Die Monate Juli und August gelten in Deutschland als nachrichtenarme Zeit, das „Sommerloch“ ist sprichwörtlich: Die Schulen haben Ferien, der Bundestag Sommerpause, die Bundesliga-Saison ist vorbei – wer kann, fährt in den Urlaub oder zumindest ins Freibad.

Dieses Jahr allerdings wünscht man sich, die Zeit wäre nachrichtenärmer, denn die Nachrichten sind keine guten: Ukraine-Krise, Gaza-Krieg, anhaltender Bürgerkrieg in Syrien, Vormarsch der IS-Mordbrenner im Irak, drohende Hungersnot am Horn von Afrika, Ebola-Epidemie – der diesjährige Welttag der humanitären Hilfe am 19. August wird wie selten begleitet von Berichterstattung über Ereignisse, die seine Bedeutung unterstreichen.

„Menschengemacht“ heißt auch: „vermeidbar“

Auffällig ist: Viel von dem Leid, das derzeit humanitäre Hilfe erfordert, ist menschengemacht. Wir haben es nicht mit Naturgewalten wie Erdbeben, Taifunen oder Tsunamis zu tun, sondern mit den Folgen von Gewalt von Menschen gegen Menschen, von Krieg, Vertreibung und Flucht. „Menschengemacht“ aber heißt auch „vermeidbar“ – durch kluge Politik und besonnene Diplomatie, durch Kooperation und Kompromiss, durch nachhaltige Krisenprävention und Waffenhandelsverbote, durch Anerkennung und Durchsetzung fundamentaler Menschenrechte und nicht zuletzt durch eine gerechtere Verteilung von Ressourcen.

Humanitäre Hilfe ist ein wichtiges Element menschlichen Miteinanders, aber sie bleibt gleichsam ein Feuerwehreinsatz, teuer und gefährlich. Im vergangenen Jahr sind 155 Helfer/innen im Einsatz umgekommen, 171 wurden schwer verletzt, 134 entführt – auch daran erinnert der Welttag der humanitären Hilfe. Besser für alle Beteiligten wäre, es würde gar nicht erst brennen. Die gute Nachricht ist, dass jeder und jede etwas dazu beitragen kann – bei Wahlen, durch zivilgesellschaftliches Engagement, durch Unterstützung von Kampagnen und Eintreten für eine friedensorientierte Außenpolitik,  aber auch durch Aufklärung und Information – das geht sogar im Freibad.

In diesem Sinne sollten wir alle öfter humanitäre Helfer/innen sein, damit wir am Ende weniger humanitäre Hilfe brauchen.

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