Es ist unerträglich schwül im dem überfüllten Versammlungsraum irgendwo in Sri Lankas quirliger Hauptstadt Colombo. Ich bin Gast der Nichtregierungsorganisation Community Strength Development Foundation (CSDF). Die Organisation leistet Rechtsberatung und psychosoziale Unterstützung für Sexarbeiterinnen in dem asiatischen Inselstaat.

Nach Schätzungen von CSDF sind in Sri Lanka fast 50.000 Menschen, vorwiegend Frauen, in diesem Gewerbe tätig und bieten Sex gegen Bezahlung. Sexuell übertragbare Krankheiten breiten sich unter ihnen rasant aus. Die Zahl der HIV-Infektionen unter Sexarbeiterinnen ist noch vergleichsweise gering, die so genannte HIV-Prävalenz liegt bei 0,2 %. Doch die Tendenz geht steil nach oben.

Prostitution ist in Sri Lanka offiziell verboten, die meisten Sexarbeiterinnen arbeiten unter dem Deckmantel von Massagesalons oder in totaler Verborgenheit. Die Mitarbeiterinnen von CSDF haben sich darauf eingestellt: Alleine oder in kleinen Gruppen gehen sie auf die Suche nach den Frauen und unterstützen sie mit Beratungsleistungen oder auch Kondomen. Zusätzlich bietet CSDF Ausbildunsprogramme an, damit sich die Sexarbeiterinnen andere Möglichkeiten des Broterwerbs erschließen können.

Sexdienstleistungen unter dem Deckmantel von Massagesalons

Die Polizei beobachtet die Hilfsangebote von CSDF argwöhnisch. Regelmäßig werden die Sexarbeiterinnen und gelegentlich auch die Mitarbeiter von CSDF schikaniert, wie mir eine Frau berichtet: “Unsere Arbeit ist nicht ungefährlich. Wenn die Polizei Kondome bei mir findet, muss ich ins Gefängnis.“ Eine frühere Sexarbeiterin berichtet von Diskriminierung und Stigmatisierung in Krankenhäusern und in Arztpraxen. “Ich traute mich kaum zum Arzt als ich krank war. Die Einstellung des Gesundheitspersonals gegenüber sexuell aktiven jungen Frauen ist oftmals feindselig.“

Männern, die Sex mit Männern haben, ergeht es nicht besser. Die HIV-Infektionsrate unter ihnen ist bis zu 40 mal höher als in der allgemeinen Bevölkerung. In manchen Gegenden Sri Lanka trägt fast jeder Zwanzigste den Virus in sich. Wie die Sexarbeiterinnen werden auch sie diskriminiert und stigmatisiert, denn Homosexualität ist in Sri Lanka illegal.In einer derart angespannten Atmosphäre ist die Prävention, Diagnose und Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten oder HIV außerordentlich schwer.

Finanzielle Unterstützung vom Globalen Fonds

Unterstützung leisten Nichtregierungsorganisationen wie die „Heart to Heart“, die sich für eine Verbesserung der Menschenrechtssituation einsetzen. Deren Arbeit birgt beträchtliche Risiken für ihre Mitarbeiter/innen, ist aber gleichzeitig ungemein wichtig. Unterstützt werden beide Organisationen vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose. 200 Gesundheitsexpert/innen, Regierungsdelegierte und Vertreter/innen der Zivilgesellschaft – so wie ich – haben Mitte Juni in Colombo über die Arbeit des Globalen Fonds beraten. Dabei ging es auch um das Thema Aidsbekämpfung in marginalisierten Bevölkerungsgruppen, also zum Beispiel Sexarbeiterinnen. Mit dem so genannten New Funding Model (NFM) will der Globale Fonds seine finanziellen Mittel dramatisch neu fokussieren. Welche Auswirkungen das auf die Arbeit von Organisationen wie CSDF und die „Heart to Heart“-Organisation hat, dazu später mehr.

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