschulen-Projekt
Partizipation - Infos und Bilder zu Oxfams Projekt im Kongo
Energiespar-Herde und Wiederaufforstung in Minembwe 2007 bis 2011
Was können Frauen tun, um auf Suche nach Feuerholz nicht ständig in Gefahr zu sein? Und woher sollen sie das Holz nehmen, wenn kaum noch Bäume stehen?
Das sind einige der Fragen, vor denen Frauen und Mädchen auf dem schwer zugänglichen Minembwe-Hochplateau Tag für Tag stehen. In der von kriegerischen Konflikten geprägten Region Süd-Kivu kommt es immer wieder zu Vergewaltigungen. Die Frauen haben Angst, sich von ihren Gehöften zu entfernen. Doch Holz ist die einzige Energiequelle und die Wege werden wegen zunehmender Rodung immer länger.
In ihrer Not wandten sich die Frauen an Gudile Nasine, die Frauenbeauftragte von UGEAFI, unserer kongolesischer Partnerorganisation. Gemeinsam mit ihr planten sie den Bau von Energiespar-Herden. Mit Erfolg:
der Holzverbrauch ist stark gesunken
die Frauen müssen seltener auf Holzsuche gehen
Mädchen haben mehr Zeit für die Schule
Gleichzeitig legt UGEAFI Baumschulen an. Weniger CO2-Ausstoß dank geringerem Feuerholzbedarf sowie Wiederaufforstung leisten auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz
03 | September | 2011
Projektauswertung
Oxfam und seine kongolesische Partnerorganisation UGEAFI wollten wissen, wie sich Energiespar-Herde auf die Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen in Minembwe konkret auswirken. Deshalb hat ein externes Gutachterteam die bislang durchgeführten drei Phasen des Projektes im Juni 2011 ausgewertet.
Ein besonderes Highlight der Kooperation von UGEAFI und Oxfam Deutschland fand im Februar statt: Gudile Nasine besuchte Oxfam Deutschland in Berlin. Die Frauenbeauftragte unserer Partnerorganisation UGEAFI reiste zum ersten Mal in den kalten Norden.
Trotz ungewohnter Temperaturen verbrachte sie eine Woche intensiver Zusammenarbeit mit den Oxfam Projekt-Mitarbeiter/innen. Unter anderem wurde wegen des großen Erfolges die Ausweitung des Projektes geplant: In Zukunft sollen auch die Menschen auf dem Mittleren Plateau im Süd-Kivu Energiespar-Herde und Baumsetzlinge erhalten.
Gudile Nasine Namariza zeigte sich im Oxfam-Shop Schönhauser Allee tief beeindruckt: „Ich freue mich sehr, dass sich Menschen durch ihre ehrenamtliche Arbeit und durch Sachspenden gegen Armut einsetzen.“
Für Befürworter/innen von Solarherden: Eine prima Sache, doch keine angepasste Technologie für das Hochplateau. Preis, Transport und Instandhaltung sprechen für die lokale Produktion der Herde. Solarherde würden zudem Menschen auf dem Hochplateau im krisengeschüttelten Ost-Kongo dem Risiko weiterer Überfälle aussetzen.
Auch Parabolspiegelkocher sind hier nicht geeignet. Die Frauen auf dem Hochplateau kochen wegen der Regenfälle und der kühlen Nachtstunden drinnen, und der Herd wird auch als Heizquelle genutzt. Parabolspiegelkocher funktionieren jedoch nur draußen, mit direkter Sonneneinstrahlung.
Unsere Partnerorganisation UGEAFI (Union des groupes d’études et d’actions pour le développement de Fizi-Itombwe) arbeitet in der Provinz Süd-Kivu, im Osten der Demokratischen Republik Kongo.