Am Donnerstag, 8. September 2011, ist der Dokumentarfilm „Taste the waste“ in den deutschen Kinos angelaufen. Er zeigt, wie viel brauchbares Essen in Deutschland und anderen Industrienationen auf dem Müll landet. Zusammengenommen würde es reichen, um alle Hungernden der Welt zu ernähren. Selbst die ambitionierten Millenniumsziele fordern gerade einmal die Halbierung der Zahl der hungernden Menschen weltweit.

Natürlich können wir nicht einfach all das unliebsame Essen nach Afrika schicken, um dort Abhilfe zu schaffen. Aber das Konsumverhalten der westlichen Welt verschärft das Hungerproblem. Immer mehr Flächen in den Entwicklungsländern werden ausschließlich für den Anbau von Produkten, die für den Export bestimmt sind, genutzt. Den Kleinbauern vor Ort wird ihre Lebensgrundlage entzogen. Zusätzlich werden durch den Klimawandel weltweit immer weniger Anbauflächen nutzbar. Diese und andere Faktoren haben zu einer massiven Preissteigerung für Lebensmittel geführt. Für die Menschen im globalen Süden wird Essen immer unerschwinglicher.

In Anbetracht dieser Tatsache ist eine Debatte über die Wertschätzung von Essen nötiger denn je. Nur weil ein Produkt nicht aussieht wie in der Werbung, müssen wir es noch lange nicht wegwerfen. Der Film zeigt, wie Supermarktmitarbeiter Joghurt aussortieren, der erst in einer Woche sein Haltbarkeitsdatum überschreitet. Vielen anderen Produkten ergeht es ähnlich. Und so landen tonnenweise genießbare Lebensmittel auf dem Müll.

Aus der Erkenntnis, dass das, was in der Tonne landet, nicht unbedingt schlecht ist, hat sich die Bewegung der Mülltaucher gebildet. Sie ziehen abends los und steigen in Mülltonnen, um noch genießbare Lebensmittel zu finden. Die Ausbeute ist erstaunlich gut. Einer der Mülltaucher erzählt, dass er monatlich nur noch etwa 15 Euro für Lebensmittel ausgibt. Und ein Stück Moral schwingt auch mit − ein kleiner Beitrag zu einer Welt, in der weniger Essen weggeschmissen wird.

Für „Taste the waste“ hat der Filmemacher Valentin Thurn viele Ecken dieser Welt bereist und zeigt, wie man aus Essensresten in Japan Tierfutter herstellt, wie daraus Energie gewonnen werden kann oder wie sich in den USA Aktivisten mit Farmern zusammengeschlossen haben und auf vielen Märkten preiswert lokales Gemüse und Obst anbieten. Es gibt viele Möglichkeiten weniger Müll zu produzieren und ihn, wenn er anfällt, besser zu nutzen. „Taste the waste“ hat sie zusammen getragen. Dafür lohnt sich der Film. Er regt zum Nachdenken an, darüber wie wir konsumieren und was wir von Produkten erwarten.

Würdest du als Protest auch nach Müll tauchen?

1 Kommentar

Der Film Taste the waste ist enorm gelungen, endlich mal etwas anderes und es trifft den Zahn der Zeit. Wer hat den immer lust die Royals, Schickimicki im TV zu sehen... Themen die die Welt bewegen, sie verändern und verbessern. Sowas gehört auf die Leinwand! Mir und meinen Freundinnen hat der Film sehr gefallen, wir waren gemeinsam im Hamburger Kino.

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