Mit Oxfam auf Tour: Erlebnisse einer ganz besonderen Reise

Schon lange träumt Miriam von einer gerechteren Welt. Als ihr auf einem Tote-Hosen-Konzert ein Oxfam-Flyer in die Hand gedrückt wird, macht es bei ihr Klick – sie meldet sich selbst bei Oxfam on tour an und macht sich auf den Weg, etwas zu bewegen. Im Blog berichtet sie von ihren Erfahrungen.
Von Miriam Markus
Auf einem großen Konzert singt das Publikum und schwenkt Fahnen im vom Nebel reflektierten Scheinwerferlicht
Das perfekte Dankeschön für den ehrenamtlichen Einsatz: ein Konzert mit toller Stimmung!

Heute ist Sonntag. Eigentlich ein entspannter Tag, an dem ich im Alltag das tue, was wohl viele von uns an einem Sonntag tun: ausschlafen, abschalten, ein wenig Sonne tanken. Aber was ist schon alltäglich an Tagen wie diesen?

Ich fühle mich, als wäre ich gestern einen Marathon gelaufen. Oder hätte Brennholz für die nächsten drei Winter gesammelt. Und gesammelt habe ich gestern tatsächlich, allerdings kein Brennholz, sondern Unterschriften. Unterschriften für eine Sache, für die ich brenne – und so schließt sich der Kreis. Dieser Kreis ist eine wunderschöne Reise, auf die ich in diesem Jahr gegangen bin. Eine Reise aus der passiven Unterstützung hinein in die aktive Unterstützung einer Organisation, die mich schon viel länger begleitet. Eine Reise voller Begegnungen mit Menschen, die bewegend sind und etwas bewegen.

Wie alles begann

Vor noch nicht einmal einem Jahr war ich auf einem Konzert der Toten Hosen. Damals als Begleitung und nicht so richtig wissend, was mich erwarten würde. Kaum hatten wir die Halle betreten, bekam ich plötzlich einen Flyer von Oxfam in die Hand. Oxfam? Hier?

Oxfam kenne ich bereits aus meiner Kindheit. Immer mal wieder fand ich in unserem Haushalt das bekannte Oxfam-Logo auf Beuteln oder Flyern. Ich habe schon immer von einer gerechteren Welt geträumt, von einer Welt ohne Armut und ohne Not. Träume, die ihren Ursprung im Sozialkundeunterricht fanden, in dem ich nicht verstand, warum wir Ausbeutung zulassen und die Augen verschließen statt zu handeln. Oxfam hat diese vielleicht naiven Träume für mich greifbar gemacht und die Lösungen zu aufgezeigten Problemen gleich mitgeliefert. Und auch als ich später merkte, dass das Ungleichgewicht auf der Welt viel komplexer ist und Lösungen im Kampf gegen Armut und Ausbeutung mitunter neue Probleme aufwerfen, blieb ich bei Oxfam hängen.

Und dann hielt ich ganz überrascht diesen Flyer in der Hand und beschloss, mich eines Tages selbst bei Oxfam on tour zu bewerben.

Es geht los!

„Eines Tages“ kommt manchmal schneller als gedacht und so füllte ich online das Registrierungs-Formular aus. Als mögliche Wunschstädte trug ich ein paar Orte ein, die ich gut erreichen konnte, in der Hoffnung, für ein Konzert eine Zusage zu erhalten.

Wochen später fand ich dann gleich zwei Zusagen für Hannover und Dresden in meinem Postfach. Wahnsinn, ich durfte wirklich dabei sein! Die Tage vergingen, die Tour nahte und kurz vor Tourbeginn las ich in der Konzert-Aktivist/innengruppe auf Facebook, dass für das anstehende Konzert in Braunschweig noch Plätze im Team frei waren. Ob es wohl noch ein drittes Mal klappen würde …? Spontan meldete ich mich und erhielt ebenso spontan grünes Licht. Alle relevanten Informationen zur Kampagne erhielt ich per E-Mail. Den Tag vor dem Konzert verbrachte ich also mit … Lernen. Ich wollte vorab so viel Wissen wie möglich aufsaugen. Aber richtig internalisieren konnte ich die angelesenen Informationen dann ohnehin erst durch die Arbeit im Team und durch das Briefing vor Ort.

Eine Gruppe Konzertaktivist/innen sitzt im Schatten von Bäumen, während Ole Plogstedt erzählt
Vor jedem Einsatz gibt es ein Briefing; in Braunschweig kam Kampagnenbotschafter Ole Plogstedt dazu und berichtete aus Ecuador.

Das Team, bestehend aus alten Hasen, Neueinsteigern, Menschen verschiedenster Herkunft, verschiedenster Berufe und verschiedensten Alters, habe ich sehr schnell am vereinbarten Treffpunkt gefunden. Uns alle verband das Ziel, an diesem Tag gemeinsam über die Arbeitsbedingungen auf Südfruchtplantagen aufzuklären und mit so vielen Unterschriften wie möglich für faire Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Ich hatte zudem das riesengroße Glück, dass Ole Plogstedt als Kampagnen-Botschafter bei meinem allerersten Briefing anwesend war und von seinen ganz persönlichen traurigen Erfahrungen aus Ecuador berichtete.

Miriam Markus und zwei weitere Konzertaktivistinnen in voller Montur zum Sammeln von Unterschriften
Ob seit Jahren dabei oder zum ersten Mal: Teamspirit ist, was uns durch den Abend trägt.

Und dann ging es auch schon los. Ausgestattet mit Oxfam-Shirt (das wir als Erinnerung übrigens behalten durften!), Buttons, Flyern und natürlich einer Menge leeren Unterschriftenlisten, die gefüllt werden wollten, schwirrten wir aus. Zuerst habe ich noch zugehört, wie die Erfahrenen im Team das machen, wie sie sich vorstellen, was sie sagen … Und dann sprach auch ich endlich den ersten Konzertbesucher an. Durch das informative Briefing und die von Anfang an warme und herzliche Atmosphäre im Team kostete das auch schon gar nicht mehr so viel Überwindung. Die Konzertbesucher/innen waren insgesamt sehr offen und erzählten mir viel über ihre eigenen Erfahrungen im Supermarkt, auf Reisen und im Beruf. Und so durfte ich an diesem Abend nicht nur informieren und Unterschriften sammeln, sondern auch selbst vieles lernen.

Mit all den Glücksgefühlen im Gepäck war unsere Aufgabe mit der Abgabe unserer Ausrüstung am Oxfam-Stand vor Konzertbeginn erfüllt und wir durften das Konzert erleben. Und so ein Konzert nach getaner Arbeit fühlt sich fast ein kleines bisschen wie eine Belohnung an und ist mit all den Erlebnissen im Gepäck noch einmal intensiver. Zum Glück wusste ich an diesem Abend, dass ich noch in Hannover und Dresden im Team sein würde. Und so konnte ich das Konzert mit dem Gefühl genießen, dass das kein Abschied, sondern erst der Anfang war …

Nächster Halt …

Ein Team von Konzertaktivist/innen an einem Oxfam-Stand
Das ganze Team vor dem Konzert in Hannover

… Hannover. Inzwischen fühlte sich alles schon sehr vertraut an. Manche im Team kannte ich bereits aus Braunschweig und ich war glücklich und zugleich demütig, Teil einer so wunderbaren Sache sein zu dürfen, in die sich jeder mit seiner eigenen Arbeitsweise und Persönlichkeit einbringen kann. Diese Diversität empfinde ich als riesengroße Bereicherung.

Inzwischen weiß ich, dass meine Reise auch in Dresden noch nicht beendet war. Glücklicherweise darf ich mich noch ein paar Mal so fühlen, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Woher kommt die Erschöpfung? Die Konzertgelände sind groß und die Suche nach Gesprächspartnern ist mitunter mit ein paar Schritten mehr verbunden. Manche Gespräche sind sehr emotional, andere erfordern besonders viel Konzentration. Die Verarbeitung dieser intensiveren Gespräche geschieht bei mir immer etwas zeitversetzt, wenn die Musik aus ist und ich wieder alleine bin. Aber gibt es wirklich einen erfüllenderen Erschöpfungsgrund als für eine gute Sache gekämpft zu haben?

Für mich ist Oxfam on Tour ein riesengroßes Geschenk. Ich liebe das Gefühl, wie aus zunächst fremden Menschen innerhalb kürzester Zeit ein Team entsteht. Wohin die Reise geht? Ich habe keine Ahnung! Aber schließlich ist der Weg das Ziel. Und das hier ist einer der schönsten Wege, die ich je gegangen bin.

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