Die Bundesregierung erklärte kürzlich, dass sie das im vergangenen Jahr von den Vereinten Nationen beschlossene Abkommen zur Kontrolle des Handels mit konventionellen Waffen („Arms Trade Treaty“, kurz: „ATT“) ab sofort, also noch vor der förmlichen Ratifizierung, anwenden wird. Dass es den “ATT“ überhaupt gibt, ist vor allem einer 10-jährigen Kampagne von Oxfam, Amnesty International, dem Internationalen Aktionsnetzwerk gegen Kleinwaffen (IANSA) und anderen internationalen Nichtregierungsorganisationen zu verdanken.

Anna Macdonald, Oxfams führende Expertin für Rüstungskontrolle, hat die Kampagne „Control Arms“ (deutscher Name: „Waffen unter Kontrolle!“) von Anfang an begleitet und maßgeblich mitgestaltet. Letzte Woche war sie bei uns zu Besuch, um uns einige der Erfolgsfaktoren der Kampagne vorzustellen.

Kampagnen-Instrumente

Als „Control Arms“ 2003 ins Leben gerufen wurde, war das Thema noch nicht auf der Tagesordnung der UN. Um eine breite Öffentlichkeit zu mobilisieren und internationalen Druck zu machen, wurde u.a. die weltweite Foto-Petition „Eine Million Gesichter“ für den „ATT“ organisiert. Gesammelt wurden die Fotos damals noch ganz offline: auf der Straße sowie bei Open-Air-Konzerten und anderen Veranstaltungen in vielen Ländern. Wenn keine (der damals noch ziemlich teuren) Digitalkameras zur Hand waren, konnten die Gesichter der Unterstützer/innen auch einfach auf Papier gemalt und dann eingescannt werden.

Verschiedene "Control Arms"-Aktionen weltweit
Verschiedene "Control Arms"-Aktionen weltweit

Ab 2010 wurden dann gezielt soziale Netzwerke in die Kampagnenaktivitäten integriert. Vor allem Twitter erwies sich als geeignetes Tool, um in direktem Kontakt mit Entscheidungsträger/innen auf Regierungsebene zu kommen und wo nötig, Druck auszuüben. Am Ende hatten sich sogar zahlreiche Delegierte in regelrechte „Twitter-Junkies“ verwandelt, die live aus dem UN-Saal Updates und Botschaften texteten.

ATT-Abstimmungsergebnisse machen auch Twitter die Runde
ATT-Abstimmungsergebnisse machen auch Twitter die Runde

 

Annas Fazit: Eine Kampagne muss flexibel genug sein, neue Mitmach-Formen schnell zu integrieren. Man sollte mit neuen Mitmach-Möglichkeiten experimentieren, Erfahrungen sammeln und daraus lernen.

Die Sinn-Frage stellen

Anna betonte einen weiteren Aspekt, der zum Erfolg der Kampagne beigetragen hat: Die enge Zusammenarbeit mit Überlebenden von Waffengewalt und deren Organisationen und Initiativen, war von Anfang an fester Bestandteil der Kampagne. Die Belange der Überlebenden standen dabei immer im Mittelpunkt der Kampagne. Die direkte Kommunikation mit Überlebenden und Entscheidungsträger/innen ist ein machtvolles Instrument der Kampagnenarbeit. Gleichzeitig war die Einbeziehung der Überlebenden auch immer ein Korrektiv für die strategische Planung und Ausrichtung der Kampagne.
Annas Fazit: Man sollte sich regelmäßig die Frage stellen, nutzt das, was ich mache, den Menschen vor Ort, die von Waffengewalt bedroht sind?

Über Kollaboration

Je fragmentierter die Zivilgesellschaft ist, desto mehr ist sie den Interessen und Spielregeln der Mächtigen ausgeliefert. Deshalb ist es so wichtig, Bündnisse zu schaffen und gemeinsam zu arbeiten. Denn nur eine koordinierte, gut aufeinander abgestimmte Zivilgesellschaft kann es im Idealfall schaffen, die Spielregeln zu ihren Gunsten zu beeinflussen oder sogar umzudrehen.

Annas Fazit: Die Control-Arms-Kampagne hat gezeigt, dass das möglich ist.

Eine Zusammenfassung der 10 Lessons Learned, die uns Anna vorgestellt hat, kann man demnächst auf dem Blog von Duncan Green lesen. Wir verlinken dann hier.

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