Rohingya in Bangladesch: Eine Hebamme bringt Hoffnung

Rajiah musste wie Millionen andere Rohingya aus Myanmar fliehen. Im Flüchtlingscamp in Bangladesch unterstützt die gelernte Hebamme werdende Mütter und ist durch ihre selbstbewusste Art zugleich ein Vorbild für alle Frauen dort.
Von AJM Zobaidur Rahman
Rajiah in ihrem Haus in Cox's Bazar, Bangladesch.
Rajiah in ihrem Haus in Cox's Bazar, Bangladesch.

Vor sechs Monaten musste Rajiah vor der Gewalt in ihrer Heimat Myanmar fliehen, zusammen mit ihrer jüngeren Tochter, die 15 Jahre alt ist. Rajiah lebt jetzt mit ihr in einem Flüchtlingslager in Bangladesch mit Tausend anderen Rohingya. Die 46-Jährige ist eine von fast einer Million Rohingya, die jenseits der Grenze in Bangladesch Schutz suchen. Diese enorme Zahl an Flüchtlingen, von denen mehr als die Hälfte Kinder sind, hat eine massive humanitäre Krise ausgelöst.

Frauen helfen Frauen, zu überleben und sich zu entwickeln

Als älteste von zehn Schwestern war Rajiah während ihres ganzen Lebens von Frauen umgeben. Sie selbst hat neben ihrer 15-jährigen Tochter noch vier weitere Töchter: Zwei leben zusammen mit ihren Ehemännern ebenfalls in Flüchtlingslagern in Bangladesch, während zwei weitere in Myanmar wohnen. Tragischerweise ist Rajiahs Ehemann verschwunden, als die Gewalt in Myanmar ausbrach. Rajiah weiß bis heute nicht, wo er ist. Wie so viele Frauen im Camp muss Rajiah daher ihren Haushalt alleine führen.

Oxfam hat Rajiah als Führungspersönlichkeit kennengelernt: Sie wurde von ihrer Gemeinde einstimmig gewählt, um im Rahmen einer Oxfam-Untersuchung Auskunft über die dringendsten Bedürfnisse der Gemeinde zu geben. Rajiah ist gut ausgebildet und hat ihr Leben lang mit und für ihre Gemeinschaft gearbeitet. Sie erzählte uns, dass sie als Hebamme in Myanmar dabei geholfen hat, rund 10.000 Babys auf die Welt zu bringen.

Als Geflüchtete in Bangladesch bringt sie nun ihre Erfahrungen ein, um die schwangeren Frauen ihrer Gemeinde mit Wort und Tat zu unterstützen. Der Name Rajiah bedeutet „Hoffnung“ – ein Spiegel ihrer Persönlichkeit und ihres Berufs.

Rajiahs Führungsrolle ist ein Vorbild für alle Frauen

Die 46-Jährige wurde in einer relativ wohlhabenden Familie in Myanmar geboren. Bildung war ein elementarer Teil ihrer Kindheit; so sorgte ihre Familie dafür, dass sie und alle ihre Geschwister acht Jahre zur Schule gingen.

Bereits in jungen Jahren lernte Rajiah, Verantwortung zu übernehmen, etwa in der Schule als Klassensprecherin. Später arbeitete sie in ihrer Gemeinde als freiwillige Helferin bei Organisationen wie der UN. Als Gesundheitshelferin spielte sie eine wichtige Rolle im Impfprozess in ihrer Region. Sie trug dazu bei, dass Kinder nicht mehr an vermeidbaren Krankheiten sterben mussten.

Die offene und selbstbewusste Rajiah glaubt fest an die Rolle der Frau außerhalb des Haushalts. Auf diese Weise, so sagt sie, können Frauen Wissen erlangen, sich weiterentwickeln und anderen Frauen als Vorbild dienen. Rajiah ist sehr daran interessiert, zu arbeiten und ihrer Gemeinde weiter zu helfen, besonders den dortigen Frauen.

Oxfam ist vor Ort

Oxfam plant, Frauengruppen in den Flüchtlingslagern zu organisieren, wobei Rajiah die Idealbesetzung ist, um diesen Prozess in ihrer Gemeinde durchzuführen. Mit ihren Führungsqualitäten, ihrer freundlichen und herzlichen Persönlichkeit wird sie sicher erfolgreich dazu beitragen, die Belange von Frauen in der Gemeinschaft zu fördern.

Oxfam konzentriert sich derzeit auch auf die Bereitstellung von Wasser und  Hygieneeinrichtungen, um besser mit den schwierigen Bedingungen der überfüllten Camps und der immensen Zahl an Geflüchteten umgehen zu können. Wir bohren Brunnen und installieren Wasserstellen, Toiletten und Duschen. Zudem arbeiten wir mit freiwilligen Helfern aus der Gemeinde zusammen, um über die Wichtigkeit von sauberem Wasser und guter Hygiene aufzuklären, besonders während der Monsunzeit. Bis jetzt haben wir mit unserer Arbeit mindestens 185.000 Menschen erreicht und hoffen, in den kommenden Monaten mehr als 250.000 zu erreichen.

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