Seit zwei Jahren setzt sich Oxfam für eine Finanztransaktionssteuer, die „Steuer gegen Armut“ ein. Und ich bin es leid. Ich bin es leid, mir die Ausflüchte, Schreckgespenster und Drohungen der Finanzindustrie anzuhören. Die winzige Finanztransaktionssteuer von 0,05% lässt Großbanker und Spekulanten vor Angst und Sorge erzittern. Die Sorge um ihre üppigen Gewinne.

In diesem Jahr ist es endlich so weit. Eine Gruppe von zehn europäischen Ländern will die Steuer noch in diesem Jahr einführen. Der Widerstand der Finanzbranche scheint endlich gebrochen. Eine schwere Geburt, für die kleine Steuer. Das zeigen wir im neuen Oxfam-Film „Eine schwere Geburt“.

Während des elfstündigen Drehs hatte ich Gelegenheit, ein paar Eindrücke zu sammeln. Viel Spaß beim Lesen!

Einen Film wie die „schwere Geburt“ in nur einem Tag zu drehen, ist überaus ambitioniert und der Zeitplan ist entsprechend straff. Bereits am Vormittag hängen wir zwei Stunden hinterher. Die Darsteller haben nur kurze Pausen, das Produktionsteam ist immer in Bewegung, Maximilian Erlenwein, der Regisseur ist ständig überall. Wie vieler Umbauten und verschiedener Kameraeinstellungen es für eine einzige Szene bedarf, ist mir vorher so gar nicht bewusst gewesen. Trotzdem ist am Set von Eile oder Hektik nichts zu merken. Die Atmosphäre ist professionell, gut gelaunt und überaus entspannt. Einer der Komparsen schlummert nach dem Mittagessen ein wenig auf einer der Bierbänke, die für das Mittagessen aufgebaut wurden.

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Ich hingegen bin es gewohnt, mit anzupacken und auch jetzt bin ich allzu bereit, mir Kabel, Stative und Requisiten zu schnappen und beim Set-Umbau zu helfen. Das sehen die Profis allerdings nicht so gerne. Es fällt mir schwer, dem Drang, mich nützlich machen zu wollen, zu widerstehen. Relativ schnell finde ich ein geeignetes Mittel, um mich abzulenken und mich wie gewünscht vor dem Monitor in einem Nebenraum einzurichten, von dem aus ich den Dreh verfolgen kann: Süßigkeiten. Der Teller ist groß und voll, wird ständig wieder aufgefüllt. Wäre die Filmproduktion mein tägliches Brot, wäre es eindeutig zu zuckerhaltig.

Kauend sitze ich vor dem Bildschirm und gucke gebannt unseren vier Hauptdarstellern Rike Eckermann, Heike Makatsch, Stephan Grossmann und Mark Waschke zu. Das Drehbuch kenne ich gut, über die Witze und Pointen haben wir vorab viel mit der Agentur M&C Saatchi, die die Idee der schweren Geburt entwickelt haben und Maximilian Erlenwein, unserem Regisseur, gesprochen. Dennoch, ich kann nicht anders. Auch bei der zehnten Wiederholung breche ich in schallendes Gelächter aus, wenn z.B. der Banker auf allen vieren versucht, aus der Notaufnahme zu flüchten. So sehr sich alle Beteiligten freuen, dass die Szenen so gut ankommen – wenn der Ton noch läuft und man durch die ganze Kulisse mein haltloses Lachen vernimmt, ist das eher ungünstig. Das nächste „Ruhe bitte, Ton läuft“ gilt also auch explizit mir. Versteh ich und konzentriere mich darauf, in meinen Ärmel zu kichern oder bei den witzigsten Szenen einfach nicht hinzugucken. image

Für Darsteller, Regie, das 29-köpfige Produktionsteam und die sechs Komparsen ist es ein langer Drehtag. Unbezahlt. Sie machen mit, weil sie Oxfam und die „Steuer gegen Armut“ unterstützen. Bei dem Gedanken an so viel Unterstützung bekomme ich eine wohlige Gänsehaut.

Anders bei unserem Drehort: Ein ungenutztes Krankenhaus am Berliner Wannsee. Die verlassenen Krankenhausflure sind mir nicht ganz geheuer. Ich bin froh, dass wir im Film eine niedliche 0,05%-Steuer zur Welt bringen und nicht versuchen, mit einem Horror-Film für die Finanztransaktionssteuer zu werben. Auch wenn das aus Sicht vieler Banker vielleicht sogar passender gewesen wäre.

Mehr Infos zur „Steuer gegen Armut“ gibt es hier: http://www.oxfam.de/informieren/steuer-gegen-armut.

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