„Erstmals gibt es einen globalen Kodex zur sozialen Verantwortung, der von Nichtregierungsorganisationen (NGO), Regierungen, Gewerkschaften, Verbrauchern und Unternehmen gemeinsam ausgehandelt wurde“, sagt Dr. Franziska Humbert, Oxfams Expertin für Arbeitsrechte. „Das ist ein großer Schritt nach vorn. Es wurden – auch auf Druck von Oxfam – wesentliche Kernelemente sozialer Unternehmensverantwortung aufgenommen. Die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten sowie Umweltstandards gelten jetzt auch für Zulieferbetriebe. Neu ist, dass Lieferanten faire Bezahlung erhalten müssen. Auch tragen die Unternehmen nun Verantwortung für Heimarbeiter/innen und Kinder, die z. B. in Pakistan Fußbälle für die Europameisterschaft nähen.“

Problematisch ist hingegen, dass Unternehmen den Leitfaden als ein „Gütesiegel“ für soziale Verantwortung missbrauchen könnten. Schon heute böten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsorganisationen Unternehmen eine „Zertifizierung" durch ISO 26 000 an – wofür das Dokument nicht gedacht und nicht geeignet ist. „Wie der Leitfaden in der Praxis verwendet wird, ist kaum überprüfbar“, so Volkmar Lübke vom BBU. Die Gewerkschaften haben daher sogar gegen die Verabschiedung der Norm gestimmt.

Wolfgang Guhle, für Normung zuständiges Vorstandsmitglied des BBU, erklärte, dass es ohne die Mitwirkung der Nichtregierungsorganisationen nicht möglich gewesen wäre, die Öffentlichkeit schon in der Startphase einer Norm über deren Stärken und Schwächen und Missbrauchsmöglichkeiten zu informieren. „Die Umweltverbandsvertreter, die beim DIN, dem Deutschen Institut für Normung, auch in denjenigen Normungsausschüssen mitarbeiten, die sich mit Zertifizierung befassen, werden darauf einwirken, dass mit dem Leitfaden kein plumpes Greenwashing betrieben werden kann.“

Hintergrund

Seit 2004 verhandeln Vertreter von Regierungen, Gewerkschaften Verbraucher-, Beratungs- und Nichtregierungsorganisationen, aus Wirtschaft und Wissenschaft die ISO 26 000: Ziel ist, Menschen- und Arbeitsrechte, Umwelt- und Verbraucherschutz und das jeweilige regionale Umfeld bei der Übernahme von sozialer Verantwortung zu verankern.

Oxfam Deutschland ist eine unabhängige Hilfs- und Entwicklungsorganisation, die sich für eine gerechte Welt ohne Armut einsetzt. Im internationalen Verbund Oxfam kooperieren 14 nationale Oxfam-Organisationen mit mehr als 3.000 lokalen Partnerorganisationen in fast 100 Ländern.

Der BBU ist der Dachverband zahlreicher Bürgerinitiativen, Umweltverbände und Fördermitglieder. Er wurde 1972 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn. Informationen unter www.bbu-online.de