Zu den Standardfragen an Mitzwanziger-Studis gehören sicherlich „Und was machst du so?“ und „Sag mal, was hast du studiert?“. Meine Antwort: „Politikwissenschaft.“ Dann werden die üblichen langweiligen Folgefragen gestellt, die meine Kompetenzen in Zukunftsgestaltung und Lebensplanung meist geradeheraus in Frage stellen. „Und was machst du dann damit?“, ist wohl die harmloseste Variante. Meine Antwort fällt dann meist etwas länger aus.

Ich beschäftige mich mit internationaler Steuergerechtigkeit. An der Uni forsche ich zu Steuern und arbeite bei Oxfam Deutschland in der Kampagne zu Steuergerechtigkeit mit. Das Thema lag auch bei mir nicht immer im Fokus, aber seit ich mich damit beschäftige, wird mir täglich aufs Neue bewusst, welche Auswirkungen Steuern auf mein Leben haben.

Meine Ausbildung wird bezahlt – von Steuergeldern. Nicht einmal Studiengebühren muss ich bezahlen. Ich düse günstig von A nach B mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die durch staatliche Gelder subventioniert werden. Ich weiß, das System ist weit entfernt davon, perfekt zu sein, aber fast alle leisten ihren Beitrag für das Allgemeinwohl durch Steuern.

Deshalb verstehe ich nicht, warum sich nicht mehr Menschen darüber aufregen, dass Konzerne ihre Steuern „optimieren“ – was so viel bedeutet, wie so wenig wie möglich oder gar keine Steuern zu zahlen. Viele Konzerne entziehen sich ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl.

Wie profitieren Konzerne von Steuergeldern?

Ein Beispiel: Nehmen wir an, ich bin eine gut ausgebildete, kreative, flexible, belastbare und teamfähige junge Frau und ein multinationaler Konzern stellt mich ein. Dieser Konzern profitiert dann von meiner Bildung, die durch Steuergelder finanziert wurde und das Unternehmen profitiert davon, dass ich auf den durch Steuern finanzierten Straßen und Schienen zur Arbeit komme. Ich arbeite und das Unternehmen macht Gewinne – auch, weil ich produktiv bin. Ich zahle Steuern auf mein Gehalt. Der multinationale Konzern aber versucht, sich auf Biegen und Brechen um seinen Steueranteil zu drücken. – Obwohl er doch so sehr davon profitiert, dass andere zahlen! Ein Nehmen ohne Geben.

Wir sind alle betroffen!

Steuervermeidung ist ein globales Problem. Nicht nur in Europa werden Steuern vermieden. Den sogenannten Entwicklungsländern entgehen jährlich ca. 100 Milliarden US-Dollar durch die Steuertricks der Konzerne.

In vielen ärmeren Ländern muss für Bildung gezahlt werden. Von der Grundschule bis zur Universität müssen Eltern oft abwägen, ob sie ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen können. Auch Gesundheitsversorgung ist meist teuer und passt nicht ins monatliche Budget vieler Familien. Außerdem ist das nächste Krankenhaus oft weit entfernt. Die fehlenden Steuermilliarden der Konzerne könnten definitiv gut in Bildung und Gesundheit investiert werden.

„Reg dich doch nicht so auf!“

Wenn ich fertigerzählt habe, höre ich meist diesen einen Satz: „Reg dich doch nicht so auf!" Meine Gegenfrage: „Wenn wir uns nicht aufregen, wer denn dann?“ Es muss etwas geschehen und deshalb versuche ich, meine durch Steuern finanzierte Bildung, meinen durch Ungerechtigkeiten verursachten Ärger und die daraus resultierende Energie, wie viele andere Steueraktivist/innen auch, für mehr Transparenz und Steuergerechtigkeit einzusetzen.

Es ist wie beim Steuernzahlen: Jeder und jede leistet einen kleinen Teil, damit das große Ganze besser und gerechter wird.

Auch ihr könnt jetzt euren kleinen Betrag leisten und euren Ärger über Ungerechtigkeit in Aktion umwandeln, indem ihr hier für mehr Transparenz und Steuergerechtigkeit unterschreibt.

1 Kommentar

Sehr geehrte Frau Massute,
ich stimme Ihnen voll und ganz zu.
Viele Grüße Irene Stenzel-Hampe

Kommentieren