Die wirtschaftliche Lage in Simbabwe ist katastrophal. Deshalb unterstützen wir HIV-infizierte Menschen nicht nur durch Pflege und Beratung, sondern auch bei der Schaffung von Lebensgrundlagen.
Gemeinsam fördern Oxfam Kanada, Oxfam Australien, Oxfam Irland und Oxfam Deutschland lokale Initiativen, die in drei Regionen Simbabwes für die HIV-Prävention und die Verbesserung der Lebensbedingungen von HIV-Infizierten und ihren Familien arbeiten.
Angesichts der bitteren Armut in Simbabwe sind jedoch weitergreifende Ansätze notwenig. COGENHA, das gemeinsame Oxfam HIV/Aids-, Gender- und Existenzgrundlagen-Programm, unterstützt daher auch die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten und die Verbesserung der Ernährungssicherheit:
Ausbildung schafft neue Perspektiven
Gemüse- und Kräutergärten werden angelegt
gemeinsam bewirtschaften die Menschen Felder
neue Bewässerungssysteme verbessern die Erträge
Viehzucht sichert den Lebensunterhalt
Die landwirtschaftliche Komponente ist ein wichtiger Schritt der Hilfe zur Selbsthilfe in einem Umfeld, das zur Zeit wenig Alternativen bietet.Reinhild Schumacher, Projekt-Referentin von Oxfam Deutschland, nach ihrem Besuch bei Partnerorganisationen im Matabeleland.
Im Januar war Benny Mushowo zu Besuch in Berlin. Benny ist der Programm-Manager des gemeinsamen Oxfam HIV/Aids, Geschlechtergerechtigkeit und Einkommensförderungsprogramms COGENHA in Simbabwe.
Die ungewohnt eisige Kälte konnte ihn nicht von einem Besuch im Oxfam-Shop in der Schönhauser Allee abhalten, wo ihn schon Shop-Leiterin Karin Manzel erwartete. Die Shop-Mitarbeiterinnen und Benny nutzten inmitten des Lagerraums die Möglichkeit zum Kennenlernen. Das Engagement von Freiwilligen ist sowohl in den Oxfam-Shops als auch in Simbabwe ein Pfeiler der Arbeit und lieferte Gesprächsstoff über die jeweiligen Arbeitsfelder in Nord und Süd „Ich finde das Engagement und die Motivation der Shop-Mitarbeiterinnen für unsere Projekte unglaublich beeindruckend“, meinte Benny anschließend. Abrunden konnte Benny seine Eindrücke in Berlin durch den Besuch eines Hospizes für Menschen, die an den Folgen von Aids erkrankt sind.
Seit 2005 engagiert sich die Schauspielerin Heike Makatsch als Botschafterin für Oxfam Deutschland. Nachdem sie bereits 2006 mit Oxfam nach Ghana gereist war, hat sie 2011 Projekte zur HIV-Prävention und zur Unterstützung von Aids-Patient/innen in Simbabwe besucht.
Was hast Du Dir von der Reise versprochen?
Ich wollte direkt vor Ort sehen, wie Oxfam arbeitet. Aber vor allem hat mich der Alltag der Menschen in Simbabwe interessiert: Welche Hindernisse im Kampf gegen die Armut gilt es zu überwinden und wie können wir sie dabei unterstützen?
Zum Beispiel gibt es sogenannte home-based carers, die von Oxfams Partnerorganisationen ausgebildet werden. Sie versorgen jede Woche sechs, sieben Aids-Patientinnen oder Patienten. Sie erinnern die Kranken daran, ihre Tabletten zu nehmen, überwachen den Krankheitsverlauf und geben ihnen das Gefühl, nicht allein zu sein. Und dann geht es natürlich darum, weitere Ansteckungen mit HIV zu verhindern. Dazu muss sich das sexuelle Verhalten verändern, es muss völlig klar sein: Ohne Kondom schläft man nicht miteinander. Das zu vermitteln, ist eine unglaublich schwierige Aufgabe, weil man gegen die Tradition und die Kultur angeht.
Beim Stichwort Kondombenutzung sind wir schnell bei der Rolle der Frauen. Wie schätzt Du ihre Situation ein?
Man hat das Gefühl, dass die Frauen hier den Laden ganz alleine schmeißen. Sie ziehen die Kinder auf, waschen, kochen, schleppen Wasser über zig Kilometer. Ich hatte sehr stark den Eindruck, dass die Frauen sich nicht mehr damit abfinden wollen, dass die Männer das alleinige Sagen haben. Die Frauen rütteln an ihren Männern, dass sie endlich Verantwortung übernehmen, auch im sexuellen Verhalten, um HIV vorzubeugen.
In einer Schule haben wir Jugendliche kennengelernt, die sich als Peer Educators engagieren. Sie versuchen, HIV und Aids zu enttabuisieren und andere darüber aufzuklären. Ist diese Generationen ein Hoffnungsträger?
Absolut, aber nicht nur, weil sich die jungen Leute über die Folgen von HIV und Aids bewusst sind, sondern weil sie wissbegierig sind. So sehr, dass sie sogar 15 Kilometer in die nächste Schule laufen. Gerade für die Mädchen ist das ein großer Schritt: Sie werden oft zuhause behalten, damit sie im Haushalt helfen – und weil das Geld, wenn überhaupt, nur für die Schulgebühren der Jungen reicht. Die Jugendlichen, die ich getroffen habe, schienen sehr selbstbewusst und durchaus imstande, in ihren Dörfern Veränderungen einzuläuten.
Mich persönlich haben die Kinder besonders berührt. Sie spiegeln die Ausgeliefertheit derer wider, die in eine schwierige Lage hineingeboren werden, und gleichzeitig sieht man in diesen Kindern auch den Grund, warum eine Zukunft geschaffen werden muss für dieses Land. Daneben hat mich beeindruckt, wie ein soziales Netz rund um die Aids-Kranken und HIV-Infizierten gesponnen wird, wie die Kranken entstigmatisiert werden. Und ich glaube, dass der Ansatz von Oxfam genau richtig ist, als Vervielfältiger zu wirken: NGOs vor Ort zu unterstützen, die sich im Land bestens auskennen und genau wissen, was gebraucht wird.
Was hast Du von dieser Reise mit zurück genommen?
Vielleicht klingt es abgeschmackt, aber ich komme mit einer großen Portion Demut zurück und dem Gefühl, dass man in einer privilegierten Position ist, die einen dazu veranlassen sollte, zu geben, zu geben, zu geben. Und diese Hinwendung der Mütter zu ihren Kindern, wie sie für deren Bildung kämpfen. Auch das nehme ich mit: Dass Bildung das Wichtigste ist, um die Armut zu überwinden.
Du bist Oxfam-Botschafterin. Hast Du das Gefühl, Du kannst durch Deine Reise Oxfams Anliegen jetzt besser in die Öffentlichkeit tragen?
Ich fühle mich emotional untermauert. Aus einem abstrakten Anliegen, dass es allen Menschen gleich gut gehen sollte, wird ein persönliches. Und diesen Wunsch, dass es den Menschen besser gehen MUSS, den kann ich nun sehr viel besser erklären und verteidigen.
Eine der Partnerorganisationen innerhalb des COGENHA Programms ist Bethany Trust, die sich in den Midlands in Simbabwe um durch Armut gefährdete Kinder und Waisen kümmert. Lebensmittelpakete und Unterstützung bei der Feldbestellung sowie der Verteilung von Hühnern und Ziegen erleichtern den Alltag der Kinder und Jugendlichen, wie z.B. Priscilla M.
Padare ist eine weitere Partnerorganisation innerhalb des COGENHA Programms. Die Mitarbeiter/innen von Padare gehen Fragen nach Maskulinität, Rollenverständnis und der Beendigung von Gewalt gegen Frauen nach. Herr Kazembe erzählt seine Geschichte.
Fallstudie: Pflege positiv! Erleichterung der häuslichen Pflege im ländlichen Simbabwe
Diese Fallstudie beschäftigt sich mit der Arbeit zweier Pflegedienste, die durch das gemeinsame Oxfam HIV/Aids-Programm unterstützt werden. Die Studie geht der Frage nach, wie Menschen, die an den Folgen von Aids erkrankt sind, in ihrem häuslichen Umfeld im ländlichen Simbabwe erfolgreich gepflegt werden können.