Der Frühling wärmt unsere Herzen und unsere Körper. Moria, das Flüchtlingslager auf Lesbos, in dem ich gelebt habe, als ich in Europa ankam, ist jedoch kalt und ähnelt einem Gefängnis. Ich bin jetzt seit sieben Monaten auf der griechischen Insel Lesbos, und eines ist sicher: Ich werde lange bleiben müssen. Ich habe in Europa Asyl beantragt, aber die nächste Anhörung meines Falls ist erst in 18 Monaten.

Ich lade alle europäischen Politikerinnen und Politiker ein, uns zu besuchen, um unsere Not zu erleben. Sie werden sehen, wie es sich anfühlt, wenn dein Schicksal in den Händen anderer liegt. Aber wenn unser Schicksal in den Händen der Politiker/innen liegt, bedeutet dies, dass diese etwas tun können, um unsere Situation zu verbessern: Eine humanere Flüchtlingspolitik kann uns helfen; Sie kann den Menschen hier den Schutz und die Unterstützung geben, die sie brauchen und verdienen.

Das Abkommen zwischen der EU und der Türkei

Meine Geschichte ähnelt der von Millionen syrischen Flüchtlingen und Menschen, die aus anderen Ländern fliehen mussten. Konflikte und Verfolgung haben unsere Familien auseinandergerissen und unsere schönen Städte unkenntlich gemacht. Wir mussten unser Hab und Gut zurücklassen und fliehen, um zu überleben. Als wir in Griechenland endlich in Sicherheit waren, wurden wir aufgehalten und aufgefordert, unter unmenschlichen Bedingungen zu warten. Dieses Warten ist unser Lebensinhalt geworden. Während Asylbewerber/innen wie ich darauf warten, dass ihre Fälle bearbeitet werden, schwindet unsere Zukunft.

Ich bin – wir alle sind – auf Lesbos gefangen, nachdem die EU mit der Türkei im März 2016, also vor zwei Jahren, ein Abkommen getroffen hat. Seit dem Inkrafttreten des Abkommens zwingt Griechenland Asylbewerber/innen, auf der Insel zu bleiben. So können sie keinen Antrag auf Asyl auf dem Festland oder anderswo in Europa stellen.

Diese Politik hat ein Hauptziel: Menschen daran zu hindern, in Europa Asyl zu suchen. Aber die europäischen Politiker/innen scheinen vergessen zu haben, dass wir Menschen sind. Sie übersehen die Tatsache, dass eine Handvoll Sanitäranlagen nicht von Tausenden geteilt werden können, die in diesen überfüllten Lagern leben. Dass es ein hohes Risiko für Frauen und Kinder gibt, Opfer von sexueller Gewalt, Missbrauch und Belästigung zu werden, wenn sie gezwungen sind, in Zelten zu leben.

Lesbos, wo Moria liegt, ist eine wunderschöne griechische Insel, aber das Lager ist die Hölle.

Man hat keine Wahl, ein Flüchtling zu sein

Jeden Tag träume ich davon, zurück in meine Heimat zu gehen. Aber der Ort, den ich Zuhause nenne, liegt in Trümmern. Wenn ich an Zuhause denke, denke ich an meinen Alltag, morgens in einem Krankenhaus zu arbeiten und am Nachmittag meinen Schülerinnen und Schülern Englisch beizubringen; ich denke an Picknicks im Park mit meiner Familie am Wochenende. Oder einfach nur mit Freunden in Damaskus herumzulaufen. Ich bin dort geboren und aufgewachsen. Es war einmal so ein schöner Ort. Das sind jedoch nur noch Erinnerungen.

Man hat keine Wahl, ein Flüchtling zu sein. Ich sitze auf Lesbos fest, weil Syrien nicht sicher ist. Jahre des unerbittlichen Bürgerkriegs haben mir keine andere Wahl gelassen, als hier zu bleiben, damit ich am Leben bleiben kann.

Wenn Politiker/innen Moria besuchen würden, würde ich sie fragen, warum sie an eine Politik glauben, die zu überfüllten Lagern führt, die keine sicheren Orte für Frauen und Kinder sind. Wenn europäische Führer/innen Moria besuchen würden, würde ich sie fragen, ob sie wirklich denken, dass Moria ein Ort für Leute wie mich oder wie sie ist. Ich würde ihnen sagen, dass sie eine Verantwortung haben, nach Hause zu gehen und sich an uns zu erinnern, sich daran zu erinnern, was sie in Moria sahen. Ich würde sie bitten, dass ich mir ein neues Leben aufbauen kann.

 

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