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Mali: Klar und deutlich über weibliche Beschneidung informieren
Weibliche Beschneidung (FGM) ist in den meisten Regionen Malis immer noch an der Tagesordnung. Unsere beiden lokalen Partnerorganisationen, Tagné und APSEF, leisten Überzeugungsarbeit gegen diese tief verwurzelte Tradition. Denn die Folgen für die Gesundheit und das psychische Wohlergehen der betroffenen Frauen sind gravierend.
In Mali sind 92% der Mädchen und Frauen beschnitten. Weltweit sind 130 Millionen Frauen von weiblicher Beschneidung betroffen, 2 Millionen kommen jährlich hinzu. In Kati, einer Kleinstadt in der Nähe der Hauptstadt Bamako, klärt unsere lokale Partnerorganisation Tagnè über weibliche Beschneidung auf. Seit über 10 Jahren engagiert sich unsere Partnerorganisation Tagnè in Kati und Umgebung gegen die traditionelle Praxis, die fest in der Bevölkerung verankert ist. Die Organisation besteht aus Frauen, die aus eigener Erfahrung wissen, wie negativ sich die weibliche Beschneidung auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirkt.
Es ist ein langwieriger Prozess, dem sich die mutigen Frauen verschrieben haben. Tagnè ist die einzige Organisation vor Ort, die sich um Betroffene kümmert und die Bevölkerung in mühevoller Kleinarbeit schrittweise davon überzeugt, die jahrhundertealte Tradition aufzugeben.
Lektion 1: Anatomie
„Unsere Arbeit beginnt damit, dass man den Leuten erklären muss, wie der menschliche Körper aussieht und funktioniert. Die Anatomie des weiblichen Körpers ist den meisten unbekannt. Danach sprechen wir über die Konsequenzen der Beschneidung. Wenn wir das dann auch anhand von einem Modell zeigen und mit Bildern erläutern, wirkt diese Anschaulichkeit in aller Regel überzeugend.“
Tagnè wendet sich mit öffentlichen Diskussionsveranstaltungen, Radiosendungen und Filmvorführungen an die breite Öffentlichkeit, versucht aber vor allem auch, wichtige Entscheidungsträger und Multiplikator/innen als Mitstreiter/innen zu gewinnen.
Die Anschauungen verändern sich, man muss in die Zukunft schauen. Zu viele Frauen sterben bei den Geburten. Man muss sich für das Leben einsetzen.
Amadi Moro Keita
Muslimischer Geistlicher
Für Lehrer/innen, traditionelle Geschichtenerzähler, Gesundheitspersonal und religiöse Würdenträger werden Fortbildungen organisiert. Mit dem aktuellen Projekt will Tagnè auch Journalisten und Uniformträger – Polizisten, Beamte und Militärs – erreichen, die bei der Meinungsbildung eine wichtige Rolle spielen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Schulkindern und Jugendlichen, die das Thema mit Theatersketchen und in Schreibwettbewerben aufgreifen.
Langsames Umdenken
Die beharrliche Aufklärungsarbeit von Tagnè zeigt erste Erfolge: Der Bürgermeister, das Klinikpersonal und das Zentrum für Lehrerfortbildung stehen hinter ihnen. In zwei der 19 Stadtviertel von Kati wurde die weibliche Beschneidung aufgegeben. Sogar bei den religiösen Würdenträgern setzt langsam ein Umdenken ein. Amadi Moro Keita, ein muslimischer Geistlicher, sagt:
„Die Anschauungen verändern sich, man muss in die Zukunft schauen. Zu viele Frauen sterben bei den Geburten. Man muss sich für das Leben einsetzen.“
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