62 Privatpersonen besitzen genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – also wie 3,5 Milliarden Menschen. Das ist die in Zahlen ausgedrückte weltweite soziale Ungleichheit und vorläufiger Höhepunkt eines Trends, dessen Ende bislang nicht in Sicht ist. Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, in dem Superreiche gerecht besteuert und Steueroasen ausgetrocknet werden.

Am kommenden Mittwoch beginnt in Davos das jährliche Weltwirtschaftsforum, zu dem mehr als 40 Staats- und Regierungschefs erwartet werden. Oxfam hat aus diesem Anlass den Bericht „An Economy for the 1%“ veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die Ungleichheit weltweit noch viel schneller wächst, als befürchtet. Das Gesamtvermögen der ärmeren Bevölkerungshälfte hat sich in den vergangenen fünf Jahren um eine Billion US-Dollar verringert. Die 62 Superreichen hingegen konnten ihres um mehr als eine halbe Billion US-Dollar vergrößern. Dieses Ausmaß sozialer Ungerechtigkeit droht Fortschritte bei der Armutsbekämpfung zunichte zu machen.

Steuerhinterziehung auf Kosten der Armen

Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass unser Wirtschaftssystem vor allem den Superreichen dient. Deren Profitstreben kennt offenbar keine Grenzen und bekommt vor allem keine gesetzt. International tätige Konzerne betreiben Steuervermeidung im großen Stil, neun von zehn haben mindestens eine Tochterfirma in Steueroasen. Reiche Einzelpersonen parken dort steuerfrei etwa 7,6 Billionen US-Dollar – das ist mehr als das Bruttosozialprodukt Deutschlands und Großbritanniens zusammen.

Weltbankpräsident Jim Yong Kim hat Steuervermeidung als eine „Form der Korruption auf Kosten der Armen“ bezeichnet. Zu Recht, denn unseren Schätzungen zufolge gehen den armen Ländern jedes Jahr weit mehr als 100 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen verloren. Geld, das sie beispielsweise in ihre Bildungs- und Gesundheitssysteme investieren könnten, wovon die ärmeren Bevölkerungsteile besonders profitieren würden.

Steueroasen trocken legen

Wer Armut bekämpfen möchte, muss Steuergerechtigkeit schaffen. International tätige Konzerne und Superreiche dürfen sich nicht länger aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stehlen.

Konzerne müssen ihre Gewinne dort versteuert, wo sie sie erwirtschaften. Die Politik muss Steueroasen endlich trocken legen! Anstatt Konsum steuerlich stärker zu belasten, müssen große Vermögen, Kapitalgewinne und Spitzengehälter gerecht besteuert werden.

Damit auch die Interessen von Entwicklungsländern berücksichtigt werden, brauchen wir auf UN-Ebene eine legitime zwischenstaatliche Steuerinstitution. Denn derzeit werden die internationalen Steuerregeln allein in der OECD verhandelt – einem exklusiven Club der Industrieländer, der vor allem die Interessen seiner Mitglieder bedient.

Um den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, startet Oxfam heute  eine Unterschriften-Aktion gegen Steueroasen. Machen Sie mit unter: www.oxfam.de/aktion-steueroasen-trockenlegen-2016

2 Kommentare

Das Vertrauen in die Politik habe ich schon lange verloren. Obwohl die Politiker von der Bevölkerung gewählt werden und dem Volk Rechenschaft schulden, bedienen sie mit ihren Gesetzen die Reichen und Mächtigen, die multilateralen Konzerne und reiche Privatpersonen. Alle Bemühungen um Frieden sind obsolet, wenn dieses massive Unrecht nicht bekämpft wird. Wer soll das angehen? Wer hat den Mut? Wer die Macht dazu? Wie soll das geschehen? Ein erster Schritt wäre, die Gewinne dort zu besteuern, wo sie anfallen. Eine Steuer auf Börsengeschäfte. Keine Steuerfreiheit von arbeitslosem Einkommen.

Sehr geehrte Frau Friedrich,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut uns, dass Sie sich für unsere Arbeit zum Thema Steuergerechtigkeit interessieren. Sie haben einige wichtige Themen angesprochen, für die sich Oxfam besonders engagiert.

So setzen wir uns schon seit Jahren für die von Ihnen angesprochene Steuer auf Finanztransaktionen ein. Mehr Informationen rund um unsere „Steuer gegen Armut“-Kampagne finden Sie unter anderem hier: https://www.oxfam.de/unsere-arbeit/themen/steuer-gegen-armut

Um die Politik zum Handeln zu verpflichten, ist es wichtig, weiter kontinuierlich Druck aufzubauen.
Wir bleiben in jedem Fall dran und freuen uns über Ihre Unterstützung!

Kommentieren