Wir haben lange auf ihn warten müssen: endlich ist er da, es ist Frühling – blühende Bäume, Blüten in  den schönsten Farben. Und damit auch raus aus den düsteren Winterklamotten und rein in frische, farbige Sachen. Doch trotz eines vollen Kleiderschrankes hat man das Gefühl, dass Neues gebraucht wird.

In Berlin strömen deshalb jeden Tag unzählige Männer und Frauen mit prall gefüllten Tüten durch die Stadt– der Kaufrausch angesagter Billigketten trägt Früchte: „Zehn T-Shirts für zwanzig Euro“– „Tolle Schnäppchen“ und vieles mehr wird versprochen und auch gehalten. Die Preise vieler Textilien befinden sich im freien Fall nach unten. Und das ist ein Problem: weil das Leben kostet und Armut verschärft. Abgesehen davon, dass die Billig-Textilien oft nach der ersten Wäsche aus der Form geraten und damit nichts für einen zweiten Frühling sind.

In Dhaka (Bangladesch) ist letzte Woche ein Hochhaus zusammengestürzt, in dem mehrere Textilfirmen mit insgesamt 5.000 Beschäftigten untergebracht waren. Firmen, die auch für die in Deutschland vertretenen Billig-Ketten wie Primark produzieren. Über 300 Menschen sind bereits tot geborgen, Hunderte Verletzte in den Krankenhäusern. Verzweifelte Angehörige warten vor dem riesigen Trümmerhaufen auf Nachrichten.

Eine Sperrung des Gebäudes durch die Behörden war von den Textilproduzenten, die ihre Ware auch im Auftrag von in Deutschland vertretenen Handelsketten herstellen, ignoriert worden. Um bereits beim Bau zu sparen, sei minderwertiges Material verwendet worden, heißt es. Damit das ganze Vorhaben für den Besitzer noch lukrativer wurde, seien mehrere  Stockwerke illegal auf das ursprünglich maximal zweigeschossige Gebäude aufgesetzt worden. So konnten noch mehr Textilfirmen im sogenannten Rana Plaza untergebracht werden. Leider musste ich bereits Ende letzten Jahres bei meinem Besuch in Bangladesch feststellen, dass solche Verstöße gegen die Bauordnung nicht selten sind. Und das System auf politischer wie zivilgesellschaftlicher Seite noch nicht stark genug ist, um sich gegen verselbständigte und eigenmächtige Handhabe zu wehren.

Doch die Textilbranche bietet nicht nur in Bangladesch sondern weltweit keine guten Arbeitsbedingungen. Die Aufträge gehen an diejenigen, die den niedrigsten Produktionspreis ausweisen können – anders ist der Endpreis von nur wenigen Euro nicht zu halten. Doch wenn Baumwolle, Maschinen, Wasser und Elektrizität ihre festen Preise haben, müssen es Löhne und unmenschliche Arbeitsbedingungen sein, die solche Dumping-Angebote ermöglichen. Es heißt, das Gebäude habe vor dem Einsturz tiefe Risse gezeigt. Trotzdem hätten die Arbeiterinnen ihre Arbeit in dem Haus fortsetzen müssen, sonst wäre ihnen der Lohn um drei Tage gekürzt worden. Und das bei einem Monatslohn von 30 Euro. Wenn das die Bedingungen sind, zu denen unsere Schnäppchen hergestellt werden, kann keine Freude aufkommen - trotz bunter Farben.

Und was tut Oxfam Deutschland? Wir befassen uns mit dem Thema Arbeitsrechte, wobei unser Schwerpunkt in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion liegt, nicht in der Textilproduktion. Doch über das Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen sind wir mit  kompetenten Partnerorganisationen wie Inkota und der Kampagne für Saubere Kleidung, die sich besonders dem Textilthema widmen, eng verbunden.

Und wer sich der Billig-Ware verweigern möchte oder einfach Spaß an Vintage Sachen hat, für den lohnt sich der Blick in einen der 43 Oxfam-Shops. Dort gibt es sehr gut erhaltene, gebrauchte Kleidung (und mehr!)- und das Beste: mit den Überschüssen wird ein Teil der Arbeit von Oxfam Deutschland finanziert. Frühling gibt es auch da.

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