Mit zahlreichen Rohstofffonds, aber auch mit einer der aktivsten Rohstoffhandelsabteilungen gehört die Deutsche Bank zur Spitzengruppe der Banken, die mit Rohstoffen und Rohstoffpreisen spekulieren. Auch um Agrarrohstoffe wie Weizen und Mais macht die Bank keinen Bogen. Die Rohstofffonds der Deutschen Bank verwalten 3,79 Milliarden Euro Anlagevermögen (2012), allein bezogen auf Agrarrohstoffe. Nach der Allianz ist sie damit die Nummer zwei unter den deutschen Finanzinstituten. Weil diese Geschäfte im Verdacht stehen, die Preisschwankungen von Grundnahrungsmitteln mit anzuheizen, steht die Bank seit Jahren in der Kritik. Auch Oxfam hat die Führung der Bank daher immer wieder aufgerufen, dem Beispiel anderer Banken zu folgen und sich aus problematischen Spekulationsgeschäften zurückzuziehen.

Bisher ließ die Deutsche Bank diese Kritik einfach an sich abprallen. Zugesagte Untersuchungen wurden nie präsentiert und ein selbst erklärtes Moratorium gebrochen. Stattdessen kündigte Jürgen Fitschen im Januar 2013 an, das Geschäft mit agrarrohstoffbezogenen spekulativen Finanzprodukten würde unverändert fortgesetzt.

Eine Einladung mit vielen Fragezeichen

Ein Jahr später ist die Deutsche Bank nun plötzlich doch an Gesprächen interessiert. Kurz vor Weihnachten erfuhren wir aus der Süddeutschen Zeitung, die Bank wolle „Kritiker zu einer wichtigen Konferenz einladen, um mit ihnen über Agrarmarktspekulation zu sprechen“.  Ende Januar ging auch bei uns eine Einladung  von Jürgen Fitschen ein. Von einer Konferenz war darin nicht mehr die Rede, sondern von einem Runden Tisch, an dem er mit uns über die Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen und die Verantwortung von Akteuren sprechen wolle. Dieses Gespräch wird am 16. April 2014 in Frankfurt am Main stattfinden. Wir haben uns entschlossen, daran teilzunehmen.

Vollkommen unklar ist bisher, ob die Deutsche Bank dabei lediglich bekannte Argumente austauschen will, oder ob sie tatsächlich neue Erkenntnisse vorlegen wird und bereit ist, fragwürdige Finanzprodukte einzustellen. Die Bank war auch auf Nachfrage nicht bereit, vor dem 16. April ihre bereits 2012 angekündigte Untersuchung offenzulegen. Damit verhält sie sich leider ähnlich intransparent wie die Allianz, die ebenfalls nicht bereit ist, Untersuchungen zu veröffentlichen.

Hohe Erwartungen und eine Portion Skepsis

Wir reisen daher mit vielen Fragen und hohen Erwartungen nach Frankfurt. Wir erwarten von der Deutschen Bank eine Kehrtwende hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Problem Nahrungsmittelspekulation. Wir erwarten insbesondere, dass

-    die Bank ihre 2012 angekündigte umfassende Untersuchung veröffentlicht und darstellt, warum sie bisher nicht zur Diskussion gestellt wurde – oder existiert diese Untersuchung gar nicht?
-    die Bank offenlegt, in welchen Bereichen und mit welchen Strategien sie am Handel mit Agrarrohstoffen beteiligt ist (Fonds, Eigenhandel mit Derivaten, Handel im Kundenauftrag, physischer Handel mit Agrarrohstoffen etc.), denn die bisherige Informationspolitik der Bank wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet;
-    sie das Vorsorgeprinzip anwendet und fragwürdige Formen der Nahrungsmittelspekulation einstellt;
-    das Treffen am 16. April nur der erste Schritt hin zu einem transparenten und offenem Umgang der Bank mit dem Thema ist.

Wir sind gespannt, ob unserer Erwartungen erfüllt werden. Wir sind jedoch aufgrund der Konditionen, die die Deutsche Bank für das Gespräch festgelegt hat, auch skeptisch. Wir bedauern, dass die Deutsche Bank nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter Anwendung der Chatham House Rule tagen will, was die Informierung der Öffentlichkeit über das Gespräch erheblich einschränkt.

Völlig unklar ist, nach welchen Kriterien die Bank die rund 40 Gesprächspartner/innen ausgewählt hat. Einige wichtige Kritiker/innen und Expert/innen haben trotz Nachfrage keine Einladung erhalten. Ein Treffen, beim dem Tagesordnung und Teilnehmerkreis nur von einer Seite festgelegt werden, ist kein Runder Tisch. Einen wirklich gleichberechtigten Dialog kann es daher in Frankfurt nicht geben. Doch wir werden aufmerksam und kritisch zuhören, was die Deutsche Bank zu sagen hat und hoffen auf ein offenes, aufschlussreiches Gespräch. Wir werden dabei unterstreichen, dass wir nicht hinnehmen, dass eine Bank Geschäfte eingeht, die das Risiko in Kauf nehmen, den Hunger in der Welt zu verschärfen.

Text von Marion Lieser, Geschäftsführerin Oxfam Deutschland e.V.  und David Hachfeld, Referent Wirtschaft und Globalisierung

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