Der bevorstehende Monsunregen hängt drohend über den Rohingya-Flüchtlingscamps in Bangladesch, und zweifellos stehen den Menschen dort harte Zeiten bevor. Ich habe gerade drei Wochen für Oxfams Rohingya-Krisenreaktionsteam in der Provinz Cox's Bazar gearbeitet, und ein Moment ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Im strömenden Regen stand ich in dem unfassbar großen Camp, und überall, wo ich hinsah, waren baufällige Unterstände aus Bambus und Planen zu sehen.

Jung und Alt versuchte, Schutz vor dem Regen zu finden, während sich schnell große Pfützen auf der schmalen Backsteinstraße bildeten und das Wasser über sandige Hügelpfade lief. Als ich versuchte, Fotos von einem Brunnen zu machen, den Oxfam bohrte, um die Menschen mit sauberem Wasser zu versorgen, boten mir mehrere Rohingya-Flüchtlinge ihre Hilfe an. Ich sollte mit in ihre Unterkünfte kommen, um trocken zu bleiben; andere brachten mir ihre Regenschirme. Das war die Freundlichkeit von Menschen, die unvorstellbares Grauen ertragen mussten, das sie aus Myanmar in das benachbarte Bangladesch trieb.

Alle paar Tage ein heftiger Sturm

Zurzeit herrscht der sogenannte Vormonsunregen, in dem alle paar Tage ein heftiger Sturm aufzieht und für etwa eine Stunde in dem Camp wütet. Dieser Regen ist mit nichts vergleichbar, was ich bislang kannte. Das niederprasselnde Wasser hat eine fast körperliche Qualität, und der Regen kann so schwer sein, dass man Schwierigkeiten hat, die andere Straßenseite zu sehen.

Durch die Stürme werden häufig Bäume umgeworfen, und beinahe sofort bilden sich überall riesige Pfützen, wodurch Autos und Lastwagen nur noch schwer auf den sandigen Backsteinstraßen vorankommen. Es wird geschätzt, dass alleine im größten Rohingya-Flüchtlingscamp mehr als 600.000 Menschen leben – eine Bevölkerung so groß wie etwa Düsseldorf.

Das bange Warten auf den Monsun

Wie sich dann erst der richtige Monsun auf so viele Menschen auswirken wird, die in solch schwierigen Lebensumständen stecken, bewegt zurzeit die Entwicklungshelfer/innen. Daher war ich beeindruckt von der Art und Weise, mit der die Flüchtlinge in einer scheinbar hoffnungslosen Situation dennoch Hoffnung finden konnten.

Den Rohingya wird die Staatsbürgerschaft in ihrem Heimatland verweigert – sie haben das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören und nirgendwo mehr zu Hause zu sein. Niemand weiß, was die Zukunft für sie bringt. Sie warten auf den Monsunregen, der Überschwemmungen, Erdrutsche und wahrscheinlich auch lebensgefährliche, durch verunreinigtes Wasser übertragene Krankheiten bringen wird. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bis zu 200.000 Menschen in den Camps davon bedroht.

Rohingya als freiwillige Helfer/innen

Aber die Menschen, denen ich begegnete, waren nicht hoffnungslos oder verzweifelt. Im Gegenteil – sie arbeiteten hart, um ihre Unterkünfte stärker zu befestigen und sich auf den bevorstehenden Starkregen vorzubereiten. Zudem meldeten sich viele freiwillig für Organisationen wie Oxfam, um als kommunale Gesundheitsausbilder zu arbeiten.

Eine dieser Freiwilligen war die 18-jährige Ayesha*. Sie floh mit ihrer Mutter und drei Geschwistern nach Bangladesch, nachdem ihr Vater bei den Gewalttaten in Myanmar ums Leben kam. Sie brauchten fast fünf Tage, um mit dem Boot und zu Fuß nach Bangladesch zu kommen.

Gute Hygiene für ein gutes Leben

Ohne Vater oder Ehemann ist das Leben in den Camps hart – Frauen können bei Hilfsverteilungen übergangen oder ausgeschlossen werden. Für junge Frauen ist es schwierig, alleine auszugehen. Ayesha hat sich jedoch nicht entmutigen lassen. Sie meldete sich als Freiwillige und führt jetzt gemeinschaftliche Gesundheitstrainings mit ihren Nachbar/innen und anderen Frauen durch.

Sie sagte mir: „Jetzt arbeite ich als Oxfam-Freiwillige, ich informiere Menschen zum Thema Hygiene und sage Leuten, was man tun muss, um trotz allem ein möglichst gutes Leben zu führen. Ich fühle mich damit gut.“

*Name auf Wunsch geändert.

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