Mit Essen spielt man nicht. Was jedes Kind weiß, lässt viele Finanzinstitute kalt. Derzeit zum Beispiel die BayernLB.

Vordergründig unterhält die BayernLB keine Fonds mehr, die mit Nahrungsmitteln spekulieren. In einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom letzten Jahr heißt es: „Auch die BayernLB und die NordLB geben an, keine Agrarrohstoff-Produkte zu vertreiben.“ Über ihre Tochter BayernInvest Luxembourg ist sie allerdings sehr wohl in den Handel mit Agrarrohstoffen verstrickt.

Nahrungsmittelspekulation, was heißt das eigentlich?

An den Börsen wetten Banken und Versicherer auf die Preisentwicklung von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Mais oder Soja. Das Geschäft boomt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Anlagevolumen in solchen Agrarrohstoffen mehr als verzehnfacht. Das Verhältnis von realem Markt und Terminmarkt klafft immer weiter auseinander. In den USA wurden zum Beispiel im Jahr 2011 Weizen-Terminkontrakte im Volumen von 4.400 Millionen Tonnen  gehandelt. Das entspricht mehr als dem 70-Fachen der US-Ernte.

Das Problem daran: Viele Studien zeigen, dass Spekulation auf Nahrungsmittelpreise ein Hungerrisiko birgt. Denn schnellen beispielsweise die Preise in die Höhe, weil immer mehr Spekulanten auf steigende Preise wetten, dann können sich Menschen in ohnehin armen Ländern ihr Essen nicht mehr leisten. Vielerorts müssen sie sowie bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Essen ausgeben. Höhere Preise können sie nicht abfedern und müssen Mahlzeiten auslassen.

Zum Glück haben einige Banken eingelenkt und sind aus diesem Geschäft ausgestiegen. Dazu gehören zum Beispiel die Landesbank Baden-Württemberg, die Commerzbank und die DEKA-Bank. Die größten Akteure, Allianz und Deutsche Bank, bleiben dagegen stur. Kein Wunder, denn sie nahmen laut einer Studie von Oxfam im letzten Jahr mehr als 100 Millionen Euro allein durch die Verwaltung von Anlagen in Agrarrohstofffonds ein.

Der Trick: Verwaltungsgesellschaft in Luxemburg

Aber es sind nicht nur die „Großen“, die dieses Geschäft mit dem Hunger befördern. Auch die BayernLB ist auf Umwegen nach wie vor involviert. Zwar hat die Bank auf Nachfrage von Oxfam im April bekräftigt, „keine Spekulationsgeschäfte im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln“ zu betreiben. Doch tatsächlich agiert sie mittels einer Tochter als Verwaltungsgesellschaft für den Rohstofffonds „Vescore CYD Alpha Commodities“. Der Investor „Vescore“ bestimmt die Anlagestrategie. Dennoch trägt die BayernLB als Verwaltungsgesellschaft eine Verantwortung für die Spekulation mit Nahrungsmitteln. Die Agraranteile dieses Fonds hatten Ende 2012 ein Volumen von mehr als 20 Millionen Euro.

Gemeinsam mit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung hakte Oxfam nach. Ergebnislos. Diese Woche ging deshalb erneut ein Brief an die Bank. Denn offensichtlich gibt es bei der Bank einen Widerspruch zwischen Wort und Tat. Während Aufsichtsgremien der BayernInvest und der BayernInvest Luxembourg Mitte 2012 festlegten, dass ihre Fonds nicht in Agrarrohstoffe investieren sollen, tut das die BayernInvest Luxembourg  immer noch. Angesichts des Risikos, dass Menschen deshalb hungern können, ein unverantwortliches Geschäft. Vom Hunger bedrohten Menschen ist es egal, ob eine „richtige“ Bank oder nur eine Verwaltungsgesellschaft mit Nahrungsmitteln spekuliert. Komplizierte Unternehmensstrukturen machen niemanden satt.

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Mehr Infos: Nahrungsmittelspekulation

Hintergrund: BayernLB [PDF | 305 KB]

Dieser Blog erschien auch als Gastkommentar bei der Mittelbayerischen Zeitung.

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