Riskant und weitgehend nutzlos für die Armutsbekämpfung sind große staatlich unterstützte  Agrarprojekte privater Unternehmen in Afrika. Zu diesem Fazit kommt eine aktuelle Untersuchung von Oxfam, die den Trend zu landwirtschaftlichen Kooperationsvorhaben westlicher Konzerne und Regierungen („public-private partnerships“, kurz: PPPs) kritisch unter die Lupe nimmt. Die Entwicklungsorganisation fordert, öffentliche Investitionen an den Bedürfnissen kleinbäuerlicher Produzent/innen auszurichten sowie lokale Märkte und Landrechte zu schützen.

EU-Projekt trägt zu Landkonflikten bei

Die Studie „Hohes Risiko - Moral Hazard“ zeigt, welche mitunter verheerenden Folgen so genannte Mega-PPPs haben:  „Es profitieren die Privilegierten und Mächtigen, während ärmere Bevölkerungsgruppen an den Rand gedrängt werden, vor allem Frauen“, fasst David Hachfeld, Wirtschaftsexperte bei Oxfam, die Ergebnisse zusammen. Gründe hierfür sind unter anderem Konflikte um Land und Wasser, steigende Preise auf lokalen Märkten, Umweltschäden und mangelnde Partizipation. Ein Beispiel: In Malawi fördert die Europäische Union (EU) ein Projekt mit dem Ziel, die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in die Lieferkette des südafrikanisch-britischen Zuckerkonzerns Illovo zu integrieren. Doch bei der Landvergabe wird die lokale Bevölkerung übergangen. Während der Konzern riesige Plantagen anlegt, verschärft sich für Kleinbäuerinnen und -bauern das Armutsrisiko. Das soziale Gefüge wird nachhaltig gestört. In mehreren Orten im Land sind inzwischen lokale Widerstandsbewegungen entstanden.

Es fließen öffentliche Gelder in Milliardenhöhe

Bei westlichen Regierungen ist die Begeisterung für Mega-PPPs dennoch groß: Im Rahmen der Neuen Allianz für Ernährungssicherung, einer von den G8-Staaten gegründete PPP,   stellten den zehn bisher beteiligten afrikanischen Staaten für die kommenden Jahre rund sechs Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe in Aussicht. Ferner gewährten sie rund 1,5 Milliarden in Form von Zuschüssen und Darlehen für Programme im Rahmen der so genannten Wachstumskorridore.

Auch die Bundesregierung hat im Rahmen der neuen Allianz rund 400 Millionen US-Dollar Entwicklungshilfe für ländliche Entwicklung und Landwirtschaft zugesagt. Und für die German Food Partnership (GFP), an der Agrarkonzerne wie Bayer und BASF beteiligt sind, stehen 20 Millionen Euro bereit. „Es ist ein Irrweg, Entwicklungshilfe für  Großkonzerne zu leisten. Wir fordern Bundesentwicklungsminister Müller auf, stattdessen die nachhaltige kleinbäuerliche Landwirtschaft zu stärken und gemeinsam mit Kleinbauernorganisationen Projekte zu entwickeln, die überwiegend die Ernährung der einheimischen Bevölkerung sichern“, erklärt Hachfeld.

In der aktuellen Studie geht Oxfam drei Fragen nach: Wer profitiert von diesen Mega-PPPs? Wer schultert das Risiko der Initiativen? Wer wirkt bei der Entscheidung über Projekte mit? Die Untersuchung basiert auf einer umfangreichen Literaturrecherche, Experteninterviews und drei Fallstudien aus Burkina Faso, Malawi und Tansania. Mehr Informationen unter www.oxfam.de/informieren/agrarkonzerne.