Familien in Simbabwe und ihr Kampf ums Überleben

Innocent Katsande arbeitet als Kommunikations-Koordinator für Oxfam in Simbabwe. Nach einer Regensaison, die eine gute Ernte versprach, reiste er in die ländliche Provinz Masvingo. Er hatte Menschen erwartet, die genug zu essen haben, um ihre Familien zu versorgen. Stattdessen stieß er auf Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Er begleitete einige Familien, um zu verstehen, wie sie überleben.
Von Innocent Katsande
Patricia Tavaruva aus Masvingo, Simbabwe
Patricia Tavaruva aus Masvingo, Simbabwe

Bevor ich die Gemeinschaften besuche, in denen Oxfam arbeitet, weiß ich nie, was mich erwartet. Jedes Mal treffe ich unterschiedliche Leute in unterschiedlichen Lebenslagen, die unterschiedliche Erfahrungen machen.

Die letzte Reise, die ich nach Masvingo unternommen habe, war besonders einzigartig. Obwohl einige Landesteile in Simbabwe aufgrund der regenreichen Saison eine gute Ernte verzeichneten, fand ich in Masvingo Familien und Gemeinschaften vor, die noch immer ohne Ernte dastehen.

Steigende Ernährungsunsicherheit

Laut dem 2017 Rural Livelihoods Assessment Report soll die Ernährungsunsicherheit im ländlichen Raum bis zum Höhepunkt der Hungerzeit von Januar bis März 2018 auf 11 Prozent steigen. Von April bis Mai 2017 lag sie noch bei geschätzt einem Prozent.

In Anbetracht der Tatsache, dass Familien trotz guter Regenzeit von Hunger bedroht sind, habe ich einige Familien begleitet, um zu verstehen, wie sie überleben.

Familien kämpfen ums Überleben

Ich traf Liliosa Masora, eine 17-jährige Mutter, die sich um ihr Kind und ihre 14-jährige Schwester Letwin kümmern muss.

Auf dem Weg dorthin machte ich mir Gedanken über meine Erwartungen. Ich wollte eine Erfolgsgeschichte dokumentieren – eine Geschichte, in der ich darüber berichte, wie sie erntete und genug Essen für die Familie hatte. Stattdessen bin ich auf eine Szene voller Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung gestoßen.

Die 17-jährige Liliosa hält ihr Kind auf dem Arm
Die 17-jährige Liliosa hält ihr Kind auf dem Arm

Mir wurde klar, dass in den meisten ländlichen Gegenden Hunger und Armut echte Probleme darstellen und dass es viele Familien wie die von Liliosa gibt, die ums Überleben kämpfen.

Ich lernte Lucius und Preserve Dewa kennen – ein junges Paar voller Energie und Antrieb, das allerdings in einer sehr schwierigen und lebensfeindlichen Umgebung lebt.

Ihr Feld, das als Haupteinnahmequelle dient, wurde in der letzten Saison überflutet. Sie konnten nichts ernten und bemühen sich nun mit Hilfe von Gelegenheitsarbeit ihr Kind über die Runden zu bringen und Essen zu kaufen.

Lucius Dewa und Preserve Dewa aus Simbabwe
Lucius Dewa und Preserve Dewa

Ich bin auf Patricia Tavaruva gestoßen – eine Frau, die immer lächelt. Sie nahm mich mit zu einem Bohrloch, das von Oxfam in einem Gebiet gebohrt wurde, das jahrelang ausgedörrt war. „Früher tranken wir Wasser, das wir aus einem ausgetrockneten Flussbett geschaufelt hatten“, sprach sie, als sie sich an die schweren Zeiten erinnerte, die sie ertragen musste.

Patricia erzählte mir, dass sie sechs Kilometer laufen musste, um Wasser zu holen. „Die Suche nach sauberem Wasser wurde für uns zu einem Vollzeitjob. An dem Tag, an dem wir Wasser holten, hatten wir keine Zeit, auf dem Feld zu arbeiten oder etwas anderes zu tun“, berichtete sie.

Patricia Tavaruva aus Simbabwe an Wasserstelle
Patricia Tavaruva an einer von Oxfam gebohrten Wasserstelle

Dann traf ich auf eine Familie, die sichtlich in Not war: Fiona Alis Familie, die sich von den Überschwemmungen, von denen sie getroffen wurde, nicht erholte. Die vierköpfige Familie schläft in einem Zimmer; das gleiche Zimmer, in dem gekocht wird.

Ihre gesamte Ernte und ihr Haus wurden von den Fluten weggeschwemmt. Sie haben nichts zu essen. Truby Ali, Fionas Ehemann, geht es nicht gut. Zudem ist er arbeitslos. „Unser Leben war niemals schwieriger als jetzt“, flüsterte mir Fiona zu. Sie versuchte zu vermitteln, wie verzweifelt sie auf Hilfe angewiesen sind.

Von Hunger entkräftet: Für den Schulweg sind Fionas Kinder oft zu schwach

Florence Mahove war nicht zu Hause, als wir sie besuchen wollten. Wir warteten auf sie. Als uns die 71-jährige Großmutter aus der Ferne erkannte, konnte sie ihre Freunde nicht verstecken. Sie war sehr aufgeregt.  

„Ihr Leute habt uns vor dem Verderben bewahrt“, sagte sie. „Wäre Oxfam nicht gewesen, hätten wir vor Hunger sterben können“, sprach sie, als sie versuchte zu erklären, wieso sie so aufgeregt war.

Die 71-jährige Florence Mahove aus Simbabwe mit ihrem Ehemann
Die 71-jährige Florence Mahove mit ihrem Ehemann

Florence und ihr Ehemann leben derzeit alleine mit ihrem Enkelkind. Das Paar konnte lediglich 4 Säcke Mais ernten. Sie sagten, dass sie damit nicht lange auskommen würden. Sie sind sich nicht sicher, wie sie die Zeit bis zur nächsten Erntesaison überleben sollen. Die beiden sind in ihren Siebzigern und haben niemanden, an den sie sich wenden können.

Oxfam ist vor Ort

Oxfam ist vor Ort und leistet akute Nothilfe. Wir stellen vor allem Nahrungsmittel bereit, ermöglichen Zugang zu sauberem Wasser und unterstützen Familien finanziell, damit sie lebensnotwendige Dinge erwerben können.

Die Arbeit, die wir mit Oxfam machen, macht mich ehrfürchtig. Je mehr wir tun, was wir tun, desto mehr entdecken wir größere Bedürfnisse, die in den Gemeinschaften herrschen. All das entmutigt mich nicht; im Gegenteil, es motiviert mich so, dass ich am nächsten Morgen mit dem Ziel aufwache, eine weitere Familie zu unterstützen.

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