Marktmacht und Gefahren für Leben und Gesundheit  

Bereits jetzt teilen sich nur noch vier Unternehmen – Edeka, Rewe, die Schwarzgruppe und Aldi – 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels und können mit dieser Marktmacht ihren Lieferanten Konditionen und Preise diktieren. Die Lieferanten wiederum geben diesen Preisdruck weiter, was hier und in Entwicklungsländern Gesundheit und Leben gefährdet. Das bedeutet zum Beispiel, dass Einkommen von Kleinbäuerinnen und -bauern in der Bananenindustrie in Ecuador und Kolumbien unter der Armutsgrenze liegen (s. Oxfam-Studie zu Bananenpreisen).

In einigen Betrieben gibt es wegen des Preisdrucks nicht einmal Schutzkleidung bei der Arbeit mit Pestiziden. Die schwerwiegenden negativen Auswirkungen des Preisdrucks in der Lieferkette sind bereits durch viele Studien belegt. Die geplante Übernahme und die Verstärkung der Marktmacht von Edeka würden diesen Preisdruck auf Lieferanten und die negativen Auswirkungen noch weiter verschlimmern.

Das Bundeskartellamt muss den Zusammenschluss verhindern

Das Bundeskartellamt selbst hat in seiner jüngst veröffentlichten Sektoruntersuchung diese Einkaufsmacht der Supermarktketten bestätigt. Darin schreibt das Bundeskartellamt auch, dass in Zukunft der Erwerb eines Lebensmitteleinzelhändlers durch eines der großen Handelsunternehmen einer vertieften Prüfung der Auswirkungen auch auf die Beschaffungsmärkte bedarf. Das Bundeskartellamt hat erst kürzlich Edekas Missbrauch seiner Nachfragemacht im Zuge der Übernahme der Plus-Märkte in 2009 gegenüber seinen Lieferanten bestätigt. Daher ist zu befürchten, dass sich so ein Missbrauch in Form von unfairen Einkaufspraktiken bei dieser Übernahme wiederholt und sich die Marktmacht von Edeka noch verstärkt. Deshalb muss das Bundeskartellamt die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka im bereits hoch konzentrierten Lebensmittelmarkt verhindern.