Wie so viele fiebern auch wir bei Oxfam der Bundestagswahl entgegen. Jetzt wird es, durch die Ergebnisse der Bayern-Wahl, doch noch einmal spannend. Die Einladungen zu den Wahlveranstaltungen der verschiedenen Parteien gehen ein, Teilnahmen werden besprochen. Und es ist nahezu wahrscheinlich, dass es einen Wechsel im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) geben wird, mit dem wir viel zu tun haben.

Da stellt sich die Frage, ob die Zusammensetzung der künftigen Bundesregierung Einfluss auf den Alltag einer internationalen Nichtregierungsorganisation hat. Die Antwort lautet nein.  Unsere Arbeit ist nicht angelehnt an Legislaturperioden und Wahltermine, der Einsatz für eine gerechte Welt ohne Armut ist zeitlos. Darum ist NICHT-Regierungsorganisation die stimmige Bezeichnung für Oxfam.

Egal welche Partei gewinnt - unsere Forderungen bleiben. Nur die Adressaten ändern sich. Unsere politischen Kampagnen richten sich an die politisch Mächtigen im Land. Denn sie haben die Möglichkeit, im Auftrag der Bürgerinnen und Bürger Veränderungen durchzusetzen. Daneben ist Deutschland eine der wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt und das Wort der deutschen Regierung hat Gewicht.

Alte Forderung – neue Adressat/innen

Wenn Oxfam in Deutschland ein Thema in der öffentlichen Debatte hält, so wirkt das auch über die Grenzen hinaus. Daher möchte ich an dieser Stelle für die Demonstration gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln am 15. Oktober in Frankfurt/Main werben. Diese Veranstaltung wird eindrucksvoll, weil wir gemeinsam mit befreundeten Organisationen ein Absperrband durch das Frankfurter Bankenviertel spannen werden, das „Spekulanten in die Schranken“ weisen soll. Unsere Forderung richtet sich dabei zum einen an die neue Bundesregierung, zum anderen aber auch an die Unternehmen, die mit den Wetten auf Nahrungsmittelpreise Millionen machen. Sie sollten aus diesem Geschäft mit dem Hunger aussteigen.

Seit Mai 2013 hat Oxfam Unterschriften gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln gesammelt, auf der Straße, in den 44 Oxfam-Shops, auf den Konzerten mit den Toten Hosen. Mehr als 36.000 haben bereits mitgemacht. Jede Unterschrift hat das Absperrband um zehn Zentimeter verlängert. Und noch kann man mitmachen. Einiges haben wir schon erreicht. Viele Banken handeln inzwischen verantwortungsvoll und verzichten auf die Spekulation mit Nahrungsmitteln, vor allem der Ausstieg der Volksbanken hat Schwung in die Debatte gebracht, wie Christoph Bautz erläutert.

Doch die Branchenriesen Allianz und Deutsche Bank bleiben bisher hart. Daher werden wir mit unserem Absperrband von der Deutschen Bank (Taunusanlage 12) über die Börse bis zur Allianz Global Investors (Odina-Bott-Platz) ziehen. Und obwohl zu Beginn unserer Arbeit die Fronten zwischen Gegner/innen und Befürworter/innen klar definiert waren, gibt es erfreulicherweise auch aus der Wirtschaftsszene immer öfter Beiträge, die sich sehr differenziert mit dem Thema auseinandersetzten, wie etwa Karl-Heinz Thielmann in seinem Blog.

Die derzeitige politische Phase, in der die alte Regierung nicht mehr, die neue noch nicht handelt, hat etwas Nebelhaftes an sich. Wie hoch das Thema „Spekulanten in die Schranken“ auf die Tagesordnung der neuen politischen Machthaber/innen kommt, hängt mit der Kraft des öffentlichen Rufs nach einer Eindämmung der Spekulationen mit Nahrungsmitteln zusammen. Und mit dem Druck, den wir am 15. Oktober in Frankfurt/Main mit der Demonstration erzeugen können. Seid dabei!

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