Keine Privatsache: Die Finanzierung von Bildung geht uns alle an

Um Bildung für alle zu ermöglichen, sind umfassende Investitionen notwendig. Was sowohl reiche als auch arme Ländern konkret umsetzen können, wieso Privatisierung keine Lösung ist und was wir von Ländern wie Äthiopien und Mosambik lernen können, erklärt Winnie Byanyima, Geschäftsführerin von Oxfam International.
Von Winnie Byanyima
Winnie Byanyima in Kushari, Maiduguri im Nordosten Nigerias
Winnie Byanyima, Geschäftsführerin von Oxfam International, in Kushari, Maiduguri im Nordosten Nigerias

Bildung ist eine mächtige Waffe im Kampf gegen die Ungleichheitskrise. Der Zugang zu guter öffentlicher Bildung stellt Chancengerechtigkeit her – er eröffnet Möglichkeiten für alle Kinder, nicht nur für die, deren Familien für die besten Bildungsangebote zahlen können. Während die soziale Ungleichheit in diesen Tagen viel diskutiert wird, werden Ungleichheiten bei den Bildungschancen oft unterschätzt. Man stelle sich vor: nur eines von vier Mädchen aus den ärmsten Familien in einkommensschwachen Ländern wird die Grundschule beenden.

Wie kann man Bildung für alle finanzieren

Um Bildung für alle zu ermöglichen, sind umfassende, systemische Investitionen notwendig. Doch wie soll das finanziert werden?

Zunächst müssen Länder ihre Steuereinnahmen erhöhen. Bisher versäumen viele Regierungen, ihr Einnahmepotenzial auszuschöpfen, und gewähren stattdessen schädliche Steuervergünstigungen für Reiche und Unternehmen. Oxfam schätzt, dass Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen – China ausgenommen – insgesamt fast eine Billion US-Dollar einnehmen könnten, wenn sie auch nur die Hälfte ihrer Steuerlücken schließen würden. Wie viele Lehrer, innovative Ausbildungsprogramme und Einrichtungen für frühkindliche Bildung könnten davon wohl finanziert werden? Oxfam fordert Reformen nationaler Steuersysteme hin zu progressiver Besteuerung. Auch auf internationaler Ebene sind Reformen notwendig, um Steuervermeidung einzudämmen: damit Unternehmen Gewinne, die sie in Entwicklungsländern erwirtschaften, auch dort versteuern.

Zweitens müssen nationale Regierungen ausreichende eigene Ressourcen für Bildung bereitstellen – mindestens 20 Prozent der öffentlichen Mittel gelten als Goldstandard. Länder wie Äthiopien und Mosambik etwa geben jeweils 22 Prozent ihres Budgets für Bildung aus. Das sollten alle Regierungen tun.

Drittens müssen die reichen Geberländer ihren Teil beitragen und ihre Unterstützung für Bildung erheblich aufstocken. Die Geberländer haben bisher systematisch versagt, das Versprechen, Bildung für alle zu finanzieren, zu erfüllen. Ein Land nach dem anderen hat die Unterstützung für öffentliche Bildungssysteme gekürzt. Viele Geber unterstützen lieber Projekte, die gerade in Mode sind, etwa gewinnorientierte Privatschulen. Das ist inakzeptabel.

Wenn uns etwas am Thema Lernen liegt, sind die Hilfen für Bildung wichtiger denn je, vor allem für die Länder mit den niedrigsten Einkommen. Deshalb ist die Finanzierungskonferenz der Globalen Bildungspartnerschaft (GPE) im Februar im Senegal so wichtig. Die GPE unterstützt einkommensschwache Länder dabei, starke nationale Bildungspläne umzusetzen. Wir müssen ehrgeizige Finanzierungszusagen erreichen, um gute, gebührenfreie öffentliche Bildungssysteme zu stärken.

Mädchen an einer Schultafel in Tansania
Damit Kinder in einkommensschwachen Ländern wie Tansania zur Schule gehen können, müssen wir auf der Finanzierungskonferenz der Globalen Bildungspartnerschaft ehrgeizige Bildungszusagen erreichen

Bildung darf nicht privatisiert werden

Der jüngste Trend der Privatisierung der Bildung in einkommensschwachen Ländern ist ein Symptom der mangelnden Investitionen in öffentliche Bildung: Kommerzielle Betreiber bieten Schule zu vermeintlich geringen Gebühren an. Ihre Qualität ist zweifelhaft und Familien, die sich die Schulgebühren kaum leisten können, werden weiter in die Armut getrieben. Es gibt keine eindeutigen Belege, dass diese Schulen zu besseren Lernergebnissen führen. Gewinnorientierte Schulen erhöhen die soziale Spaltung und die Ungleichheit. Familien müssen die schwierige Entscheidung treffen, welches ihrer Kinder in die Schule geht darf, und allzu oft sind die Töchter die Verliererinnen. Wir sind besonders besorgt über den Ausschluss von Mädchen, Kindern mit Behinderungen und anderen marginalisierten Gruppen.

In einigen afrikanischen Ländern breiten sich gerade gewinnorientierte Schulketten aus, so auch in Uganda, meinem Heimatland. Während die Befürworter darin einen Ausweg aus der Bildungskrise sehen, haben wir ehebliche Bedenken: Privatisierte Schulen setzen zumeist auf schlecht bezahlte, schlecht ausgebildete Lehrkräfte, die vorgefertigte Stunden abliefern, die auf den lokalen Kontext zugeschnitten sind. In vielen Fällen entsprechen solche Schulen nicht den nationalen Standards und Lehrplänen. Die Qualität eines solchen Unterrichts ist zumindest fragwürdig.

Privatisierung ist keine Lösung. Stattdessen müssen wir öffentliche Bildungssysteme stärken. Regierungen müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Geber und Partnerländer müssen Investitionen in Bildung priorisieren. Junge Menschen weltweit sollen erfahren wie befreiend es ist, lernen zu dürfen.

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