Als ich in der letzten Woche zum Oxfam-Shop nach Leipzig gefahren bin, fuhr der Zug längere Zeit durch die Hochwassergebiete. Durch meine Zeit in Afrika  sind mir Flutkatastrophen und Überschwemmungen wie im August 1988 im Sudan oder im März 2000 in Mosambik bekannt. Und trotzdem: Der Anblick von überschwemmten Feldern, Schnellstraßen und Ortsteilen, von Menschen, die unermüdlich Sandsäcke stapeln, von Rettungswagen und Feuerwehrautos, von Sperrmüllbergen lässt mich nicht kalt. Viele Menschen beschreiben in Blogs, wie es ihnen ergeht. Das macht Gänsehaut.

Klimawandel ist Realität

Zum einen, weil die Natur nicht beherrschbar ist und für uns alle klar wird, dass der Klimawandel Realität ist und unser gemäßigtes Klima nicht mehr so gemäßigt bleiben wird. Es kann sein, dass extreme Wetterereignisse und „Jahrhunderthochwasser“ nun alle zehn Jahre auf uns zukommen und nicht alle Jahrhunderte.
Zum anderen, weil auch in einer wohlhabenden Gesellschaft wie der deutschen die Menschen eine Solidarität zeigen, die hoffen lässt. Ob beim Sandsackstapeln, beim Kaffee kochen, beim Hilfsgütertransport mit dem eignen Auto oder beim Trösten.
Zum dritten geht mir auch diese ungeheure technische Kompetenz nahe. Was haben wir alles an sinnvoller Katastrophenausrüstung bei Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), beim Roten Kreuz und all den anderen? Da sind die Fahrzeuge, die Hochleistungspumpen, die Feldbetten, die mobilen Küchen, die Hubschrauber.

Technische Kompetenz

Oxfam Deutschland gehört nicht zu den Hilfsorganisationen, die bei Inlandseinsätzen aktiv werden. Dafür sind wir zu klein. Aber die angewandte Logistik der anderen ist beeindruckend. In internationalen Nothilfeeinsätzen, wo Oxfam weltweit aktiv ist, sind die Voraussetzungen wesentlich schlechter. Etwa bei Hochwasserkatastrophen in Afrika. Da ist die Solidarität und das Anpacken der Freunde und Verwandten oft das einzige, was Menschen das Überleben in den ersten Stunden sichert. Wir arbeiten in vielen Projekten der Katastrophenvorsorge daran, dass Warnsysteme eingerichtet werden, dass Menschen erfahren, wo sie sich in Sicherheit bringen können und nicht ertrinken müssen. Es gibt dort keine Feuerwehren, kein THW mit schwerem Gerät, nur selten Rettungsdienste. In den Camps, in denen sich dann Überlebende einfinden, kümmert sich Oxfam meist um die Trinkwasserversorgung, um Latrinen und Abwasser. Auch eine grundlegende Versorgung mit sauberem Wasser, mit Nahrung, mit medizinischer Betreuung ist nach Katastrophen in armen Ländern des Südens nicht gewährleistet.

Gute Nachrichten zwischen all den schlechten

Wer sein Hab und Gut in den deutschen Hochwassergebieten verloren hat und vor den Trümmern seiner Existenz steht, den wird das nicht trösten. Denn die Sorgen und die Angst um die Zukunft werden das Leben in den nächsten Wochen und Monaten bestimmen. Und auch in der Katastrophenvorsorge in Deutschland lässt sich sicher etwas verbessern. Doch diese lebensbedrohliche Unsicherheit, die Angst  zu ertrinken, weil es keine Warnung gegeben hat und keine Hilfe kommen wird, dieses entsetzliche Gefühl muss man hier nicht haben.
Und das ist eine gute Nachricht inmitten all der schlechten.  

Kommentieren