Anfang nächster Woche findet am 6. und 7. Mai  zum vierten Mal die NGO-Fachkonferenz zu Online-Campaigning “re:campaign – die besten Kampagnen im Netz” in Berlin statt. Das "Klassentreffen" des digital-sozialen Sektors konzentriert sich diesmal auf die Frage, wie Online-Kommunikation zu mehr politischer Mitbestimmung führen kann. Im Vorfeld konnte ich den Paten der Veranstaltung besuchen: das eCampaigning Forum (ECF) in Oxford. Worüber reden die britischen (Online)-Campaigner/innen bei ihrem „Klassentreffen“? Ein Blick ins Twitterbuch gibt Auskunft. Meine persönlichen Highlights anbei.

Amelia Showalter, Director of Analytics der Obama for America- Kampagne, zeigte, welche zentrale Rolle die systematische Datenauswertung von Online-Fundraising und -Campaigning für die Wiederwahl von US-Präsident Obama gespielt hat. Konkret hieß das beispielswiese, dass von jeder E-Mail verschiedene Versionen mit unterschiedlicher Betreffzeile, Text und Tonalität auf ihre Attraktivität getestet wurden. Die Version, die die meisten Reaktionen auslöste, wurde im Anschluss an den gesamten Verteiler geschickt. Mit Erfolg: die Spenden-Einnahmen erhöhten sich erheblich. In einem Fall generierte die beste Variante 3,7 Millionen Dollar – die schlechteste Version hätte nur 1,5 Millionen Dollar erzielt. Die Präsentation findet Ihr hier.

Amelia Showalter betonte, dass Testen kein einmaliger Vorgang ist. Im Gegenteil: Es sollte als Prozess verstanden und immer wieder eingesetzt werden, denn auch erfahrene Campaigner/innen können nicht zuverlässig vorhersagen, was funktionieren wird. Lebhaft diskutiert wurde die Frage, wie sich eine Test-Kultur in Organisationen etablieren lässt.

Dass Aktivismus und Fundraising sich nicht ausschließen, ist für Hannah Lownsbrough, Campaigns Director  bei 38degrees, selbstverständlich. Sie argumentierte für einen integrierten Ansatz und ging bei der Gelegenheit auf derzeitige Trends im Fundraising ein. Eine erfolgreiche Aktion der australischen Organisation GetUp diente als Beispiel für einen sogenannten „hyper-responsive fundarising ask“: Der rechts-liberale australische Politiker Tony Abbott hatte auf eBay eine Surfstunde versteigert. GetUp mobilisierte daraufhin seine Unterstützer/innen und sammelte insgesamt 16.000 Dollar. Zur Surfstunde schickte GetUp Herrn Riz Walki, einen ehemaligen Asylanten, um mit Herrn Abbott über Einwanderungspolitik zu reden. Einen Artikel zum Thema gibt es hier.

Weitere wichtige Trends im Fundraising-Bereich sind für Hannah Lownsbrogh Mobile-Anwendungen und Mikrospenden von unterwegs. Ihr Tipp lautet, auf bekannte und vertraute Dienstleister zurückzugreifen, wie PayPal oder SmartDebit.

Greenpeace Ungarn empfiehlt, Facebook-Posts, die eine gute Resonanz erzielen, zusätzlich zu bewerben. So erzielte die Organisation mit 3.000 Euro über 47.000 likes und knapp 13.000 shares. Insgesamt erreichte das eine Posting zwei Millionen Menschen.  

Infografiken sind derzeit sehr beliebt bei Campaigner/innen. Eine Zusammenstellung von nützlichen Tools findet Ihr hier.

Die Session „The next big thing“ hat auf dem ECF Tradition. Diesmal reichten die Vorschläge von 3D-Printer über mobil gesteuerte Drohnen bis hin zu Internet-TV und dem Klassiker E-Mail. Hier eine umfassende Liste aller Tipps.

Kritisch hinterfragt wurde der Konsum, der mit den neuen Gadgets, v.a. SmartPhones und Pads einhergeht;  lobend erwähnt dagegen das Projekt Fair Phone, das bei der Produktion auf faire Arbeitsbedingungen und Umweltstandrads setzen will.

Vollständige Lister aller Beiträge auf dem ECF findet Ihr hier.

Sehen wir uns auf der re:campaign?

 

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