Blog zur Konferenz „Beyond Aid“ 20.-22. Februar 2014 in Frankfurt/Main (Teil 2)

Es kann keine positive Entwicklung geben, ohne dass die in Armut und Unterdrückung lebenden Menschen starke Akteure in diesem Prozess sind und nicht zu Objekten gemacht werden. Dass dies keinesfalls einfach ist, zeigten verschiedene Beispiele auf der spannenden Konferenz „Beyond Aid“.

Vom „Dilemma der Ergebnisorientierung“ sprach Lisa Herzog vom Frankfurter Institut für Sozialforschung auf dem Abschlusspodium. Die Anforderung an sehr detaillierte technokratische Berichterstattung wurde von vielen Süd-Gästen kritisiert und teils als eine Art neuer „Kolonialismus“ angesehen. Aufgrund meiner langjährigen Arbeit in einer kleinen lateinamerikanischen NGO kann ich das nachfühlen. Eine Fülle angeforderter Indikatoren stärkt manchmal mehr die Fantasie der Antragsteller, als dass sie die Realität vor Ort reflektieren würden. Vielfach werden ganze Agenden von außen gesetzt, jeder Geber verfügt über eigene Kriterien, die er einfordert, während er selbst teils willkürlich bei der Mittelausschüttung verfährt. Die Abrechnung muss trotzdem 100% den Vorgaben entsprechen. Und wenn man dann auf dringend nötige „Hilfe“ für die personelle Grundausstattung, bspw. für eine gute Finanzverwaltung, dringt, heißt es: Wir haben nur Gelder für dieses oder jenes Thema, nicht für institutionelle Förderung. Aber wollen wir grundsätzlich nicht die Ergebnisse und Wirkungen unserer Arbeit analysieren? Dies erscheint mir falsch und würde auch der Rechenschaftspflicht gegenüber unseren Unterstützer/innen und der Öffentlichkeit zuwiderlaufen. Es muss aber nach praktikablen, partnerschaftlichen oder solidarischen Wegen gesucht werden.

„Von der Wohltätigkeit zur Solidarität“

„Von der Wohltätigkeit zur Solidarität“ hieß denn auch der Untertitel der Tagung, ohne dass der Begriff konkret mit Inhalt gefüllt oder die – vielfach schmerzhaften – Erfahrungen von Solidaritätsbewegungen der vergangenen Jahrzehnte analysiert worden wären. Übersetzt wurde dies in zwei praktische Ansprüche an die künftige Zusammenarbeit in den Nord-Süd-Beziehungen: die Forderung nach Augenhöhe im Umgang miteinander – wir wissen alle, wie schwer das ist, da doch die Ressourcen extrem ungleich verteilt sind – und die inhaltliche Orientierung an den Menschenrechten bei konkreten Kooperationen.

Von Augenhöhe konnte auf der Tagung selbst nur bedingt die Rede sein. Etwa 50 Referent/innen aus Süd und Nord, aus Wissenschaft und Publizistik, aus sozialen Bewegungen (des Südens), Menschenrechtsorganisationen und Entwicklungspraxis boten zwar ein sehr anregendes Panorama von unterschiedlichen Erfahrungen, Kritiken und Visionen. Doch eine Debatte „auf Augenhöhe“ hierüber kam viel zu kurz – und das nicht nur wegen des großen Andrangs (wie die Veranstalter/innen am Ende entschuldigend meinten), sondern wegen der Konzeption der Tagung. Aber das kann ja beim nächsten Mal besser werden.

Und für ein nächstes Mal in nicht zu ferner Zukunft scheint es gute Chancen zu geben. Die Böll-Stiftung und die gleichfalls unterstützende Rosa-Luxemburg-Stiftung gaben in jedem Fall Signale in diese Richtung und zeigten sich in demonstrativem Schulterschluss. Wilfried Telkämper, Leiter des Zentrums für internationalen Dialog und Zusammenarbeit der Luxemburg-Stiftung, gab unter dem Stichwort „grüner Sozialismus“ auch gleich einen möglichen Arbeitstitel vor.

Oft konzentrieren sich Entwicklungsorganisationen stark auf sich, auf pragmatische Lösungen im Projekt- und Lobbybereich. Umso wichtiger das Bemühen der Konferenz, die Entwicklungsdebatte (wieder) um anspruchsvollere Perspektive und hohe Ansprüche zu bereichern, sie letztlich stärker zu politisieren. Ein erster Schritt dazu ist gelungen.

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