1 Jahr Rohingya-Flüchtlingshilfe

5 Dinge, die ich als humanitäre Helferin gelernt habe

Vom Biotech-Labor ins Flüchtlingscamp: Auf dem Höhepunkt der Rohingya-Krise verlässt die 28-jährige Iffat Tahmid Fatema die Universität – sie beschließt, humanitäre Hilfe zu leisten und Flüchtlinge in den Camps im Bereich Gesundheit und Hygiene zu beraten. Im Blog beschreibt sie ihre Erfahrungen.
Von Iffat Tahmid Fatema
Iffat Tahmid Fatema steht neben einer solarbetriebenen Straßenlaterne in einem Camp

Als ich letztes Jahr bei Oxfam anfing, war die Rohingya-Krise gerade auf ihrem Höhepunkt, täglich trafen viele Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch ein. Ich arbeitete damals in einem Labor an der Asian University for Women in Chittagong, wo ich meinen Master in Biotechnologie anstrebte, aber ich wusste, dass ich im direkten Kontakt mit Menschen arbeiten wollte. Was mit den Rohingya passierte, hat mich wirklich erschüttert. Ich hatte noch nie Menschen gesehen, die mit so wenig leben. Es tat mir richtig weh.

Jetzt berate ich die Rohingya-Flüchtlinge, die im Camp in Cox's Bazar leben, im Bereich Gesundheit und Hygiene, um ihnen zu helfen, gesund zu bleiben und um einen schweren Ausbruch von Krankheiten zu verhindern. Wir besprechen, wie wichtig Sauberkeit und Körperpflege sind, z. B. das Händewaschen mit Seife nach dem Toilettengang und vor dem Essen. Wir arbeiten mit Freiwilligen aus der Rohingya-Gemeinschaft zusammen und bilden sie aus, damit sie andere Flüchtlinge beraten und die Botschaften über gute Hygiene weiterverbreiten können. Das Oxfam-Team hat bisher mehr als 11.000 Menschen in den Camps erreicht.

1. Mach dir bewusst, was dich motiviert

In diesem Beruf brauchst du Elan, gute Kommunikationsfähigkeiten und Eigeninitiative. Wenn es extrem heiß ist, stark regnet oder du müde bist, hast du vielleicht keine Lust mehr, einen weiteren langen Tag in den Camps zu verbringen. Aber dann denkst du an die Flüchtlinge und daran, dass du für sie arbeitest – das motiviert dich, weiterzumachen.

Iffat Tahmid Fatema hört zu, während ihr Kinder in einem Zelt etwas erzählen
Asia Bibi (Name geändert) und ihre Kinder flohen aus Myanmar, als ihr Dorf angegriffen wurde. Sie versteckten sich in den Bergen und überlebten wochenlang in einer Höhle, bevor sie es schließlich bis zum Camp in Bangladesch schafften. Hier erhalten sie Unterstützung von Oxfam.

2. Baue Vertrauen auf

Bei humanitärer Arbeit geht es auch darum, Vertrauen aufzubauen. Man muss für lokale Kultur und Traditionen sensibel sein. Du musst auch in der Lage sein, mit verschiedenen Gruppen von Menschen auf unterschiedliche Weise zu sprechen, mit Kindern, mit älteren Menschen, mit Imamen. Und du musst gut beobachten können, um zu verstehen, wie die Leute denken.

Iffat Tahmid Fatema trainiert Freiwillige in einem Flüchtlingscamp
Wir arbeiten mit Freiwilligen aus der Rohingya-Gemeinschaft zusammen und bilden sie aus, damit sie andere Flüchtlinge beraten und die Botschaften über gute Hygiene weiterverbreiten können.

3. Sprich ihre Sprache

Manchmal können sich die Flüchtlinge mit jemandem unwohl fühlen, der nicht wie sie ist, also hilft es, dass ich eine ähnliche Sprache spreche. Aber die Sprache ist auch die größte Herausforderung, denn die regionale Sprache, die ich spreche, Chittagonisch, deckt sich nur zu etwa 70 Prozent mit Rohingya. Oxfam hat mit Translators Without Borders zusammengearbeitet, um eine neue Übersetzungs-App in Englisch, Bengalisch und Rohingya zu entwickeln, die auch spezielles Vokabular über Gesundheit und Hygiene enthält – das wird eine große Hilfe sein.

Iffat Tahmid Fatema trainiert Freiwillige in einem Flüchtlingscamp
Manchmal können sich die Flüchtlinge mit jemandem unwohl fühlen, der nicht wie sie ist – es hilft, ihre Sprache zu sprechen.

4. Mach dich auf Herausforderungen gefasst

In den Monsunzeiten zu arbeiten, war extrem schwer, und es kann gefährlich sein. Wenn es stark regnet, verschlechtern sich die Bedingungen in den Camps sehr schnell. Du kannst im Schlamm versinken und deine Stiefel verlieren. Wenn du die Erdstufen hochsteigst, kann es passieren, dass alles zusammenbricht.

Iffat Tahmid Fatema steigt Treppenstufen in einem Camp hinab
Während der Monsunzeiten ist die Arbeit im Camp besonders schwer: Treppen wie diese verwandeln sich im Regen schnell zu Matsch.

5. Geduld ist eine Tugend

Das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist, höflich und geduldig zu sein – auch wenn ich Hunderte Male dasselbe wiederhole, z. B. wie man sich die Hände wäscht. Ich bin von Natur aus sehr ungeduldig, aber bei der Arbeit in den Camps habe ich gelernt, diese Ungeduld in den Griff zu kriegen.

Iffat Tahmid Fatema trainiert Freiwillige in einem Flüchtlingscamp
Manchmal ist es schwer, höflich und geduldig zu sein – aber es zahlt sich aus.

Der befriedigendste Teil meiner Arbeit war es, von Flüchtlingen zu hören, was die Unterstützung von Oxfam für sie bedeutet hat. Wir veranstalten regelmäßige Feedbackgruppen, in denen die Gemeinschaft uns konstruktive Rückmeldungen geben kann. Kürzlich sagte mir ein Großvater: „Wir freuen uns, dass Sie kommen und uns zuhören. Danke für die Arbeit, die Sie leisten.“ Das hat mich sehr glücklich gemacht.

Iffat Tahmid Fatema, 28, ist im Rahmen von Oxfams Rohingya-Flüchtlingshilfe in Bangladesch für öffentliche Gesundheit zuständig.

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Mitglieder des Frauen-Clubs ADDA in der Stadt Char Saydabad in der Region Shirajganj in Bangladesch.

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