Auch heute noch gilt wohl für die allermeisten Menschen das Zitat der Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters: „Wir wollen lieber fliegen als kriechen.“ Am 8. März ist Internationaler Frauentag – zum  104. Mal mittlerweile. Also, warum noch darüber schreiben? Weil es noch so viel zu tun gibt!

Gleiches Recht ja – Gleichberechtigung nein

Eine der ältesten Formen sozialer Ungleichheit ist die zwischen Frauen und Männern – und sie ist leider immer noch sehr aktuell. Das heißt, dass ein immenser Teil der Weltbevölkerung – nämlich die weibliche Bevölkerung – von Ungleichheit betroffen ist. Die unterschiedlichen Facetten von Ungleichheit, wie etwa die Ungleichheit bei Vermögen und Einkommen oder politischen und gesellschaftlichen Partizipationsmöglichkeiten, sind zwar je nach Region und Staat verschieden stark ausgeprägt. Fakt ist jedoch, dass weltweit kein einziger Staat die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern vollkommen überwunden hat. Obwohl der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ beispielsweise im deutschen Grundgesetz und in diesem Sinne auch in vielen anderen Gesetzbüchern dieser Welt steht, sind Männer und Frauen de facto nicht gleichberechtigt. Das gilt hier und überall sonst.

Um Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern, Jungen und Mädchen zu erreichen, gibt es noch viel zu tun. Gleichberechtigung ist keine reine Frauensache. Sie geht uns alle etwas an und fordert uns alle jeden Tag.

Viel ist erreicht – noch lange nicht genug

In den letzten 20 Jahren hat es tatsächlich Fortschritte gegeben. Aber für zu viele Frauen und Mädchen hat sich zu wenig verändert – insbesondere in armen Ländern – aber auch hier. Weltweit gibt es ca. 774 Millionen Analphabeten. Zwei Drittel davon sind Frauen und Mädchen. Die Zahl der Mädchen und Frauen, die nicht lesen und schreiben können, ist seit über zehn Jahren beinahe konstant geblieben.

Auch das Recht auf  Gesundheit wird vielen Frauen und Mädchen verwehrt: Reproduktive und sexuelle Selbstbestimmung für Frauen und Mädchen? Für viel zu viele eine Utopie. Weltweit haben rund 225 Millionen Frauen die verhüten möchten, keinen Zugang zu adäquaten Verhütungsmitteln. Gleichzeitig stellen Schwangerschaft und Geburt für Frauen noch immer ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Jeden Tag sterben 800 Frauen an vermeidbaren Folgen von Schwangerschaft und Geburt. Beinahe unvorstellbar! Ebenso unvorstellbar, dass eine von drei Frauen auf der Welt physische oder sexualisierte Gewalt erlebt. Zunächst ist das abstrakt. Stellt man sich aber vor, was 'eine von drei Frauen' beispielsweise im privaten oder beruflichen Umfeld bedeutet, wird diese Zahl greifbar. Leider ist das kein Gedankenexperiment sondern Realität.

Auch in der Arbeitswelt sind die Aussichten für Frauen nicht gerade rosig. Rund 50 Prozent der bezahlten Arbeitskräfte sind mittlerweile Frauen. Das sind immerhin zehn Prozent mehr als noch 1990. Allerdings verdienen Frauen 10 bis 30 Prozent weniger als Männer – für die gleiche Arbeit. Erst in 74 Jahren wird es bei dem derzeitigen Tempo der Verdienstanpassung gleiches Gehalt für gleiche Arbeit geben.

Frauen bleiben noch immer außen vor, wenn es um ökonomische oder politische Macht geht: Nur 25 Frauen stehen einem der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt – sogenannte Fortune 500 – vor. Ähnlich sieht es in der Politik aus. Gerade einmal 22 Frauen sind weltweit Staats- oder Regierungschefin.

Wie weiter im Jahr 2015?

Dieses Jahr sollen Frauen auch im Fokus des G7-Gipfels stehen, der unter Schirmherrschaft der deutschen Bundesregierung auf Schloss Elmau in Oberbayern stattfinden wird. Inwiefern Bundeskanzlerin Angela Merkel (eine der 22 Staats- und Regierungschefinnen der Welt) gemeinsam mit ihren Kollegen aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA (deren Staats- und Regierungschefs allesamt Männer sind) tatsächlich den Weg für mehr Gleichberechtigung auf der Welt (auch in den G7-Staaten) ebnen wird, bleibt abzuwarten.

Ändert sich am Tempo der Veränderungen nichts, werde ich zum Beispiel den Zeitpunkt, an dem Frauen gleiches Gehalt für gleiche Arbeit bekommen, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht mehr erleben, denn dann bin ich bereits über 100 Jahre alt. Ganz ehrlich, das ist keine Option! Ich erwarte mehr! Die Lösung ist nicht einfach. Viele tradierte Handlungs- und Gedankenmuster müssen durchbrochen werden, und das obwohl auf den ersten Blick oft gar nicht ersichtlich ist, wie sehr gewohnte Verhaltensweisen das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern perpetuieren. Das ist anstrengend! Aber diese Anstrengung müssen wir auf uns nehmen – und uns meint: Frauen und Männer! Politik und Gesellschaft, du und ich!

Mehr Informationen zu sozialer Ungleichheit in Oxfams Kampagnen Report „Besser Gleich!“ und während unserer Frauenwoche auf Facebook und Twitter.

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