Das Erste, was mir beim diesjährigen G8-Gipfel ins Auge gefallen ist, war diese scheußliche Fototapete. Da verlegt man die Konferenz schon in ein abgelegenes Golfhotel in Nordirland und dann gibt es Stellungnahmen der Vertreter der acht mächtigsten Industrienationen der Nordhalbkugel vor einer Fototapete. Die Sicherheit scheint auf der grünen (nordirischen) Wiese draußen nicht immer gewährleistet zu sein. Daher die Tapete. Drinnen.

Aber sollte man dann nicht ganz auf diese Treffen verzichten? 48 Stunden, die die Steuerzahler Millionen kosten und deren Ergebnisse nicht gerade weltbewegend waren. Könnte man nicht eine schöne Skype-Konferenz stattdessen abhalten, also über eine Art Hochsicherheits-Skype, das selbst die US-Amerikaner nicht abhören könnten? 

Nein, trotz aller moderner Technik kommt es am Ende in der Diplomatie doch auf so etwas wie ein persönliches Verhältnis an. Die Vertreter/innen der mächtigsten Nationen der Erde tragen eine große Verantwortung zur Bekämpfung von globaler Armut und Ungerechtigkeit. Die Macht und die Mittel liegen zum großen Teil bei den sieben Herren und der Dame der Nordhalbkugel. Die Staats- und Regierungschefs und -chefinnen sollten sich kennen, sie sollten einander die Hände geschüttelt oder die Schultern geklopft haben. Sie müssen sich deshalb nicht mögen. Sieht man die versteinerten Mienen von Barack Obama und Wladimir Putin, so sieht das nicht nach Annäherung in der Syrien-Frage aus. Beide Spitzenpolitiker können sicher Lächeln oder ernste Mienen an- und abschalten, wie es gerade gebraucht wird. Doch nach so einer persönlichen Zusammenkunft und der Verhandlung Aug‘ in Aug‘ spiegelt der Gesichtsausdruck auch ein wenig, was wirklich stattgefunden hat. Dass es nun immerhin ein gemeinsames Bemühen um eine Syrien-Konferenz in Genf und damit um eine politische Lösung des Bürgerkrieges geben soll, ist ein erster Schritt, den Oxfam lobt.

Beim Thema Steueroasen und Transparenz hat die Gipfelteilnehmer dann ihr Mut verlassen. Am Vorabend des Gipfels war der größte Schritt verkündet worden, nämlich dass die Steueroasen im Einflussbereich der britischen Krone der Multilateral Convention on Mutual Administrative Assistance in Tax Matters beigetreten sind - einer Art Anti-Steueroasen-Konvention. Doch dann kamen nur noch Ankündigungen. Rainer Falk beschreibt es in seinem Blog sehr treffend: Das am häufigsten vorkommende Wort in der Abschluss-Deklaration ist das Wörtchen „should“ – sollte.

Kevin Watkins, Direktor des Overseas Development Institutes, nennt das G8-Kommuniqué eine Wunschliste.  Sie muss nun – über die G8 hinaus, im Rahmen der G20 und weltweit, konsequent abgearbeitet werden. Vor allem muss sich Deutschland endlich durchringen, der Einrichtung von öffentlichen Registern zum „beneficial ownership“ zuzustimmen. Das sind Listen, aus denen hervorgeht, wer eigentlich hinter Unternehmen, (Briefkasten)-Firmen, Stiftungen, Trustfonds usw., steht, wem sie wirklich gehören, wer davon profitiert. Bis zum G8-Gipfel 2015 in Deutschland sollte diese Hausaufgabe erledigt sein.

Wichtig ist außerdem, dass auch die armen Länder des Südens von der Transparenz nicht ausgenommen werden. Auch sie müssen Zugang zu diesen Informationen haben und zwar im Rahmen eines automatischen Informationsaustausches und nicht erst nach langen bürokratischen Anfragen.  Allein in den beiden Gipfeltagen sind den Entwicklungsländern durch Steueroasen 2,2 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen verloren gegangen. Noch bleiben diese Steueroasen ein dunkler Fleck – mit einem G8-Schnellwaschgang allein ist er nicht wegzubekommen.

Wir müssen darauf achten, dass den Ergebnissen des G8-Gipfels auch Taten folgen. Dass US-Präsident Obama in Berlin sein Sakko auszog, wie es „unter Freunden“ üblich sei, reicht noch nicht. Nun muss er mit den anderen sieben auch noch die Ärmel hochkrempeln und die Bekämpfung der globalen Armut in Angriff nehmen. Ich bin gespannt auf die Fototapete beim G20-Gipfel in Sankt Petersburg im September.

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