Die Grillsaison hat begonnen. Wer noch keinen Elektrogrill hat, bürstet das rustikalere Gerät ab, schüttet Holzkohle auf und sieht den durch Gärten und Parks ziehenden Rauchschwaden nach.

Wer nun annimmt, dass hier ein Lob auf gesundes oder vegetarisches Grillen folgt, irrt:
Auf den meisten Grills landen heutzutage sowieso auch Tomaten, Pilze, Spargel oder Haloumi. Dazu kommt, dass Bio- oder Neuland-Fleisch mehr Geschmack bieten, als das Billigpaket mit den zehn Nackensteaks. Dazu gibt es also nicht mehr viel zu sagen.

Es geht hier um Grillsaucen und zwar um die, die den „faszinierenden Geschmack Afrikas“ spiegeln sollen: „Masai (fruchtig-scharf)“, „Zulu (kreuzkümmel extra scharf)“, „Serengeti (curry-scharf)“ und „Dschibuti (paprika-afrikana-süß und scharf)“. Ein ganzer Kontinent in vier Grillsaucen. Unser Afrika-Bild ist noch immer ein recht unvollständiges. Der Grillsaucen-Deckel sollte daher ein Zebra-Muster haben. Und: Dass es sich bei Zulu oder Masai um einen Volksstamm handelt, ist nicht ersichtlich.

Besonders skurril ist die Grillsauce Dschibuti. Dschibuti ein sehr trockenes Land von der Größe Hessens am Horn von Afrika. Die Lebenserwartung liegt bei knapp über 40 Jahren. Im Human Development Index, einer Rangliste von Reichtum und Armut, liegt Dschibuti auf Platz 172 von 187. Da geht es für die Menschen darum, überhaupt satt zu werden. Sie wären sicher verwundert, dass eine Fertigsauce nach ihrem Land benannt ist.

Die Küche des afrikanischen Kontinents ist so unterschiedlich wie die Kulturen, die Gesellschaften, die Landschaften. Ein nordafrikanisches Taboulé ist mit einem namibischen Barbecue nicht zu vergleichen, ein westafrikanisches Hühnchengericht hat nichts gemeinsam mit dem Antilopen-Rezept aus Botswana. Nun sind Grillsaucen ein harmloses Beispiel für Klischees (und vielleicht schmecken sie gut – ich habe noch nicht gekostet).

Doch ist so etwas umgekehrt für Europa denkbar? Dass ein Saucen-Set im Supermarkt von Lusaka oder Bujumbura steht mit dem Titel „Strenges Europa“? Mit den europäischen Gewürzen der Bayern für eine süß-senfige Note, den fischig-geräucherten Skandinaviern und der majonaise-basierten Note Belgiens?

Kaum vorstellbar, dass so eine Serie Erfolg hätte. Weder hier noch dort können die Eigenheiten der regionalen Küchen in Fertigsaucen gefüllt werden.

Und zum Ausgleich hier ein kleines Rezept für eine wirklich gute afrikanische Sauce und zwar aus Äthiopien – Berbere-Gewürzpaste in Crème fraiche – hervorragend zu Grillkartoffeln, Huhn oder Fisch. Man nehme einen Teelöffel gemahlenen Ingwer, ½ Teelöffel Koriander (gerne auch frisch), ½ Teelöffel Kardamon, einen Teelöffel geriebene Muskatnuss, je eine Messerspitze gemahlene Nelken, Zimt und Piment und röste sie unter ständigem Rühren (ohne Fett) fünf Minuten in der Pfanne. Dann gebe man zwei Teelöffel Salz, einen Teelöffel frisch gemahlenen Pfeffer, zwei Teelöffel Cayennepfeffer und drei Esslöffel Paprikapulver dazu und röste diese vorsichtig und unter ständigem Rühren nochmal 10 Minuten. Anschließend die Paste in Crème fraiche (zwei Becher) einrühren und schon ist die äthiopische Grillsauce fertig.

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