Show und Schein. Die Oxfam-Big-Heads bringen es vor dem Moulin Rouge in Paris auf den Punkt. Der Gipfel der acht reichsten Industrienationen im französischen Deauville ist ohne zählbares Ergebnis zu Ende gegangen.

Was unter dem Strich bleibt, ist die mit großer Geste zelebrierte Einigung darauf, den „Arabischen Frühling“ mit 20 Milliarden US-Dollar zu unterstützen. Auf den ersten Blick ein zu begrüßendes Ergebnis. Doch nach den Versprechungen der letzen Treffen bleibt der fade Beigeschmack, dass der G8-Gipfel in der Normandie für die politischen Akteure nur eine willkommene Auszeit von innenpolitischen Querelen ist.

Erinnern wir uns doch kurz an den Gipfel von Gleneagles vor sechs Jahren. Damals wurde vollmundig versprochen bis 2010 die die jährliche Entwicklungshilfe um 50 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Davon sind inflationsbereinigt nicht einmal zwei Drittel tatsächlich gezahlt worden. Gleiches gilt für die 22 Milliarden US-Dollar, die in L’Aquila für Ernährungssicherung zugesagt worden. Mehr als drei Viertel der Gelder fehlen auch hier.

Inwieweit sich die 20 Milliarden US-Dollar für die aufstrebenden nordafrikanischen Länder in die Reihe gebrochener Versprechen einreihen werden, bleibt abzuwarten. Zu befürchten ist dennoch, dass die reichen Industrienationen versuchen, mit einem populären Thema zu punkten und dabei vergessen, dass Worten auch Taten folgen müssen.  Denn Taten sind vor allem das Stichwort für Subsahara-Afrika. Auch dort streben Menschen nach Entwicklung und Demokratie, doch die G8 schweigen dazu, wie sie ihre Hilfszusagen für diese Region Afrikas einhalten wollen.

Hier offenbart sich das Grundproblem im Dauerreigen internationaler Treffen mit ihren obligatorischen Zusagen und Versprechungen: Trotz der institutionellen Bedeutungsschwere dieser Zusammenkünfte gibt es keinen funktionierenden Mechanismus, der die globalen Verantwortungsträger verpflichtet, ihre Zusagen zu halten und Versprechen einzulösen. Dass leere Worte in normannischen Luxus-Badeorten aber im globalen Süden reale Folgen haben, steht natürlich in keinem glattgebügelten Abschluss-Kommuniqué.

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