Eine Gruppe von UN-Experten und Expertinnen hat in der letzten Woche Vorschläge für die neuen Ziele zur Armutsbekämpfung vorgelegt. Sie sollen die so genannten Millenniumsziele (MDGs) ablösen, die im Jahr 2000 vereinbart wurden, um die Welt bis zum Jahr 2015 lebenswerter zu gestalten. Zu den acht Millenniumszielen gehört unter anderem auch die Halbierung von Hunger und  Armut, das Stoppen der Ausbreitung von HIV/Aids und eine Grundschulbildung für alle. Die Fortschritte in Bezug auf die Zielerreichung sind in den einzelnen Ländern extrem unterschiedlich. Die globale Wirtschaftskrise, Einschnitte bei der Entwicklungszusammenarbeit und Steuerumgehung haben armen Ländern wichtige finanzielle Mittel entzogen und Entwicklung unterminiert.

Warum kann man nicht bei den alten bleiben?

Nun geht der so genannte Post-MDG-Prozess in die nächste Phase. Man blickt auf die Zeit nach 2015. Muss das sein? Warum verlängert man nicht einfach für die nicht erreichten Ziele den Zeitraum? Das würde Verhandlungen, Konferenzen, Energie und Papier sparen.

Doch leider geht das nicht so einfach. Die Ziele müssen in ihre Zeit passen. Die Welt hat sich seit dem Jahr 2000 stark verändert. Auch Oxfam hat gerade einen aufwändigen Prozess hinter sich, der den Strategischen Plan 2013 bis 2019 hervorgebracht hat, der in diesem Monat international vorgestellt wird. Auch wir mussten uns Gedanken machen, wie der Einsatz für eine gerechte Welt ohne Armut sich ändern und anpassen muss. Welche Probleme sind auf dem Weg zu einer Lösung und welche sind hinzugekommen? Wo waren wir auf dem Holzweg?

Ziele müssen zur Zeit passen

Erstens ist der Klimawandel inzwischen Realität. Er verschärft die Armutsrisiken und vertreibt Menschen aus ihrer traditionellen Umgebung. Das war im Jahr 2000 noch nicht allen klar. So ist es sehr gut, dass auch in den UN-Papieren das Ziel, die globale Temperatur nicht über zwei Grad steigen zu lassen, erfasst ist. Aber es wird eine spannende Frage sein, welche Gesellschaften zum Klimaschutz auf welchen Wohlstand oder Komfort verzichten müssen und welche Formate des Wachstums der Planet noch ertragen kann.

Zweitens klafft die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auf - auch innerhalb von Ländern und Regionen. Und zwar mehr,  als man das im Jahr 2000 erwartet hatte. Nach einer Oxfam Studie konnte die Gruppe der Reichsten, ein Prozent der Weltbevölkerung,  ihr Einkommen in den letzten zwanzig Jahren um 60 Prozent steigern. Das Einkommen der 100 Reichsten würde ausreichen, um die extreme Armut weltweit dreimal zu beenden. Doch es geht meiner Meinung nach bei dieser Ungleichheit nicht nur um Geld. Es geht auch um Menschen, deren  Menschenrechte missachtet werden; um Menschen die auf Grund ihres Geschlechts diskriminiert werden; um Menschen, die keinen  Zugang zu Bildung und Gesundheitsfürsorge erhalten; um Menschen, die keinen  Zugang zu Land sowie Energieversorgung haben. Diese wachsende Ungleichheit ist eine Zerreißprobe für die Gesellschaft. Daher fordert Oxfam, dass der Einsatz gegen die Ungleichheit bei der Debatte der Post-MDGs verstärkt werden muss.

Und drittens hat sich das Denken in der Entwicklungszusammenarbeit weiter gewandelt. Wir wollen noch stärker arme Staaten dabei unterstützen auf eigenen Füßen zu stehen und als Konsequenz  selbstbestimmt etwa in Bildung und Gesundheitsversorgung investieren zu können. Dafür brauchen sie die breite Steuerbasis ihrer Bürger/innen und der Unternehmen im Land, gute Regierungsführung, eine aktive und konstruktiv partizipierende Zivilgesellschaft und vieles mehr. Auch dies sollte in den Nachfolgezielen der MDGs verankert sein.

In unserem Strategischen Oxfam-Plan sind diese Punkte vorhanden. Aber wir sind auch nicht die Vereinten Nationen. Das macht es etwas einfacher. Mal schauen, was am Ende bei den Post-MDG-Debatten an tragbaren Beschlüssen übrig bleibt. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

2 Kommentare

Sehr geehrte Frau Lieser,
vielen Dank für die schnelle Reaktion beim letzten Mal. Ihr aktueller Blogeintrag hat einmal mehr die Sensibilität für international abgestimmte Zielvorgaben und Beschlüsse geschärft. Doch ich frage mich, welches Gewicht die Vorschläge der Experten haben? Wie schätzen sie dies ein? Und welche konkrete Rolle nimmt Oxfam in den Post-MDG-Debatten ein?
Viele Grüße,
Christopher Stolzenberg

Sehr geehrter Herr Stolzenberg,

Oxfam begleitet den Post-MDG-Prozess als kritischer Beobachter wie viele andere Nichtregierungsorganisationen auch. Wir schätzen die Empfehlungen der UN-Experten und Expertinnen schon als sehr wertvoll ein und wir gehen sehr davon aus, dass diese Vorschläge maßgeblich in die weiteren Beratungen einfließen.

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